PFF Magazin für KW28 2022 – jede Woche sonntags

Story der Woche

Porsche im Rampenlicht

Was die Hochzeit des Finanzministers, eine Fahrt über Sylt und ein sizilianisches Rennen gemeinsam haben


Der letzte Eintrag in unserem Magazin liegt schon etwas zurück. Es war ein Leitfaden, wie man mit dem Porsche auf die Insel Sylt kommen kann, und der vielen tollen Möglichkeiten die man dort damit hat. Damals ahnte noch niemand, dass ausgerechnet Christian Lindner unserem Reise-Ratgeber folgen würde. Dieser fuhr mit seiner Gattin am Sonntag in einem (vermutlich 964er) Porsche Targa vor dem Edelrestaurant Sansibar ein. Gekommen war er auf direktem Weg von seiner Trauung.


Aber keine Sorge - dies soll kein weiterer Artikel über die Hochzeit des Finanzministers werden. Denn die Geschichte der „Targa“ beginnt viel früher. Und auf einer anderen Insel.


Es ist 1956 und Edgar Barth (42) und Wolfgang Seidel (33) gehen mit einem Porsche 718 RSK an Start der berüchtigten Rennstrecke „Targa Florio“, in Sizilien. Barth, ein ehrliches Gesicht mit schlechten Zähnen, beginnt seine Karriere schon mit 17 Jahren beim Motorradrennen. 1957 setzt er dann in den Westen über und wird als renommierter DDR-Pilot sofort als „Zuffenhausener Werksfahrer“ – wie die Rennfahrer der Porsche KG damals noch heißen - unter Vertrag genommen.


Sein Kollege Seidel ist eigentlich gelernter Kaufmann und erst seit 9 Jahren mal mehr, mal weniger erfolgreich beim Rennsport dabei.


Der winzige Porsche 718 RSK mit 1,6 Liter Hubraum hat 142 PS und wiegt nur 530 kg. Höchstgeschwindigkeit: 249 km/h.


An ihm montiert ist ein Stuttgarter Nummernschild.


Die Strecke ist etwas unter 108 km lang. Sie führt durch Dörfer, Wälder, Täler und über Berge, eigentlich einmal um die halbe Insel. Es ist also kein Wunder, dass sie sich schon allein mit ihren ungefähr 2.000 Kurven von anderen Strecken abhebt.


Abgesehen davon kennen die Straßenbedingungen zu dieser Zeit keinen Vergleich. Der Boden ist staubig, herumliegende Hufnägel und streunende Tiere sind wohl ein bekanntes Problem. Niemand kann wirklich überblicken wo Fahrer verunglückt, oder Teile abgefallen sind.


Die Zuschauer kommen aus allen Ecken Siziliens und stehen an den Seiten der Strecke, teilweise sogar mittendrin, weil sie die hochmodernen Wägen unbedingt berühren wollen. Immer im Hinterkopf ist auch die Katastrophe beim 24-Stunden Rennen von Le Mans, die damals gerade einmal zwei Jahre zurückliegt.


Obwohl das Rennen eine klassische Domäne der italienischen Teams ist, gelingt dem Team der Porsche KG über 14 Runden nach etwas über 11 Stunden der Gesamtsieg. Sechs weitere folgen auf der Strecke in den nächsten zehn Jahren.


Den Errungenschaften im Angesicht der besonderen Herausforderung zu Ehren, benennt Porsche - dann schon unter der Firmierung Porsche AG - die neue Version des 911er „Targa“. Unwissend landet Porsche damit einen doppelten Hit. Denn „Targa“ heißt auf italienisch „Schild“ und ist daher besonders trefflich für das sicherheitsbewusste Design mit feststehendem Überrollbügel. Auf der IFA 1965 in Frankfurt sagt Pressechef Huschke von Hanstein, die charakteristische Neukonstruktion wäre „das erste serienmäßige Sicherheitscabriolet der Welt“.



Man kann über die Hochzeit denken was man will. Aber wir finden die Inselrundfahrt in einem Targa – wenn auch unabsichtlich, und unter deutlich besseren Bedingungen – eine schöne Hommage an glorreiche Siegesmomente deutscher Ingenieurskunst.


Kommentiert gerne eure eigenen Erfahrungen mit eurem Porsche in „Targa“ Ausführung. Die Geschichte, welche uns am besten gefällt kommt unter „Community-Artikel der Woche“ in die nächste Ausgabe!

Community-Artikel der Woche

Folgt beim nächsten Mal!

Ratschlag der Woche

Nicht verpassen sollte man diese Woche das Solitude Revival 2022. Nicht nur, weil die Strecke historisch gerne an als die schwäbische „Targa Florio“ bezeichnet wurde. Unter den Oldtimern, die ins Rennen gehen, sind auch in allen Auto-Klassen ab 1948 Porsche vertreten.


Mehr Informationen dazu gibt es hier:

https://www.solitude-revival.org/solitude-revival-2022/

PFF Magazin

Wenn euch die Geschichte von dieser Woche gefallen hat, dann empfehlt sie doch weiter. Wir freuen uns, über jedes Paar Augen mit dem wir unsere Begeisterung teilen können. Haltet euch mit positivem und konstruktivem Feedback nicht zurück, denn das Magazin soll ab jetzt wieder regelmäßig erscheinen. Dass es euch gefällt ist dabei natürlich oberste Priorität! Nutzen könnt ihr dafür die Kommentarfunktion unten.


Danke & bis zum nächsten Mal!


Euer PFF-Team


Bilder: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

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