Abgebrochene Stehbolzen am Zylinder ausbohren - eine yourselfie Variante

  • Hallo Selberschrauber,

    eigentlich wollte ich nur das Getriebe tauschen und bei dieser Gelegenheit Ventile einstellen, K-jetronik Dichtungen tauschen und Airbox abdichten.

    Als der Motor draußen war galt der erste Blick den Zylinderstehbolzen. Auf der linken Zylinderbank waren auslassseitig drei Bolzen gebrochen und

    eine M10-Inbusmutter lag lose vordem Bolzen. Auslassseitig hielten also nur noch zwei Bolzen.

    Der Motor war nach 40 Jahren und 115 000 km vermutlich noch nie offen und die Bolzen sahen nicht aus als ob sie in den letzten 18 Monaten

    abgerissen wären. So lange fahre ich den 911 SC.

    Außerdem hatte die linke Nockenwelle erhebliches pitting das eher wie Lochfras eines Borkenkäfers aussah. siehe Bilder.


    Drei Bolzen habe ich mit Hilfe einer Heißluftpistohle und einer sehr massiven Rohrzange (nicht zu verwechseln mit einer Wasserpumpenzange)

    heraus bekommen.

    Ein Bolzen war am ersten Zylinder und 3mm vor dem Kurbelwellengehäuse abgerissen. Keine Chance eine Mutter aufzuschweißen.


    Um nicht den ganzen Motor inkl. Kurbelwellengehäuse zu zerlegen um dann zu erodieren, habe ich nachstehende Reparaturvariante gewählt.

    Ausbhren von Hand mit Aukkuschrauber

    In einer Präzisionswerkstätte habe ich eine Bohrschablone machen lassen.

    Diese wird den vier Schrauben/Hutmuttern die das Kurbelwellengehäuse rund um den Zylinderfuß zusammenhalten präzise befestigt.

    Die Auflagefläche des Zylinders am Kurbelwellengehäuse vorher mit Abklebeband ringsrum abkleben.

    Die Bohrschablone hat eine Stärke von 6 mm. Mehr geht nicht, wegen der Länge der Kurbelwellengehäusebolzen.

    An der Stelle des Bohrlochs ist noch eine Flachstahl mit 10 mm befestigt um den Bohrer besser zu führen.

    Es empfielt sich diesen Stahl etwas zu härten.

    Erste Bohrung mit 6 mm Bohrer, zweite mit 8 mm und dritte mit 8,5 mm.

    Es empfiehlt sich den abgerissenen Stehbolzenstummel vorher flach zu schleifen. Das geht mit einem kleine Winkelschleifer ganz gut.


    Das Problem war einen geeigneten Bohrer für die extrem harte Edelstahllegierung des Bolzens zu finden.

    Volhartmetallbohrer (VHM) brechen mit handgeführten Maschinen sehr leicht ab und stecken dann im Alugehäuse.

    Versuche mit sogenannten 'abgebrochene Gewindebohrerausbohrer' waren nicht sehr ermutigend.


    Bilder und Fortsetzung folgen in Kürze.....









    911 SC, Coupé, 3,0 ltr, 180 PS, 7/1978, Sportomatik umgebaut auf 915er-Getriebe

    Fiat 500, Bj. 1938, Topolino A

  • Der Motor war nach 40 Jahren und 115 000 km

    115tkm?

    Und die Laufleistung glaubst du?

    Oder hast du den neu gekauft?

    heraus bekommen.

    Ein Bolzen war am ersten Zylinder und 3mm vor dem Kurbelwellengehäuse abgerissen. Keine Chance eine Mutter aufzuschweißen.

    Das kannst du auch eh vollkommen komplett knicken.

    Das Schweißgut verbindet sich nicht richtig mit dem Bolzen.

    Sämtliche Versuche, die ich damit probiert habe, haben höchstens 40nm an Drehmo ausgehalten -- zum rausdrehen der Dilas sind aber in dem meisten Fällen gefühlte 80nm notwendig....


    Zange:

    https://www.ebay.de/itm/Rothen…970560:g:-KAAAOSwlGVaoImV


    Griffe sind mit zwei 30cm langen Rohren verlängert, damit man endlos Power hat zum packen...


    und die Bolzen sahen nicht aus als ob sie in den letzten 18 Monaten

    abgerissen wären. So lange fahre ich den 911 SC.

    Ach ja, also erst seit 1,5 Jahren Besitzer...

    Außerdem hatte die linke Nockenwelle erhebliches pitting das eher wie Lochfras eines Borkenkäfers aussah. siehe Bilder.

    Tut mir leid -- aber hier muss ich dir eine Illusion rauben:

    Pittingbildung an Luftinockenwellen:

    unter 170-180 "tatsächlich echten km" habe ich noch nie überhaupt Pitting gesehen.

    Ab so um 200tkm hat man an einer oder beiden Pitting evtl im Durchmesser eines 4-5mm Bohrers.


    So groß wie du das hast -- vollkommen charakteristisch für 250-300tkm.



    Um nicht den ganzen Motor inkl. Kurbelwellengehäuse zu zerlegen

    Mhm?

    ausbohren von Hand mit Akkuschrauber


    In einer Präzisionswerkstätte habe ich eine B

    Sehr hohe Handwerkskunst -- Chapeau!


    Ich habe exakt den gleichen Bolzen Weihnachten 2010 ausgebohrt -- nahezu 100% identisch.

    Auch der untere hinterste der linken Seite.


    Bohren:

    Ich habe dazu eine 650W Bohrmaschine benutzt.

    Ich kann das nicht ab, wenn mir während der Arbeit der Akku platt geht.

    Bohrer:

    Vorher die teuersten Bohrer im Maschinenbaugroßhandel gekauft -- 10€ netto für 5mm(das war mein erster).


    Notwendige Power:

    Also ich bin eher was kräftiger als der Durchschnitt.

    Der Druck auf dem Bohrer/Bohrmaschine, um üüüüüberhaupt Späne zu sehen, ist eher so ab 80kg Druck auf beschriebenen Bauteilen -- sonst passiert schlicht gar nix.

    Und endlos schmieren mit Schneidöl.


    Am nächsten Tag hatte ich einen kräftigen Muskelkater in beiden Armen, Schulter und Brustbereich.

    Linke Hand an der anderen Seite des Motors, zum Gegenzug, rechte Hand halt die Bohrmaschine.

    Unvorstellbar die Power die dafür notwendig war.


    Ich habe einige Zeit auch Motoren überarbeitet, ohne den Block zu spalten.

    Ist aber alles Blödsinn, bei so alten Hunden -- viiiiiel zu viel Risiko.

    Warum:


    Hier in den Thread habe ich mal eine Erklärung geschrieben,(Besitzer/ehemalige Besitzer, die es nie kapieren wie viel Öl drin sein muss...) warum es eigentlich NIIIIIIE Sinn macht, den Motor nicht komplett zu zerlegen:


    Motorschaden nach Generalüberholung vor 2 TKM



    Ich habe vor 4 Jahren angefangen zumindest mir die Fummelei anzutun, die Pleuellager TROTZ zusammen geschraubter Gehäusehälften anzugucken.

    1. Motor war ein 964er, wenn ich das noch richtig auf dem Schirm habe.

    Hätte ich mir sparen können, wegen makellos.


    2. der zweite Motor, war ein 3,2er.

    Und hier war ein Pleuellager so schrott -- das wäre innerhalb von höchstens 2tkm zum GAU gekommen.


    Seit her gibt es das für mich gar nicht mehr -- schlicht zu alte Technik.

    Ist nur ein Tipp von mir.

    Jetzt noch so in dem Stadium zerlegen,reinigen, bis der Motor wieder so aussieht, ist um 10h, plus minus.


    Das allerletzte Gebastel finde ich Ketten mit Schlösschen -- ist doch kein Fahrrad...


    Nicht für ungut -- geht mich alles nicht an -- soll nur wach rütteln...

    Viel Erfolg bei deinem Projekt!


    Lars

    Nur wenn du schwarze Striche vom Kurvenausgang bis zum nächsten Bremspunkt ziehen kannst, hast du wirklich genug Leistung(Mark Donohue).


    Im Alter wird man immer knackiger -- da knackt es und da knackt es...


    Sechs 964er bisher mit abgerissenen Dilas --- 7(!!!) Ventilfederbrüche bei den letzten zwei Motoren! 4:3


    Porsche 911 -- der Volkssportwagen...


    "Hoffnung -- ist immer ein Mangel an Information!"


    Wer restauriert -- verliert...

  • Bohrversuche mit Bohrern vom Typ HSS-G Co5 DIN 338 TL 3000 an einem abgebrochen Stück Stehbolzen ließen schon nach ca. 2 mm Bohrtiefe den Bohrer stumpf werden. Nachschleifen von Hand am Schleifbock half etwas weiter.

    Als nächstes musste ein einfacher Bohrer für VA vom Typ HSS-E Co5 her halten. Die waren zumindest nicht schlechter aber billiger.

    Mit viel Schneidöl und 3 Bohrer, immer wieder nachgeschliffen, waren die notwendigen 22 mm Bohrtiefe geschafft. Das freilich nur Bohrdurchmesser vom 6 mm. Der Restdurchmesser war vergleichsweise einfach aufzubohren.

    Fazit:

    1. Ohne Bohrschablone hätte ich vermutlich das Zentrum nicht halten können. Es kam mir vor als ob es im Stehbolzen Bereiche von besonders hartem Stahl gab. Manchmal ging der Geschwindigkeit für 1mm Bohrtiefe relativ schnell, manchmal war es zäher.

    Dann war die gefahr des Verlaufens besonders groß.

    2. Es gibt sicher Bohrschablonen die einfacher zu montieren sind.

    3. Nachteil dieser Bohrschablone ist, dass die Kurbelwellengehäuseschrauben gelöst werden müssen. Wenn man die Zylinder nur einer Seite des Motors demontiert, kann das Abdichten dieser Bolzen ein Problen sein. Ich hoffe die Flächendichtmasse Loctite 574 unter den Unterlagscheiben und Schraubenköpfen reicht aus.


    Als neue Zylinderstehbolzen wurden mir die Stahlstiftschrauben vom 996er GT3 (PTN 996 101 172 70) empfohlen.


    Für den weiteren Zusammenbau habe ich noch einpaar Fragen.

    1. Wie stark sind die Dichtungen (930 104 194 02) zwischen Zylinderfuß und Kurbelwellengehäuse ? 0,25 oder 0,5 mm?

    2. Beim Anziehen der langen Kurbelgehäuseschrauben (930 101 173 02), kam mir ein Anzugsmoment von 35 Nm sehr viel vor. Es ist ein Feingewinde und Mutter und Bolzen waren gut geölt.

    Werden die Zylinderstehbolzen und Mutter beim Anziehen auch geölt?

    3. Wie, mit welchen Werkzeugen, reinigt ihr die Dichtflächen von Zylinderkopf und Nockenwellengehäuse?


    Jetzt schon vielen Dank für Kommentare und Anregungen.


    Rolf

    911 SC, Coupé, 3,0 ltr, 180 PS, 7/1978, Sportomatik umgebaut auf 915er-Getriebe

    Fiat 500, Bj. 1938, Topolino A

  • Danke Lars, genau die Kommentare sind wichtig und helfen weiter.

    Nebenbemerkung die eigentlich nichts zur Sache tut:

    Der 911er ist die ganzen 40 Jahre in Basel gelaufen. Die letzten 20 Jahre bei einer Frau, die inzwischen verstorben ist.

    Zum Fahrzeug habe ich Servicepapiere über die gesammte Laufzeit. Die ersten 10 Jahre kamen etwa 80 Tkm zusammen. Dann nur sehr wenige pro Abgastprüfungstermin. Ist letzten Ende aber nicht wichtig, weil ein gut gefahrener Motor mit 200.000 km besser sein kann als ein Motor mit Standschäden.

    Wenn es deine Zeit erlaubt, dann bitte kommentiere auch noch den Rest meines Beitrags und die drei Fragen im Thread #3.

    911 SC, Coupé, 3,0 ltr, 180 PS, 7/1978, Sportomatik umgebaut auf 915er-Getriebe

    Fiat 500, Bj. 1938, Topolino A

  • Wenn man die Zylinder nur einer Seite des Motors demontiert,

    Nur eine Seite???

    Als neue Zylinderstehbolzen wurden mir die Stahlstiftschrauben vom 996er GT3 (PTN 996101 172 70) empfohlen.

    Musst du dann ca. 20mm kürzen!

    Ich nehme immer die:

    https://www.ebay.de/itm/Noel-S…81896f:g:FOgAAOSw2vVZ3fwm

    1. Wie stark sind die Dichtungen (930 104 194 02) zwischen Zylinderfuß und Kurbelwellengehäuse ? 0,25

    0,25 steht im PET https://www.feboe.de/isotope/i/id-1320_ergebnis.jpg

    Welche Dicke hattest du denn drin?

    40 Jahre alt, dann müsste es ja ein 78er 180PS SC sein -- bei denen habe ich bisher IMMER 0,5er Fußdichtungen rausgezogen....


    Leg doch mal ne Signatur an:

    911SC Coupe, RDW, Mj.78,.....

    Damit ist für jeden leser klar, um was es sich handelt.


    2. Beim Anziehen der langen Kurbelgehäuseschrauben (930 101 173 02), kam mir ein Anzugsmoment von 35 Nm sehr viel vor. Es ist ein Feingewinde und Mutter und Bolzen waren gut geölt.

    kein Problem.

    Werden die Zylinderstehbolzen und Mutter beim Anziehen auch geölt?

    Hab ich noch nie gemacht.



    Stiftschrauben:

    Das die oben drin bleiben ist klar, oder?


    Hier noch was zum grundsätzlichen ausbohren(allerdings kann man "meinen" Test mit dem Magnet bei Dilas natürlich vergessen):

    Wärmetauscher wechsel SC, ein Alptraum


    Bei mir gäbe es an der Stelle eine Ensatbuchse.


    Lars

    Nur wenn du schwarze Striche vom Kurvenausgang bis zum nächsten Bremspunkt ziehen kannst, hast du wirklich genug Leistung(Mark Donohue).


    Im Alter wird man immer knackiger -- da knackt es und da knackt es...


    Sechs 964er bisher mit abgerissenen Dilas --- 7(!!!) Ventilfederbrüche bei den letzten zwei Motoren! 4:3


    Porsche 911 -- der Volkssportwagen...


    "Hoffnung -- ist immer ein Mangel an Information!"


    Wer restauriert -- verliert...

    Edited once, last by Ruf CTR ().

  • sehr coole Aktion! Und Respekt, dass Du das selbst angehst!

    Bei mir war einer der beiden gebrochenen auch bündig.

    Selbst mein Motorenbauer hat den Block dann wegegeben um den Stummel ausfräsen zu lassen.


    LG, Peter

    911 G-Model Targa 3,0 SC BJ 1981, RdW, 204 PS, 930/10, Motor, Getriebe, Fahrwerk überholt 2015, zinnmetallic, Pascha blau
    neu lackiert 2020
    Smart Roadster Brabus Coupe, "Targa", BJ 2005, 101 PS, speed-silver, Leder schwarz

  • Hallo alle!

    Mal eine Frage in die Runde. Speziell doch aber an Lars! Was haltet ihr eigentlich von den ARP-Stehbolzen? Also ich habe bis jetzt schon sehr viel gutes von denen gehört und gelesen egal für welche Motoren die verwendet wurden. Auch für G-Modelle habe ich schon gelesen von diversen Leuten die sie verwendet haben die auch nach Jahren keine Probleme mehr hatten. Speziell halt an der Auslassseite wo sie ja zu 95% abreißen wenn sie dann reißen. Diese da. Was meint ihr zu den Dingern.

    https://www.ebay.de/itm/ARP-Zy…e715e1:g:WfoAAOSwX0xbMLn7


    :wink:Thorsten

    Porsche 911 SC / 930.10 Motor / Bj.1981 Pazifikblaumet.

    Edited once, last by Thorsten 911 ().

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