bei welcher Leistung habe ich welche Beschleunigung?!

  • Hallo,


    ein grundsätzliches Thema ist ja immer beim Tuning, welche Leistung man für welche Beschleunigungswerte benötigt,
    ist ja nicht immer jeder mit der Physik vertraut.


    Leistung ist grundsätzlich Arbeit pro Zeit. Ist vielen bekannt. Oftmals geht man zum Tuner und hinterher sagt
    man sich, ja das Auto geht deutlich besser oder ich merke nichts, aber was das nun gebracht hat, ist schwierig
    zu bewerten.


    Leistungsprüfstände sind ja immer eine Sache für sich, gerade bei Turbos muss man viel beachten, Abweichungen
    der gemessenen Leistung von +/- 15 % auf verschiedenen Prüfständen sind keine Seltenheit.



    Aus meiner Erfahrung heraus empfehle ich, das Fahrzeug vor Tuningmaßnahmen zu vermessen, also zum Beispiel die
    Beschleunigung von 100- 200km/h. 0-100 km/h scheidet aus wegen Schlupf etc, 200- 300 km/h Messungen bieten
    sich dann für die Königsklasse an. GPS basierte Messsgeräte sind ja bekannt wie Performance Box und viele mehr.
    Wichtig ist, immer die gleiche Messstrecke zu verwenden bei ähnlichen Temperaturen und Luftdrücken, die Topographie der Strecke
    spielt praktisch keine Rolle mehr für Vergleichsmessungen. Smartphones gehen theoretisch auch, sind aber nicht allzu genau, da nur 1 Hz Abtastrate, besser sind daher die semiprofessionellen Geräte mit Abtastraten von 10 Hz und höher.




    Habe ich mein Fahrzeug einmal vermessen mit der Serien-/ Ausgangsleistung, auch wenn die nicht exakt bekannt ist, können
    Tuningmaßnahmen im Hinblick auf Mehrleistung hinreichend genau überprüft werden.


    Beispiel:


    Mein Serienturbo mit 480 PS benötigt 8.1s von 100 auf 200 km/h gemessen nach Performance Box oder auch
    anderen GPS basierten Messgeräten. Mein Nachbar zeigt mir sein Messergebnis (gleiche Messstrecke) mit seiner Corvette ZR1, ach Du Schreck,
    der braucht nur 7.0 s. Es hilft mir nur noch der Weg zum Tuner. Doch welche Leistung brauche ich überhaupt, um mit
    der Corvette mithalten zu können?


    Die Leistung ist ja umgekehrt proportional zur Zeit, also 8.1s : 7.0 s = 1.16, ich brauche also rund 16 % mehr Leistung, bei Serie
    480 PS also rund 555 PS. Die Berechnung ist relativ genau, kenne ich die Messstrecke und die Ausgangsleistung
    der Serie. Bei Tuning geht es ja immer um "mehr" , also die Leistungssteigerung zur Ausgangsbasis.


    Mein noch böserer Nachbar fährt einen Bugatti Veyron , zeigt mir stolz mit Handy fotografiert sein Ergebnis des
    GPS Systems : 0- 300 km/ h in 19 s: Jetzt will ich es wissen und vermesse meinen auf 555 PS gestärkten Turbo:
    0- 300 km/h: 33 s: Wie es aussieht, kann mir nur noch ein Tuner in Dortmund helfen.


    Welche Leistung brauche ich mindestens um ebenfalls in 19 s auf 300 km/h zu sein?


    33 s : 19 s x 555 PS = 964 PS



    Habe ich meinen Turbo mit Serienleistung von 480PS einmal vermessen , zum Beispiel 100-200 km/h in 8.1 s
    und ein Tuner verspricht 530 PS, sollte die 100 - 200 km/h Zeit sein: 480 PS : 530 PS x 8.1 s = ca. 7.4 s
    Die Zeitangaben sind natürlich nur ein rechnerischer Wert, helfen in der Praxis aber durchaus Tuningmaßnahmen
    zu bewerten, letztendlich muss die Beschleunigung ja besser werden beim Tuning!





    Gruß Horst

    Edited 5 times, last by Horst997t ().

  • sehr schöne darstellung.
    du hast hier im forum definitiv die höchste wichtigeinfosprobeitrag-quote. :thumb:



    eine bitte: ändere das auf 10Hz oder 0,1s ab. 0,1Hz wäre einmal alle 10s... :])

    "Wenn ich das schon höre: »Das muss man im Hintern spüren...« So ein Schmarrn, wenn du was im Hintern spürst, ist's nämlich vorbei, denn dann bist du schon längst runter von der Straße." - Walter Röhrl

  • in meinem Eröffnungsbeitrag basiert der Zeitgewinn bei der Beschleunigung unter der Voraussetzung, dass z.B. bei
    der Beschleunigung von 100km/h ( Drehzahl im 4. Gang: 3300U/min ) bis 200 km/h ( Drehzahl dann 6600 U/min )
    bei einer angenommenen Mehrleistung von 10% auch das Drehmoment über diesen Drehzahlbereich immer um 10 %
    über dem Seriendrehmoment liegt. Nur dann habe ich bei 10% Mehrleistung auch 10 % bessere Beschleunigung.



    Bei Turbos kommt das manchmal in etwa grob hin, bei Saugern mit Drehmomentspitzen muss,
    wenn man sich die Mühe überhaupt machen will, folgendermaßen vorgegangen werden.
    (bei Turbomotoren wird die Berechnung dann natürlich auch noch besser)



    Zunächt erstelle ich ein Leistungsdiagramm vor dem Tuning, mein GT 3 RS bringt nach Diagramm Spitzenleistung sagen wir,
    Werksangabe wird erreicht , von 435 PS, ich messe mit Performance Box eine Zeit von 6 s von 140 - 200 km/h 4.Gang,
    ist mir nicht schnell genug, mit diversen Tuningmaßnahmen komme ich nach Leistungsprüfstandsdiagramm auf
    stolze 478.5 PS Spitzenleistung!


    Doch welche Zeit kann ich jetzt von 140- 200 km/h herausfahren?


    Zunächst markiere ich in meinem Leistungsdiagramm, das auch die Eingangsmessung noch zeigt, Drehzahl bei 140 und 200 km/h,
    wurden Diagramme schon im 4. Gang gefahren, dann markiere ich die 140 und 200 km/h Stellen, mit der Schere schneide ich alles
    vor 140 km/h und nach 200 km/h ab. Jetzt vermesse ich die Fläche ( Integral) unter der Serienleistungskurve ( ist natürlich nicht ganz einfach )
    und anschließend die Fläche der Tuningkurve, folgende Flächen habe ich zum Beispiel ermittelt : Serienkurve 50 Quadratzentimeter,
    Tuningkurve 53 Quadratzentimeter, also 6% mehr Fläche, das sollte dann auch zu einer 6% besseren Beschleunigungszeit führen,
    so 5.64 s von 140 -200 km/h sollte rechnerisch machbar sein


    Trotz 10% Mehrleistung kann ich die Beschleunigungszeit um nur 6% verbessern, weil zum Beispiel die Tuningleistungskurve
    erst ab 170km/h sich deutlich von der Serienkurve abhebt.


    ( in der Formel 1 macht man natürlich das nicht mit der Schere, sondern mit der Hilfe der math. Integralberechnungen,
    prinzipiell aber das gleiche, also Flächenberechnungen von Leistungskurven )


    Gruß Horst

    Edited 7 times, last by Horst997t ().

  • :thumb:


    Gerade deine letzten Schlüsse zeigen das "Problem": nicht die Maximalleistung nach Tuning ist relevant, sondern ob der Verlauf der Leistungskurve (nach Tuning) zu den eigenen Bedürfnissen/Vorlieben passt.

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