US-Modelle: ein paar grundsätzlich andere Ansichten

  • Hallo,


    vorab: mein G-Modell ist hier erstzugelassen, ich bin kein Händler und kein US-Amerikaner. Aber ich arbeitete lange in USA und die Hälfte meiner Verwandtschaft lebt dort.
    Was mich bei Diskussionen um Porsches immer stört, ist dieser superkritische "naja, US-Import" Unterton. Ich meine damit nicht die unterschiedliche Länderausstattung oder die manchmal für unseren Geschmack seltsamen Farbkombinationen, das nervt ja tatsächlich oft, sondern die, "die Amis wissen ja nicht, wie man mit Autos umgeht" Einstellung.


    Dazu meine Erfahrungen:
    a) In USA gab und gibt es absolut gesehen viel mehr gutverdienende, wohlhabende oder sogar richtig reiche Menschen, die sich einen Porsche gut leisten können, beim Erwerb und bei der Unterhaltung.
    b) Die meisten Amerikaner sind viel begeisterungsfähiger als wir "kritischen" Deutschen. Der typische US-Poschefahrer LIEBT sein Auto, ist in einem Club, gibt viel Geld aus und investiert einiges an Zeit für sein Hobby.
    c) In den USA wird viel Langstrecke gefahren, einfach weil die Siedlungsräume gross und die Entfernungen zwischen Wohnung/Haus und Arbeitsplatz dadurch viel weiter sind. Deshalb sind die verschleissintensiven Kartstartphasen im Verhältnis zur Gesamtfahrstrecke in den USA kürzer.
    e) Meist laufen die Motoren nur im Teillastbereich, werden mechanisch kaum belastet
    f) Der typische US-Amerikaner wechselt (auch 2013 noch!) sein Motorenöl ALLE 3000 Meilen (ca. 5000km). Das steckt dort in den Autofahrern so drin, ist kaum zu ändern und kostet auch nur einen Bruchteil dessen, was der "Oil-Change" bei uns kostet.
    g) Ich wage die Behauptung, dass der Anteil der gehegten und gepflegten Autos im Spitzensegment wenigstens genauso gross wie in Deutschland ist.
    g) In der Regel gibt es in fast allen Staaten richtig gute Porsche Spezialisten, die es mit jeder "europäischen" Niederlassung aufnehmen können und eine engagierte freie "Spezialisten" Szene.
    h) In den USA gibt eine lebhafte Clubszene, inkl. Ckubrennen, Trackdays, Sportfahrschulen etc. mit teils extrem guten Leuten, insbesondere was die Vermittlung ("Teaching") von Fahrspass und Können angeht. Die Nachfrage danach ist gross!
    Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund, als "Europäer" auf dem hohen Ross zu sitzen. Klar gibt es in den USA auch schlechte Autos, unseriöse Händler und vieles mehr. Der Kern der Szene ist aber keinen Deut schlechter als wir hier. Schaut Euch einfach mal um, wenn Ihr in den USA seit. Ihr werdet viel Spass haben und super Leute kennenlernen.


    Herzliche Grüße


    g1987

  • Pauschal kann man sicher nicht sagen, die US-Porsches wären alle mit Vorsicht zu geniessen, aber gerade bei den mittelalten Modellen sind die Amis doch oft sehr schmerzfrei, was den Einsatz von formwiederherstellenden Mitteln angeht. Gerne werden ungesund dicke Lagen Spachtelmasse unter dem Lack versteckt, auch kommt bei grösseren Dellen auch mal Gips zum Einsatz, auch Fugenkit ist ein offenbar gängiges Hilfsmittel.
    Ich habe schon einige US-Porsches gesehen, die in dieses Schema passen, vom 356er bis zum G-Modell. Dass einige Bundesstaaten keine zum TÜV vergleichbare Institution haben, kann man dann auch an den gut gemeinten Reparaturversuchen sehen.


    Man kann es nicht pauschalisieren, weder das eine noch das andere Extrem. Wenn man sich einen Ami zulegt, so muss man sich einfach genau so kritisch alle relevanten Details ansehen, wie wenn man hierzulande einen Porsche kauft.


    Greetz

    Nach 320'000 Spiegeleiern kann die Kantine nicht so schlecht gewesen sein!
    Harm Lagaay


    PS: Ich heisse nicht Greetz k:thinking:

  • Erstmal geb ich dir grundsätzlich recht, man sollte das nicht pauschalisieren. Ich habe selber gerade Erfahrungen mit einem blinden Import gemacht und bin zwiegespalten. Ich will behaupten, dass der Anspruch eines Amerikaners deutlich geringer ist der eines perfektionierten Deutschen. Alles ist in den US immer "like perfect", "better than new", "incredible condition", "stunning..." etc. Die Realität sieht doch leider etwas anders aus. Wenn ich bei meinem Wagen sehe, dass in der Motorhaube ein Loch ist, in der ein komisches Wappen steckte, im Amaturenbrett ein Doppelloch ist, in der ebenfalls das goldene Porsche Wappen steckt, in den Kotflügeln und Heckdeckel ebenfalls Löcher sind, weil die Porsche Wappen dort überall waren (nebenbei, habe davon jetzt 2 neue zu verkaufen, das komplett edle goldene), dann frage ich bin, ob das notwendig ist. Wieviele US Porsche gibt es, die nicht extra Boxen lieblos eingebaut, Radios mit BlingBling und möglichst große Heckflossen haben?!


    Also, grundsätzlich gibt es immer Einzelfälle, in denen der Amerikaner gleich einem Deutschen handelt, aber das dahingehend zu verallgemeinern, dass es keine Unterschiede (wenn nicht sogar Vorteile aus Wetter, Langstrecke etc) gibt, wär ich mehr als vorsichtig...

  • Meistens wird hier immer von den günstigen USA Modellen gesprochen, die für Ihren niedrigen Preis halt keine Sammlerstücke sind. Gute Autos kosten dort genauso viel wie hier, nur die werden meistens nicht aus kostengründen nach Deutschland importiert. Deshalb kommen halt viele schlechte zu uns und somit wird halt oft nichts gutes darüber geschrieben.


    Schaut euch doch mal viele abgenudelte Deutsche Modelle an, was da teilweise angeboten wird, ist machmal echt nicht mehr zu fassen. Das schlimme daran, die sollen auch noch richtig gutes Geld kosten!


    Würde mich mal interessieren was schroed0r für seine Möhre in Dollar bezahlt hat, sicher war der Wagen nicht im hochpreisigen Segment oder ?


    Grüße

  • Hallo,
    wenn man bedenkt, das der "Blutanteil" der Deutschen in den USA bei ca. 30% liegt und somit ca. 80% der US-Amerikaner deutsche Ahnen
    haben, müßte die Einstellung eigentlich anders sein, als beschrieben.



    So long
    Jörg

    Mache alles so einfach wie möglich, aber nicht einfacher. (Albert Einstein)

  • Hallo, ich moechte mir in 2014 zu meinem 50.Geburtstag wieder einen 911er SC kaufen und sondiere gerade jede Menge Angebote auch solche aus USA hatte aber bisher immer so ein unsicheres Gefuehl nach dem Motto " wer weis wie die Amis mit so einem wunderding umgehen" oder da ja alle auf US importe schimpfen hat mich das ziemlich verunsichert ob evtl. ein US import doch der richtige kauf ist.


    Nachdem ich dein Artikel gelesen hab schein mir eigentlich alles plausibel zu sein zumal ja USA beim Porsche import schon immer den 1.Platz belegt hat also sowas wie "Everybodies Darling" dort ist. Vielen Dank dafuer und ich werde mal verstaerkt nach US SC's ausschau halten.


    Gruss aus dem sonnigen und 20 Grad warmen Sardinien


    Salvatore

  • Hi,


    man muss wohl das Baujahr unterscheiden. Für 997 und 991 sind die Überlegungen des Threaderstellers absolut nachvollziehbar. Für "Alteisen"/Luftis dürfte wohl eher der -sagen wir mal- legere Umgang repräsentativ sein.
    Das Problem ist, dass es GUTE deutsche G- und F-Modelle kaum noch auf dem Markt gibt! Wer eines hat, hütet den Schatz und gibt ihn nicht mehr her. Der unerschöpfliche US-Markt bietet halt schon noch mehr. Mit Glück auch was Ordentliches. Obwohl ich über Oldtimer generell mal gehört habe"Der Schrott, der in USA nicht mehr verkäuflich ist, wandert nach Europa/D".............
    Wichtiges Plus ist allerdings die gute Blechsubstanz in WIRKLICH trockenen Staaten.


    Gruß Carlo

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