David gegen Goliath oder wie man einem Sportwagenkonzern eine ordentliche Backpfeife verpasst.

  • Hey Folks!


    Einige können sich eventuell daran erinnern, dass ich vorletztes Jahr (2017) einen 997GT2 gekauft hatte. Der erste Dämpfer der Begeisterung kam ja schon direkt bei der Übergabe: beim Zusammensortieren der Dokumente und Unterlagen fiel mir auf, dass das Serviceheft in italienischer Sprache verfasst war. Meine Nachfrage wurde abgebügelt, das sei kein Problem, alles sei lückenlos dokumentiert, man kenne den Vorbesitzer (der ganz zufällig den gleichen Nachnamen hatte, wie der Verkaufsberater) persönlich, alles gut blabla. Nun war das Geld ja auch schon geflossen und eine Ablehnung hätte zunächst nichts gebracht und außerdem habe ich mich natürlich einlullen lassen, weil ein anderer Kaufwunsch mich mit den Worten des Verkäufers: „Mit dem werden Sie nicht glücklich, lassen Sie das besser….“ davon abgebracht hatte. Man denkt ja gleich: „der ist ja ehrlich, daschatoll!“. Also, Auto abgenommen und nach Hause gefahren.


    Nach wenigen Wochen aber hatte ich gemerkt, dass ich mit dem GT2 zu kurz gesprungen war und wollte ihn in Zahlung geben für einen zweiten GT3RS. Und was kam dann da? Ausnahmslos alle PZs hatten abgewunken: „den kriegen wir nie wieder verkauft, Re-Import ist immer ein Ladenhüter….“ und so weiter und so weiter und so weiter. Ich habe mich dann mit dem PZ in Verbindung gesetzt und vorgeschlagen, dass das Fahrzeug besser rückabgewickelt wird, wenn wir weiterhin gute Freunde bleiben wollten. Tja. Es kam dann von der Geschäftsleitung eine derart freche Mail zurück mit dem Angebot, dass das PZ das Fahrzeug „aus Kulanz“ mit einem Minderbetrag von 20.000 EUR zurückkaufen könne und da habe ich mir überlegt: das wollen wir jetzt doch mal sehen! Es fand sich ein hervorragender Jurist mit entsprechender Fachkenntnis, auch, was dieses spezielle Thema anbetraf und Ende 2017 ging es in die erste Runde.


    Die Verhandlungen vor dem Landgericht zogen sich dann noch ein gutes Jahr hin, es wurden Gutachten beauftragt (bei denen noch andere, sehr interessante Dinge zum Vorschein kamen, die jedoch nicht streitgegenständlich waren), es wurde noch ein wenig herumgestritten und man merkte zum Ende hin, dass sich die Gegenseite zunehmend im Rückzugsgefecht befand: wer bei einem Streitwert von 170.000 um Einstellkosten von wenigen Hundert Euro feilschen will, hat erkannt, dass der Zug die roten Lichter hinten hat.


    Ergebnis: die Gegner wurden nach anderthalb Jahren vor Gericht ordentlich abgewatscht und als Beklagte dazu verurteilt, das Fahrzeug zurück zu nehmen und mir den Kaufbetrag nebst aller inzwischen entstandenen (nicht unerheblichen) Kosten zu erstatten.

    Da ich die Dinge immer noch vergleichsweise sportlich sehe, haben wir in Absprache mit der Gegenseite auf eine sofortige Vollstreckung verzichtet und siehe da: still ruhte der See! Ein Sportwagenkonzern, der vor Gericht unterlegen war, zierte sich mit der Zahlung und nach Wochen und der inzwischen eingegangenen Bestätigung des OLG, dass kein Rechtsmittel eingelegt worden ist, mussten wir am Ende noch die Zwangsvollstreckung androhen. Auf den allerletzten Drücker hat die Gegenseite dann bezahlt (24 Stunden später wäre das Konto gepfändet worden) – aber leider müssen wir jetzt noch nachkarten, weil die inzwischen entstandenen Kosten ja ebenfalls von der Gegenseite gezahlt werden müssen und ich gestehe ihr nach dieser Nummer keinen einzigen Cent zu.


    Insgesamt gesehen war die Reaktion der Gegenseite also ausgesprochen dumm. Ich hatte klar zu verstehen gegeben, dass man das Fahrzeug diskret abwickeln könne, ich wäre gute Kundin geblieben und alles wäre fein gewesen. So aber haben sie jetzt einen richtigen Schaden, hohe Gerichtskosten, eine gute Kundin verloren und ein im Prinzip hochpreisiges Fahrzeug, das auf alle Zeiten verbrannt ist. Die Strategie, dass man als kleine Kundin das Risiko und die hohen Kosten einer juristischen Auseinandersetzung scheut, ist reichlich in die Hose gegangen und genau das sollte sich Porsche (stellvertretend der Sportwagenkonzern) dick und fett hinter die Ohren schreiben.


    Also: falls jemand mal einen wirklich pfiffigen und vor allen Dingen in Bezug auf Porsche wirklich sachkundigen Juristen sucht: PM genügt. Und falls sich jemand in naher Zukunft mit dem Gedanken trägt, einen schwarzen 997 GT2 BJ 2009 zu kaufen, so möge er sich doch bei mir melden und mir die FIN geben, vielleicht sollte man dann mit dem Verkäufer nochmal darüber sprechen, bevor man den Vertrag unterschreibt …….. So für den Fall, dass ein Re-Import aus Italien nicht erwähnt werden sollte ...... :])


    LG

    Sabine

    992 GT3 (schwarz), 991.1TargaGTS (schwarz), RS6 MTM962 (schwarz), G500Brabus (schwarz), Dodge RAM Sport (schwarz), Celtic/Dream-Rambler (schwarz)

  • Gratulation :-) Freut mich, dass es für dich so gut ausgegangen ist.


    War war eigentlich der Grund, warum das PZ rückabwickeln musste?

    2011 Audi A4 B8 Avant lavagrau / Leder schwarz / KW tiefe Version => Alltag

    2010 997.2 Carrera S dunkelblau metallic / Naturleder braun
    2016 981 Spyder carraraweiss metallic / Leder schwarz mit silberner Naht / Schalen

    1990 e30 Coupe alpinweiß 2 / H-Kennzeichen / M52b28 Swap / Bremse e46 M3 / H&R

  • War war eigentlich der Grund, warum das PZ rückabwickeln musste?

    Es waren zwei Gründe: in erster Linie das Verschweigen der Reimport-Eigenschaft und zusätzlich Überdreher, die eine Approved über die von diesem PZ erteilte in Zukunft fraglich gemacht hätten.


    Nun gibt es ja inzwischen hinsichtlich Reimport etliche Urteile, die zugunsten der/des Beklagten entschieden wurden, allerdings keines, bei dem es um Fahrzeuge dieser Kategorie (Sammler) ging und genau das hatte die Gegenseite offenkundig "übersehen", oder schlicht nicht einkalkuliert und diese nachträgliche Erkenntnis wird vermutlich auch dazu geführt haben, dass kein Rechtsmittel eingelegt wurde. God knows :)


    LG

    Sabine

    992 GT3 (schwarz), 991.1TargaGTS (schwarz), RS6 MTM962 (schwarz), G500Brabus (schwarz), Dodge RAM Sport (schwarz), Celtic/Dream-Rambler (schwarz)

  • Hi,


    Glückwunsch, dass das alles noch glimpflich ausging.


    Nur die Überschrift hat mich etwas irritiert: Warum schreibst du Sportwagenkonzern? Was hatten die damit zu tun.

    Das betraf doch den Händler - das PZ.

  • Man sieht mal wieder, man MUSS sich nicht einigen.


    Und es gilt auch hier das Sprichwort, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus.


    MUV17:drive:

    Mitglied des TA · Ein Auto ist ein Gebrauchsgegenstand. Ich benutze es, um von A nach A zu fahren.

  • Porsche betreibt z. Teil Häuser in Eigenregie (wie z. B. in HH) :old:

    Sofern der "Vorgang" also in einer Porsche Niederlassung erfolgt sein sollte, würde das schon sehr nachdenklich machen. :rolleyes:

    Ein Hinweis (ohne Namensnennung) würde hier Klarheit schaffen.



    " ...Vor fünf Jahren übernahm der Konzern dieses Porsche-Zentrum und das an der Eiffestraße und führt sie seither in Eigenregie. Im Februar 2015 zogen die Nedderfelder in ein neues Gebäude nahe des Autobahn-Dreiecks Hamburg Nord-West." ...

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