Restaurierung meines 84er US Targa

  • Hallo zusammen,

    ich hatte hier und da schon etwas zur Neulackierung meines 84er US Targa geschrieben. Mittlerweile ist aus der Neulackierung jedoch eine kleine Restauration geworden und ich möchte Euch gerne an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.

    Kurz zur Geschichte des Autos:

    Ich war auf der Suche nach einem bezahlbaren 3,2 Carrera, der Arbeit an der Technik nötig hat aber eine gute Karosseriesubstanz bietet. Fündig geworden bin ich im Februar 2017 auf Ebay.com:

    Geworden ist es ein früher 3,2 Targa, der im August 83 vom Band gelaufen ist. Zuletzt gelaufen in Arizona. Laut Verkäuferin (Schwiegertocher des verstorbenen Besitzers) mit sehr guter Karosse, jedoch mit defekter Kupplung. Motor etc. funktionieren einwandfrei. Laufleistung 147 t Meilen.

    Gut zwei Monate später konnte ich den Wagen dann in Rotterdam abholen, erstmal nach Hause gebracht und in der heimischen Garage begutachtet. Im Prinzip war der Wagen wie beschrieben und auf den Fotos ersichtlich.

  • Was nicht ganz so schön war, war die Lackierung. Der Wagen wurde teilweise mit Farbe nachlackiert, teilweise hat der Lack eine Schicht Klarlack erhalten. Bei einem Abstand von 3 Metern gut, aber bei genauer Betrachtung für mich nicht wirklich akzeptabel. Hier war definitiv Arbeit angesagt.

    Nachdem die Zeit begrenzt ist, und mein 964 Cabrio noch etwas Arbeit nötig hatte, stand der Targa gut ein halbes Jahr unberührt in der Garage, bis ich im September 2017 Tatsachen geschaffen habe…

  • Der (ursprüngliche) Plan:

    Der Wagen sollte eine neue Lackierung erhalten und der Motor bzw. die Technik sollten gewartet werden. Der Motor musste aufgrund der defekten Kupplung eh ausgebaut werden, insofern sollten die üblichen Verdächtigen (Impulsgeber, Bermudadreieck, Spritleitungen etc.) überarbeitet werden inkl. großer Wartung. Klar war, dass der Wagen auf jeden Fall im Originalzustand bleiben sollte. Also Lackierung in Originalfarbe und kein tiefer, breiter oder härter …

    Die Zerlegung und Entlackung des Wagens wollte ich in Eigenregie durchführen, genauso wie die Arbeiten an der Technik. Die Lackierung überlasse ich einem Fachmann und den anschließenden Zusammenbau führe ich wieder selbst durch.

    Also habe ich angefangen, den alten Lack zu entfernen. Mein Ziel bei der Entlackung war, möglichst viel von der Originalsubstanz (Verzinkung) zu erhalten und auf Schleifen etc. hatte ich Aufgrund des dabei entstehenden Staubs keine Lust. Nach ersten Versuchen mit Hitze und Schaber bin ich auf Abbeizer umgestiegen (siehe auch ….).

    Nachdem die neuen Abbeizer nicht mehr ganz so aggressiv sind, habe ich erstmal eine Probe gemacht und war mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Alles dick mit Abbeizer eingepinselt und in Frischhaltefolie gepackt. Nach 24 Stunden konnte man den Lack mit einem Schaber bis zum Füller bzw. der Grundierung relativ problemlos entfernen. Reste vom Füller konnte ich dann mit einem Topfschwamm entfernen.

    Während der Arbeiten und des Zerlegens lernt man sein Auto besser kennen und als der Lack dann runter war, war ich mit der Substanz des Wagens durchaus zufrieden:

    • Kein Rost

    • Kein Spachtel

    • Keine Unfallschäden

    • Keine festgegammelten Schrauben

    Es gibt natürlich auch Schatten: Obwohl der Wagen eigentlich unverbastelt ist, hat es ein Volldepp geschafft, größere Boxen in den Türen einzubauen. Blechschere frei und los geht’s L

    Das kann so natürlich nicht bleiben und da die Türen sonst Top sind, müssen hier Bleche eingepasst werden.

  • Zwischenzeitlich habe ich dann Motor und Getriebe ausgebaut. Die freudige Überraschung: Ventildeckel runter und siehe da, alle Stehbolzen waren fest.

    Aber auch beim Motor bzw. Getriebe gab es ein paar Minuspunkte: Der Motor war überall ziemlich verölt und es war mir nicht wirklich möglich, die Ventile zuverlässig einzustellen (dazu später mehr). Dazu kam dann noch leichtes Pitting an den Nockenwellen (jeweils 1 Nocke pro Welle) und das Getriebe schien auch leicht undicht zu sein und so nahm der Plan eine Wendung…

  • Der neue Plan:

    Nachdem ich definitiv kein Auto wollte, was nur optisch gut da steht und bei dem die Technik nicht passt, war die Überlegung, das „volle“ Programm durchzuziehen:

    • Motor komplett überholen
    • Getriebe überprüfen und abdichten
    • Fahrwerk überholen
    • Sonstige Technik überprüfen bzw. überholen
    • Innenausstattung überarbeiten

    Auch hierbei war bzw. ist die Devise, alles bleibt „original“.

    Für mich war dann auch noch die Frage, wieviel der Arbeiten schaffe ich selbst und ob das Ganze wirtschaftlich gesehen einen Sinn macht. Mit dem Kaufpreis und den Investitionen kommt schon ein ganz ordentliches Sümmchen zusammen, für das man auch gute und fahrbereite Fahrzeuge bekommt, von den vielen Stunden Arbeit gar nicht zu sprechen. Auf der anderen Seite ist es ja auch ein Hobby und darf Geld kosten. Und wenn man ein Auto so umfassend überarbeitet, weiß man auch was man hat. Also habe ich meinen persönlichen Frieden mit der Entscheidung geschlossen und auch die Familie hat grünes Licht gegeben.


    An dieser Stelle möchte ich mich für die bisherige und hoffentlich auch weitere Hilfestellung einiger Forumskollegen bedanken. Ich nenne jetzt mal keine Namen, dann kann ich auch keinen vergessen :wink:

    Um die Dinge, die einem wichtig sind, sollte man sich zu Lebzeiten kümmern.


    911 3,2 Targa '84 US - im Aufbau

    911 SC Coupe '78 Japan - Baustelle

  • Der Motor

    Den Motor habe ich in seine Einzelteile zerlegt und war insgesamt recht positiv überrascht.

    Beim Zerlegen ist keine einzige Schraube oder Stehbolzen abgerissen und alles ließ sich recht problemlos demontieren. Hier zeigt sich eindeutig der Vorteil eines Autos aus USA. Außerdem war der Motor unberührt. Die Amis sind ja durchaus für ihre Handwerkskünste bekannt und da werden Dinge oft verschlimmbessert.

    Mein Plan war, dass ich den Motor zerlege und später wieder montiere. Das Überholen der Zylinderköpfe, sowie das Bearbeiten von anderen Teilen und das Überprüfen und Vermessen aller relevanten Teile überlasse ich einem ortsansässigen Motorenbauer.

    Bestandsaufnahme:

    Die Nockenwellen hatten an jeweils einer Nocke leichtes Pitting. Zwei Kipphebel hatten ebenfalls leichtes Pitting (aber an anderer Stelle als die Nockenwelle). Negativ überrascht war ich vom Zustand der Kipphebelbuchsen. Hier war deutliches Spiel erkennbar, was auch der Grund für die Probleme beim Einstellversuch der Ventile gewesen sein dürfte.

    Die Zylinderköpfe wurden beim Motorenbauer gemeinsam begutachtet und auch hier zeigte sich deutlicher Verschleiß, gerade an den Ventilführungen. Also haben wir haben uns auf das große Programm verständigt:

    • Alle Führungen neu
    • Alle Ventile neu
    • Ventilfedern neu
    • Köpfe planen

    Ich wollte hier keine Kompromisse eingehen und da ich die Teile selbst eingekauft habe, konnte ich nach Suchen und Vergleichen alle wesentlichen Teile für faire Preise bekommen, so dass der Schmerz gerade noch erträglich war.

    Positiv überrascht war ich hingegen bei den Kolben / Zylindern und dem Kurbeltrieb. Die Kolben bzw. Zylinder waren zwar verkohlt, haben sich nach der Reinigung und Vermessung jedoch als gut herausgestellt und hätten mit neuen Ringen bedenkenlos wiederverwendet werden können.

    Zwischenzeitlich habe ich einen wirklich guten gebrauchten Satz Kolben und Zylinder zu einem sehr fairen Preis von einem 930/20 Motor (mit der höheren Verdichtung) erstanden. Dieser Satz wurde ebenfalls gereinigt und vermessen und mit neuen Ringen bestückt. Das „Beringen“ und das Einsetzen der Kolben in die Zylinder lasse ich ebenfalls vom Motorenbauer machen.

    Kurzer Hinweis zum Vergleich der Kolben/Zylinder 930/21 zu 930/20. Die Bezeichnungen auf den Kolben und Zylindern sind identisch, da die Rohlinge, die für die Produktion eingesetzt werden gleich sind. Man kann den Unterschied aber messen. Und zwar habe ich die Kolben in die Zylinder eingestellt (auf geradem Untergrund) und habe den Abstand vom höchsten Punkt des Kolbens zu der Oberkante des Zylinders gemessen. Bei den 930/20 Teilen ist der Abstand mehr als 1mm geringer (Gedächtnisprotokoll).

    Besonders überrascht war ich vom Zustand der Lager. Die Hauptlager sahen fast aus wie neu, genauso wie die Pleuellager. Zwischenwellenlager hatten leichten Verschleiß, aber nichts was mich um den Schlaf gebracht hätte.

    Kurbelwelle selbst war ebenfalls in einem Top Zustand, wurde vermessen und die Lagerstellen wurden poliert.

    Zwischenwelle samt Ölpumpe war auch ohne Befund. Saubermachen und wieder einbauen.

  • Bald geht es weiter :])

    Um die Dinge, die einem wichtig sind, sollte man sich zu Lebzeiten kümmern.


    911 3,2 Targa '84 US - im Aufbau

    911 SC Coupe '78 Japan - Baustelle

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