Schottlandtour 2019: Mit 7 Porsche durch die Highlands

  • In der Zeit vom 14.09.bis 22.09.2019 waren wir mit 7 Leuten in 7 Porsche auf Schottlandtour, vornehmlich in den Highlands. Eines vorab: dies war mit die schönste Tour, die ich je mit einem Auto gemacht habe. Die Landschaft ist atemberaubend und die Schotten sind nette und sehr entspannte Menschen. Ich habe mich in das Land verliebt.

    Noch eines: dies ist mein persönlicher Reisebericht mit persönlichen Erfahrungen und meiner persönlichen Meinung. Diese ist nicht allgemeingültig.

    Wenn ich hier anschließend gelegentlich „wir“ schreibe, glaube ich, mir mit meinen 6 Mitfahrern einig zu sein. Z.B. würden „wir“ die Tour gerne wiederholen!

    Es gibt reichlich Internetthemen zum Thema Schottland. Ein zentrales Thema ist das Wetter. Wir hatten Glück und nur einen Tag Nieselregen (ausgerechnet oben in den Bergen, was aber der Freude keinen Dämpfer verpasst hat). Den Rest der Zeit hatten wir sonniges oder bedecktes Wetter mit Temperaturen über 20 Grad.

    Ein weiteres Thema sind die Mücken. Keine Stechmücken, sondern fiese Beißer, deren Bisse sich böse entzünden können. Es wird allgemein empfohlen, sich mit Mückenschutz zu versorgen (Spray oder etwas zum einreiben), am Besten vor Ort in Schottland, weil Autan etc. wohl nicht hilft und man nur dort die richtigen Mittel hat. Wir hatten den Einkauf immer vor, haben ihn aber stets aufgeschoben und letzten Endes gelassen, weil wir eben kein Mückenproblem hatten. Glück gehabt, wie gesagt.

    Vor den Hotels in Schottland hatte man uns gewarnt: sehr teuer und trotzdem mies. Man solle besser bed & breakfast nehmen. Meist besser, weil persönlich vom Inhaber geführt und keine Ketten und zudem billiger. Aber reserviere mal für 7 Leute! Wir haben also dann doch Hotels gebucht.

    Allerdings: Die Warnung vor den Hotels war berechtigt. Die Hütten kosteten teilweise 150 £ je Zimmer und Nacht, waren oft heruntergekommen mit verwohnter Einrichtung und beschädigter Technik. Sie hatten oft ein Level, für das man in Deutschland nicht mal 30 € bezahlen würde. Generell scheinen britische Maler kein Abklebetape zu kennen, alle Fensterscheiben hatten reichlich Farbspuren vom Anstrich. Kein Problem, aber die Technik wie Toilettenspülung oder Türschlösser sollte funktionieren. Was nicht immer der Fall war.

    Und wenn die Hütten abgewohnt sind, sollten sie wenigstens sauber sein. Beim letzten Hotel der Reise, dem Britannia Hotel in Edinburgh, hatte das schon Ekel-Charakter. Einen Staubsauger hatte mein Hotelzimmer anscheinend noch nie gesehen. Normalerweise dreht man auf dem Absatz um, aber wenn du müde vom Fahren um 20.00 Uhr ins Hotel kommst und dann noch vor der Aufgabe stehst, für 7 Leute neue Hotelzimmer zu suchen, sagst du dir: Augen zu und durch!

    Noch etwas: unser Reisebüro buchte über eine Agentur, die wiederum die Betten über hotelbeds.com buchte. Dies ist eine Organisation, wie wir sie in Deutschland mit hrs oder booking.com auch kennen. Von unseren 6 Hotels war eines gar nicht gebucht (die Agentur hatte eine Buchungsbestätigung, das Hotel war aber weder gebucht noch bezahlt). Die Dame an der Rezeption war so nett, in der Stadt herum zu telefonieren und besorgte uns Zimmer in einem knorrigen, windschiefen alten Hotel, in dem es keinen rechten Winkel zu geben schien. Ich spreche fließend Englisch, aber dort an der Rezeption habe ich den Mann nicht verstanden, so stark war sein schottischer Akzent. Er hat mir die Zimmerpreise beim Buchen dann aufgeschrieben.

    Das Hotel mussten wir dann natürlich auch selbst bezahlen. Das Geld hole ich mir von der Agentur zurück.

    Bei einem zweiten Hotel waren 8 Zimmer gebucht, aber nur zwei bezahlt. Wir waren ursprünglich 8 Teilnehmer, einer hatte vorab einen Motorschaden an seinem Porsche und wollte nicht mehr mit. Wir hatten rechtzeitig storniert, der Storno war von der Agentur bestätigt, aber vor Ort nicht erfolgt.

    Da stand ich nun und durfte 6 Zimmer nochmal bezahlen. Auch hier werde ich mir das Geld von der Agentur zurück holen.

    Fazit: Niemals über hotelbeds.com buchen, lieber andere Wege finden. Ich selbst würde mir beim nächsten Mal die Mühe machen, selbst die Hotels zu buchen.

    Die Benzinversorgung ist okay, es gibt aber wenig Tankstellen mit 98 Oktan. Shell hat meist sogar 99 Oktan, ist aber dünn gesät. BP hat trotz „Ultimate“ - Reklame oft nur Ultimate-Diesel, nicht aber Ultimate - Benzin, sondern nur 95 Oktan-Benzin. Wer mehr braucht (z.B. die Luftis), sollte Oktan-Booster mitnehmen.

    Tanken sollte man bei jeder Gelegenheit, die Tankstellen auf dem Lande sind dünner gesät. Reservekanister sind aber nicht nötig.

    Zum Bezahlen sollte man vorsichtshalber eine Kreditkarte haben. Allerdings konnte man meist auch per normaler Bankkarte und PIN bezahlen (Restaurants, Tankstellen, Supermärkte, Geschäfte). Die Währung ist Pfund (£), englisches Geld wird akzeptiert, aber es gibt eigene Banknoten der Bank of Scotland. Deren große Scheine ab 50 £ werden angeblich in England nicht akzeptiert, ich habe es nicht getestet. Wenn man für so eine Reise 300 englische £ in bar mitnimmt und den Rest mit Karte erledigt, kommt man super klar. Fazit: englisches Geld in Schottland ist kein Problem, schottisches Geld später in England auszugeben geht nur etwas eingeschränkter.

    Die Straßen in Schottland sind auch ohne SUV befahrbar, aber die Parkplätze am Straßenrand sollte man im Schritttempo anfahren, die Schlaglöcher darin sind teilweise tierisch.

    Die Autobahnen tragen den Buchstaben M für Motorway, die Straßen mit Buchstaben A sind vergleichbar unseren Bundesstraßen. Die A schlängeln sich teilweise wie Landstraßen durchs Land, teilweise sind sie wie Autobahnen mit zwei Spuren je Seite plus Mittelleitplanke ausgestattet. Mit einer wichtigen Einschränkung: Sie haben Kreuzungen (Lücke in der Leitplanke, durch die man rechts abbiegen kann) und Kreisverkehre. Die Kreuzungen haben Abbiegespuren, die Kreisverkehre werden rechtzeitig angekündigt.

    Mein Porsche-Navi im 997 ist so eine Sache: auch Stand 2014 kennt es bei mir zuhause die neuen Kreisverkehre aus 2011 nicht. Entsprechend habe ich es nicht mehr aktualisiert und entsprechend gering ist mein Vertrauen darin. Google per Handy geht auch, aber eine Karte aus Papier zu haben, sie z.B. auf dem Heckflügel eines G-Modells auszubreiten :kwink: und mal zu gucken, wo es schön ist, das ist auf alle Fälle sinnvoll.

    Das Tempolimit ist auf Landstraßen und den A -Straßen 60 mph (ca. 96 km/h), auf den Autobahnen (Motorways, z.B. M 90) 70 mph (ca. 112 km/h). Ortschaften 30 mph (ca. 48 km/h), manchmal erlauben Schilder 40 mph innerorts (ca. 64 km/h.) Bei den wassergekühlten Porsche kann man übers PCM die Einheiten von Kilometer auf Meilen umstellen. Es bleibt alles beim Umstellen und Wieder-Rückstellen erhalten, Tachostand und Tages-km. Wir haben uns stets an die Limits gehalten, die Strafen sind angeblich nicht ohne.

    Nun zu unserer Reise:

    Angereist sind wir über Amsterdam mit der Fähre der DFDS.

  • Unsere Stationen in Schottland waren:

    • Edinburgh

    • Perth

    • Fort William

    • Inverness

    • Glenrothes

    • Edinburgh

    Die Distanzen lagen zwischen 200 und 300 km. Mehr sollte man sich nicht vornehmen, denn die Durchschnittsgeschwindigkeit ist niedrig und man will ja auch mal anhalten zum gucken, essen, tanken etc.

  • Tag 1:

    Abfahrt von Amsterdam, Fähre bis Newcastle, von dort nach Edinburgh.

    Übernachtet im Hotel Holiday Inn Express Edinburgh Waterfront. Einfaches Hotel, sauber, eingeschränkte Parkplatzsituation. Nebenan eine Großbaustelle, die aber am Sonntag bei unserer Ankunft still stand und am Montag erst um 9.00 Uhr startete. Da waren wir schon wach. Wer ein paar Tage in Edinburgh bleiben will, sollte sich also derzeit etwas anderes suchen, wir würden das Hotel wohl wieder nehmen.

    Die Stadt haben wir uns angesehen. Schöne Innenstadt mit Bars und Restaurants. Am Sonntag Abend mit 7 Leuten einen Tisch zu bekommen, ist ohne Reservierung nicht möglich. Zudem waren einige Straßen der Innenstadt gesperrt wegen Dreharbeiten zu „The fast & the Furious“. Müsste inzwischen Teil 199 sein. :kwink:

    Wir waren in mehreren Restaurants, die einen guten Eindruck machten. Nachdem wir abgewiesen wurden, sind wir in unserer Verzweiflung am Ende aber bei Burger King gelandet. Welch ein Niveauverlust! Immerhin hatten die dort Cola-Automaten von Pininfarina. :lol:

    Lohnenswert sah das Restaurants „Miller & Carter“ in der Frederick Street aus.

  • Tag 2:

    Abfahrt zum Wallace Memorial nach Sterling.

    Willam Wallace ist der Befreier Schottlands und wurde als „Braveheart“ , verfilmt mit Mel Gibson, berühmt. Wir sind die Wendeltreppen des Towers raufgekraxelt und hatten von oben einen sagenhaften Blick über die Landschaft.

    Anschließend über Crieff und Amulree nach Kenmore zum Loch Tay.

    Von dort über Aberfeldy, Dunkeld und Bankfoot nach Perth. Dort war das Mercure Hotel nicht reserviert und wir landeten mit Hilfe der netten Rezeptionistin des Mercure-Hotels im Salutation Hotel , jenem in Posting Nr. 1 beschriebenen windschiefen, knorrigen alten Hotel, dessen Rezeptionisten ich wegen seines Akzents kaum verstand. Saubere Zimmer mit knarrenden Fußböden.

    Am Abend waren wir im Restaurant „Pacos“ in der Mill Street, wo ich die schottische Spezialität Haggis probierte. Lecker!

    https://de.wikipedia.org/wiki/Haggis


  • Tag 3:

    Mein 997 nahm teilweise kein Gas an. Ich fuhr zum PZ in Perth, wo man uns sehr gastfreundlich empfing. Der nette Mechaniker Arthur diagnostizierte einen defekten Luftmassenmesser. Ein Ersatzteil sei aber erst in drei Tagen da. Darauf wollte ich natürlich nicht warten. So löschte er die Fehler im Fehlerprotokoll, reinigte den LMM und wir fuhren weiter. Kaffee und Service waren im PZ Perth kostenlos! Thumbs up for Porsche Centre Perth! :t:

    Die schlechte Gasannahme trat im Folgenden leider sporadisch immer wieder mal auf.

    Wir fuhren dann über Tibbermore

    St. Fillans am Loch Earn

    A 85

    Crianlarich

    Oban

    zurück bis Connell

    A 82 an der Küste entlang

    nach Fort William

    und übernachteten im Moorings Hotel in Banavie/Fort William. Saubere Zimmer, alles wie immer etwas altbacken, aber sauber. Gutes Restaurant, wo wir den Tag ausklingen ließen.

  • Tag 4:

    Von Fort William weiter über die A 82 nach Fort Augustus zum Loch Ness.

    Von dort weiter über

    Invermoriston

    A 87

    Loch Duich zum Eilean Donan Castle

    zurück über Shiel Bridge

    Dornie

    Stromeferry

    Attadale

    über den Applecross-Pass

    nach Applecross.

    Der Applecross-Pass ist einspurig angelegt mit Ausweichbuchten. Wohnmobile und sogar Ski-Langläufer auf Rollbrettern begegnen einem. Alle sind entspannt, weichen aus, bleiben schon in der Entfernung stehen und blinken mit der Lichthupe, man solle kommen.

    Die Landschaft ist atemberaubend schön, die Kurven sind wirklich zahlreich, aber nur recht langsam zu befahren. Der Straßenbelag ist rau, aber nicht löchrig. Die Erfahrung des Applescross-Passes hat uns alle umgehauen. Toll! Unbedingt fahren!

    Von Applecross sind wir an der Küste entlang gefahren. Langwierig, weil man jeder Krümmung der Buchten folgen muss, aber wunderschön! Wer die Küstenstraße Richtung Norden sucht, muss an der Stop-Straße, die vom Pass runter kommt, rechts weiterfahren.

    Über Fearnmore, Annat, Kinlochewe ging es so nach Inverness. Dort waren wir im Mercure Hotel gebucht. Parkplätze vor der Tür (6 £ die Nacht), saubere Zimmer. Mein Türschloß hatte jedoch wohl schon mal Gewalt erfahren, es war verbogen und gesplittert und nur notdürftig repariert. Abschließen konnte man die Tür jedoch schon.

    Gegenüber dem Hotel fließt der Fluss Ness. Über die Brücke gleich links liegt das Restaurant „Prime“. Sehr empfehlenswert. Dort aßen und tranken wir und ließen den Abend dann an der Hotelbar bei gutem Whisky aus Oban ausklingen.

  • Tag 5:

    Am 5. Tag ging es durch die Highlands des Landesinneren. Wunderschöne Landschaften, fast noch besser als der Applecross-Pass. Wir fuhren

    Inverness

    Tomatin

    Boat of Garten

    Tomintoul

    Cockbridge

    Crathie

    Braemar

    Spittal of Glenshee

    Bridge of Cally

    Dundee

    Glenrothes

    Wir haben auch kurz beim Schloß Balmoral vorbeigeschaut. Es war aber gesperrt, weil die kgl. Familie sich gewisse Monate reserviert.

    Wir übernachteten im Holiday Inn Express in Glenrothes. Hier war es, wo wir wie in Posting Nr. 1 beschrieben sechs Zimmer nochmal bezahlen mussten. Die Zimmer waren schmutzig, aber bewohnbar. Insgesamt jedoch würde ich das Hotel nicht empfehlen.

    Entschädigt wurden wir durch das gleich neben dem Hotel liegende Restaurant „The Fettykil Fox“ in der Leslie Road, wo es leckeres Essen gab.

  • Tag 6:

    Von Glenrothes ging es über Ladybank und Cupar über Landstraßen nach St. Andrews. Eine schöne Stadt am Meer, schöne Straßen, die Ruine der Kathedrale, schöne Geschäfte.

    Am Nachmittag fuhren wir über

    Kingsbarns

    Anstruther

    Lindin Links

    nach Edinburgh, wo wir im Britannia Hotel zwar eine wunderbare Tiefgarage für uns allein hatten, das Hotel selbst aber schmutzig und unter aller Kanone war.

    Am Abend stromerten wir durch die Straßen und aßen im Restaurant Zizzy in der Queensferry Street. Witziges Restaurant mit gutem Essen. Anschließen folgten wir dem Motto der Doors

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    und genossen guten Whisky in der Usquabae Bar in der Hope Street.

  • Am 7. Tag ging es zurück zur Fähre. Ursprünglich wollten wir die Küstenstraße fahren, sind aber vorsichtshalber aus Zeitgründen doch die A 68 nach Newcastle gefahren.

    Den Straßenstaub haben wir dort gelassen!

    Das war unser toller Schottland-Trip. Bye bye, Scotland, see you again!