20.000 km mit dem Cayenne e-hybrid MJ 2020

  • Ich habe seit Nov. 2019 einen neuen Cayenne e-hybrid MJ 2020 und möchte hier meine Erfahrungen (gute und auch schlechte) mit der Gemeinschaft teilen.

    Insgesamt bin ich bisher etwa 20.000 km gefahren, davon über 8.000 km rein elektrisch ohne Einsatz des Verbrennungsmotors.

    Die positiven Seiten sind schnell erzählt: hervorragende Abstimmung des Antriebstranges; man kann das Auto sportlich, aber auch sparsam fahren. Die Hybridfunktion ermöglicht beides. Verbrenner und E-Maschine harmonieren perfekt. Er hängt natürlich immer vom persönlichen Fahrprofil ab, bei mir jedenfalls ermöglicht das rein elektrische Fahren sehr sparsames Fahren, der Verbrenner bleibt meistens aus, obwohl ich noch die kleinere Batterie mit eine Kapazität von 14,1 kWh habe. Ich hatte als Mobilitätsfahrzeug mal einen Cayenne e-hybrid mit der größeren Batterie, und das war schon eine Verbesserung, aber ich persönlich benötige diese zum Glück nicht. (Ja ich weiß, es gibt die 0,5% Versteuerung für den neueren Cayenne e-hybrid, aber ich brauche die nicht.)

    Der rein elektrische Verbrauch liegt um die 30 kWh/100 km, die elektrische Reichweite ist 28 bis 30 km im Sommer, im Winter selten mehr als 25 km. Der Kraftstoffverbrauch liegt im Hybridbetrieb über Land selten über 5l/100 km, bis die Batterie leer ist. Im Langstreckenbetrieb kommen ca 10,5 l bis 11 l/100 km zusammen.

    Ich bin der Meinung, dass diese Werte nicht nur in Ordnung, sondern sogar sehr gut sind für ein 2,5t schweres Dickschiff mit 462 PS und 700 Nm Systemperformance.

    Die Verabeitung des Fahrzeugs im Innenraum ist im wesentlichen i.O. Wenn man genau hinschaut, erkennt man Bereiche, wo der Rotstift angesetzt wurde, aber das muss man wohl akzeptieren. Außen ist alles perfekt; mir ist nichts negatives aufgefallen.

    Es gibt aber auch Schattenseiten, die mir teilweise sehr auf den Keks gehen. Ich liste hier mal auf:

    • Ich wohne oben an einem Hang. was bedeutet, dass ich bei voll geladener Batterie feststellen muss, dass bei Bergbfahrt im Schiebebetrieb (also mit zusätzliche Rekuperation) der Verbrenner gestartet wird. Dies geschieht nicht nur bei meinem Fahrzeug, sondern auch bei einem Mobilitätsfahrzeug MJ 2021 mit der größeren Batterie. Der Sinn hiervon erschließt sich mir nicht. Wieso kann die Rekuperation nicht auf null herunter geregelt werden, wenn die Batterie zu 100% gefüllt ist? Als zuverlässige Abhilfe unterbreche ich zu Hause das Laden spätestens bei 95%.
    • Die Porsche Connect App ist ein Witz. Man kann die wesentlichen Funktionen nicht zuverlässig steuern, man muss die Befehle oft bis zu 10 mal wiederholen, weil es keine oder nur unzureichende Verbindung zum Fahrzeug gibt, Lt. PZ ist dieser Mangel bekannt.
    • Das Innodrive ist ganz nett, solange die im System hinterlegten Angaben zB über die lokale zulässige Höchstgeschwindigkeit stimmen. Es kommt leider oft vor, dass plötzlich Geschwindigkeitsbegrenzungen erkannt werden, die aber gar nicht existieren. Hierfür kann Porsche vermutlich nichts, es wäre aber schön, wenn es häufiger Aktualisierungen der Streckendaten gäbe.
    • Das Navi ist nicht immer zuverlässig, was beispielsweise Staumeldungen angeht. Mit Google Maps über Carplay navigieren ist zuverlässiger.
    • Der Kreuzungsassistent funktioniert nicht wirklich und läßt sich im PCM Menü nicht ein- oder ausschalten. Das PZ kennt keine Lösung und verweist seit über einem Jahr auf ein eventuelles zukünftiges Software Update.
    • Es trat während der Fahrt sehr häufig die Fehlermeldung auf, dass der Schlüssel nicht gefunden werden kann, man solle die Position ändern. Macht das mal bei hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn! In mehreren Anläufen über Monate wurden zuständige Steuergeräte, Antennen und Schlüssel getauscht; jetzt ist der Fehler offenbar beseitigt.

    Diese Fehler sind bis auf den Schlüsselfehler alle softwarebedingt, und jeder muss für sich selbst einschätzen, welche Bedeutung sie haben. Bei mir trüben sie den Gesamteindruck durchaus. Mein PZ war übrigens immer zuvorkommend und bemüht, die Fehler zu erklären und zu beseitigen.

    Insgesamt aber ist meine Bilanz bisher positiv. Ich weiß allerdings nicht, welche Bugs die Software des Fahrzeugs noch auf Lager hat, und demnächst läuft die Garantie aus…

    Gruß

    Gerhard

    Neid bekommt man nicht geschenkt, man muß ihn sich hart erarbeiten.

  • Dann schließe ich mal an.

    Ich habe einen Cayenne Coupe E-Hybrid, EZ 12/20 (mit der größeren Batterie) mit zarten 3700 km, davon knapp über 2000km rein elektrisch. E-Verbrauch liegt bei 35 kWh/100 km, Benzin-Verbrauch bei 7,4 l/100km (noch keine echte Langstrecke). Das Ladekabel liegt noch unbenutzt im Kofferraum, weil die von mir bisher ausschließlich benutzten, nicht öffentlichen Stromzapfstellen schon ein Ladekabel haben.

    Im Sommer komme ich rein elektrisch bis zu knapp 50 km weit, obwohl er nur 48 km schaffen soll. Bei normaler Fahrweise sind es 42 bis 44 km. Im Winter war es deutlich, sehr deutlich weniger.

    Mit Luftfahrwerk und Hinterachslenkung fährt sich das Geschoss sehr angenehm. Ich fahre auch einen 991.2 GT3 RS, gerne auf Rennstrecken. Das Fahrwerk des Cayenne Coupe in härtester Stellung geht schon ein bisserl in diese Richtung; unglaublich wie Porsche die Physik austrickst. Und wenn's denn bequem sein soll, einfach auf bequem stellen und die Sänfte gleitet mich von A nach B.

    Die Porsche Connect App funktioniert bei mir sehr zuverlässig, allerdings nutze ich nicht mehr als das Vorklimatisieren, wenn das Auto im Freien steht. Wenn das Auto in der Garage oder in einer Tiefgarage steht, fehlt es wohl an Empfang, dann funktioniert gar nichts, nicht mal der Abruf des Status.

    Innodrive konnte ich damals nicht ordern, was wohl kein Verlust ist. Der Spurhalteassistent und ich sind noch keine Freunde geworden. Das wird auch nix mehr. Diese Reinlenkerei, sehr gewöhnungsbedürftig. Wohl eher was für den Amerikaner auf dem Highway. Der Tempomat geht nur und ausschließlich mit adaptiver Regelung zum vorausfahrenden Fahrzeug; das hinterlässt keine Freude, wenn man auf der Autobahn gemütlich rechts fährt, den Verkehr auf der linken Spur vorbeilässt und dann ausschert. Dann meint die adaptive Regelung, ich würde viiiiiel zu nah auffahren und bremst mir rein. Der Abstand ist auf den kürzest möglichen Abstand eingestellt.

    Das Navisystem funktioniert, mangels echter Langstrecken weiß ich nicht, ob die Stauumfahrung gelungen ist. In der Stadt ist Apple CarPlay mit Google Maps oder Apple Karten eher mein Favorit, weil dort der Verkehr auf fast allen Straßen erkennbar ist (und hoffentlich auch eingerechnet wird). Beim Porsche-Navi werden wohl nur die größeren Straßen auf Staus gecheckt. Die Verkehrszeichenerkennung reißt mich nicht vom Hocker. Ich habe das Gefühl, dass manchmal Schilder von parallelen Straßen besser erkannt werden als von der eigenen Straße. Bei jeder Autobahnauffahrt wird erst mal das Ende der Geschwindigkeitsbegrenzung angezeigt, auch wenn in Wirklichkeit gut sichtbar Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder aufgestellt sind. Da freut sich wohl das Auto so auf die Autobahn, dass es kurzzeitig blind ist.

    Kreuzungsassistent sagt mir nix, brauch' ich aber auch nicht.

    Klasse ist die Massagefunktion der Sitze und die Sitzkühlung.

    Benzintanken war ich bisher nur eine Handvoll Mal. "Wo ist der Tankdeckel" ist eigentlich Werbung für Audi, aber ich vergesse tatsächlich noch die Entriegelung des Tankdeckels von innen, so selten bin ich an der Tanke.

    Fuchsteufelswild macht mich die Mittelarmlehne mit drahtloser Ladestation. Sie funktioniert perfekt, aber das Mobiltelefon ist dort so gut versteckt, dass ich es beim Aussteigen regelmäßig vergesse. Steht zwar auf dem Display vom Navi, dass da ein Mobiltelefon verbunden war, aber wer liest schon Displays beim Aussteigen. Es wird aber besser (weil ein anderes Auto jetzt auch so eine Mittelarmlehnenladestation hat). Das Mobiltelefon ist seitdem immer halbwegs geladen (auch wenn es dem Mobiltelefonakku nicht gut tut).

    Das Einzige, was an dem Schiff nicht "gscheit" funktioniert, ist die Fußbewegung unter der Stoßstange, die die Heckklappe öffnen soll. Manchmal stelle ich mich wohl einfach zu blöd an. Ich fussel mir dann einen ab, bis das Ding endlich aufgeht. Das muss lustig aussehen.

    Lobenswert ist schließlich der Fernlichtassistent, der automatisch zwischen Fahr- und Fernlicht umstellt. Das funktioniert in anderen Autos deutlich schlechter.

    letzter Sauger, letzter Lufti, einfach porschiastisch!

  • Porschiast Das Öffnen des Tankdeckels von innen vergesse ich auch regelmäßig, Ist ja auch kein Wunder bei den großen Abständen zwischen den Tankstopps. Aktuell bin ich rund 1.200 km seit letztem Tanken gefahren, und die Restkm-Anzeige steht noch auf 350 km 😎

    Der Kreuzungsassistent kommt in Verbindung mit dem Innodrive, also ohne Innodrive kein Kreuzungsassi.

    Zum Thema Fahr-/Fernlicht, ich habe das Matrix-LED Licht, und ich muss sagen, das funktioniert sehr gut. Immer aufgeblendet lassen, und es werden entgegenkommende oder vorausfahrende Fahrzeuge zuverlässig ausgeblendet.

    Neid bekommt man nicht geschenkt, man muß ihn sich hart erarbeiten.

  • Zum Thema Fahr-/Fernlicht, ich habe das Matrix-LED Licht, und ich muss sagen, das funktioniert sehr gut. Immer aufgeblendet lassen, und es werden entgegenkommende oder vorausfahrende Fahrzeuge zuverlässig ausgeblendet.

    Das hat meiner auch und habe mich nicht korrekt ausgedrückt. Sorry.

    Heute habe ich noch einen Punkt entdeckt, der mich wirklich aufregt.

    Das Auto ist so breit, dass ich nicht in einen Innenhof reinfahren konnte. Das könnte Porsche wirklich besser machen, sie tricksen ja schon gefühlt die Physik beim Kurvenfahren aus, da sollte die Geometrie zum Durchfahren an Hindernissen auch zu überwinden sein.

    Im Ernst: Der Innenhof gehört zu einem Neubau; wie da später mal die Feuerwehr reinkommen soll, ist mir ein Rätsel. Zugegeben, die Durchfahrt ist künftig nicht für Autos gedacht. Da wird sicher noch so ein Pfosten zum Hängenbleiben als Fußgänger montiert.

    letzter Sauger, letzter Lufti, einfach porschiastisch!

  • Interessante Berichte

    Hinsichtlich Hybrid und Vrbräuchen wird allerdings so getan als wenn das Fahern mit Strom

    kostenlos wäre und nur der Kraftstoff Geld kostet.

    Um wieviel günstiger fährt der Hybrid denn jetzt wirklich in Summe ?

    Wieviel km muss man fahren damit sich die Mehrkosten bei der Anschaffung armortisieren ?

  • JuergenL Die Frage nach der Amortisation müsste jeder für sich selbst beantworten, da die eingehenden Berechnungswerte sehr individuell sind. In meinem Fall habe ich einen selbst berechneten (also kein Bordcomputerwert) Kraftstoffverbrauch über die bisherige Laufzeit von 7,45 l/100km. Der E-Verbrauch liegt im Durchschnitt bei 15,05 kWh/100km, auch selbst gemessen. Ich tanke E10 und lade das Fahrzeug mit wenigen Ausnahmen zu Hause, wo ich 0,21 € pro kWh zahle. Preislich und leistungsmäßig ist das Auto mit einem Cayenne S vergleichbar, ist sogar knapp 3.000 € billiger im Grundpreis. Wieviel der Cayenne S bei gleicher Fahrweise verbraucht, vermag ich nicht zu sagen, ich schätze mal 11 l/100 km.

    Mit den Angaben kannst Du Dir für Deine persönliche Fahrsituation ausrechnen, ab wann sich der e-hybrid „lohnt“. Wichtig dabei ist natürlich, dass Du einen signifikanten Anteil rein elektrisches Fahren haben wirst, z.B. mindestens 1/3 der gesamten Fahrleistung.

    Auch spielt der CO2 Footprint eine Rolle, aus meiner Sicht. Hier wird es schwieriger, da die Batterie in der Herstellung einiges an CO2 erzeugen läßt. Allerdings wirkt die CO2 Entstehung beim Fahren dem entgegen bzw. hebt es irgendwann auf und wird irgendwann besser als beim Cayenne S. Warum? Weil der reine Benzinverbrauch deutlich geringer ist, und der E-Verbrauch durch Einsatz regenerativer Energien sogar CO2 neutral geschafft werden kann, wenn man seine eigene Solaranlage zur Stromerzeugung verwendet (Ich werde das demnächst umsetzen).

    Wenn man den Cayenne e-hybrid in Ermangelung eines Diesels als Dienstwagen immer nur mit Geschwindigkeiten nahe v-max über die Autobahn prügelt, relativiert sich das alles natürlich. Für diesen Einsatzzweck ist ein Hybridfahrzeug nicht vorgesehen.

    Aus meiner persönlichen Sicht lohnt der e-hybrid sich also vom ersten km an, und zwar weil:

    - der Preis praktisch identisch zum Cayenne S ist

    - der Verbrauch deutlich günstiger ist

    - die CO2 Entstehung aus primären Energien vermindert werden kann

    und natürlich der Fahrspaß durch den hervorragenden Drehmomentverlauf super ist.

    Just my 2 cents 😎

    Neid bekommt man nicht geschenkt, man muß ihn sich hart erarbeiten.

  • ... nicht zu vergessen sind die preiswertere Versicherung, die geringere KFZ-Steuer und, wenn das Fahrzeug als Firmenwagen läuft, die deutlich bessere Dienstwagenbesteuerung. Nichts davon war ein allein kaufentscheidender Grund, aber man nimmt das gerne mit. Eigentlich ist es mir auch egal, ob ich jetzt weniger oder mehr Unterhalt- und Fahrkosten habe.

    Nicht zu vergessen ist, dass der Grundpreis des E-Hybrid tatsächlich geringer als der des S ist, wobei noch ne kostenlose Standheizung und sogar ne Standkühlung dabei ist, die zwar nur elektrisch sind, aber bei mir perfekt funktionieren.

    An der Ampel bin ich immer wieder erfreut über die ersten 20 m, wenn ich den Kurzsprint haben will. Obwohl die E-Hybrid-Version knapp 300 kg mehr wiegt, geht der ab wie ne Katze.

    letzter Sauger, letzter Lufti, einfach porschiastisch!

  • Danke für die Ausführungen

    Ich halte für mich fest:

    So ein Auto in der Klasse kaufe ich mir nicht für den grössten Anteil im Stadtverkehr, dafür tut es ein Stadtflitzer meinet wegen auch vollelektrisch, sondern hauptsächlich für den Fernverkehr. Danke für die Bestätigug, dass er dafür keinen SInn emacht.

    Cayenne S hat mehr Leistung , wenn der Boost des Hybrid bei leerer Batterie wegbleibt.

    Vorteil Co2 Footprint ist nach neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft und ausserhalb der politschen Ambitionen sehr umstritten und steht bei mir auch nicht im Vordergrund der Entscheidung

    https://www.zeit.de/news/2021-…enfehler-bei-klimapolitik

    Der Vorteil bei der Dienstwagenbesteurung ist unbestritten, trift für mich aber nicht mehr zu.

  • JuergenL

    Ja, diese Kritik von Prof. Koch an der Berechnung der CO2 Einsparung infolge E-Mobilität ist mir bekannt, und ich kann diese nachvollziehen. Aus diesem Grund habe ich in Post #6 von einer eigenen Solaranlage zur Erzeugung des eigenen kWh Bedarfs gesprochen.

    Zum Thema Boost auf der Autobahn, man muss schon extrem häufig den E-Boost abrufen, bis dieser wegen leerer Batterie nicht mehr wirkt. Im Praxisbetrieb ist mir das noch nie vorgekommen, bisher war immer noch genug Rest in der Batterie, um nochmal kräftig zu beschleunigen. Durch Rekuperation im Schiebebetrieb und beim Bremsen ist eigentlich immer Energie in der Batterie. Wenn man nachts auf einer unbeschränkten Autobahn Dauervollgas gibt, wird es sicher anders aussehen.

    Leih Dir mal so ein Fahrzeug und probier es aus, Du wirst überrascht sein.

    Neid bekommt man nicht geschenkt, man muß ihn sich hart erarbeiten.