Extrem gefährliches Fahrverhalten auf graupeliger bzw. schneebedeckter Fahrbahn... Achtung: Korrosion Bremszangen kontrollieren!

  • ...aufgrund hinten unterschiedlich stark und einseitig heftig korrodiertem Aluminium unter den Federbleche!!!!


    Werte Gemeinde,


    ja,
    Asche über mein Haupt, ich weiß: ein 68er gehört bei diesen in Bayern immer ganz besonders mit Salz garnierten Wetterverhältnissen sowieso in die Garage, um beschleunigter Korrosion oder gar knittriger krumpeliger Außenhaut vorzubeugen. Ich war in den letzten Tagen vor Weihnachten auf meinen 68er halt leider angewiesen, sorry!


    Prinzipiell machen unsere nicht durch elektronische Spaßunterdrücker "eingeschränkten" Transaxel auf graupeliger bzw. schneebedeckter Fahrbahn ja richtig Spaß, kann man so richtig schön per Gasfuß hinten nach links/rechts rumschlenkern und dazu immer schön vorne gegenlenken...
    Bei mir war's jetzt allerdings so, daß sogar bei normaler Fahrweise auf rutschiger Fahrbahn (und wir hatten hier in Bayern ja bereits ein wenig Schnee) ein zunehmend extrem gefährliches Fahrverhalten festzustellen war. Geäußert hat sich dieses durch eine sogar bei Geradeausfahrt irgendwie permanent
    sehr leichte und nervöse Hinterhand (begleitet von ab und zu mal leichtem Bremsenquitschen von hinten rechts) und ein selbst bei homöopatisch dosiertem Gasgeben stetes Ausbrechen des Hecks immer nur
    nach rechts. Gieren nach links war sogar "erzwunden" nicht mehr möglich.
    Bei der letzten Fahrt nach Hause auf Schnee war's dann echt so, daß die Karre sich nur in nach rechts gerichtetem "Hundegang" und sehr gezwungen vorwärts bewegt hat. ABS war quasi auch dauernd aktiv, da das Rad hinten rechts aufgrund des geringen Reibungskoeffizienten auf der glatten Fahrbahn nur noch unter heftigem Schlupf mitgeschliffen wurde und das ABS somit die ja sogar real vorliegenden und korrekt erfaßten Drehgeschwindigkeitsunterschiede durch Bremsdruckkorrektur (obwohl kein Bremsdruck vorhanden war!) ausregeln wollte. Die Regelgeräusche konnte man schön hören. Zu Hause angekommen habe ich dann Bremsengeruch wahrnehmen dürfen, sofort per Handauflegen mal die Temperatur geprüft
    und mir auch prompt die Finger verbrannt. Hinten rechts war alles richtig schön heiß, auch die Felge, obwohl ich auf der 25-km-Fahrt an sich im fließenden Verkehr so gut wie nicht und schon gleich gar nicht
    scharf bremsen mußte und echt eine Schweinekälte und damit gute Kühlung herrschte.


    Kurzum: das altbekannte Problem der Korrosion des Aluminiums unter den Federblechen. An der Bremszange hinten rechts ist das Aluminium unter den Federblechen so richtig dick aufkorrodiert, dadurch sind die Federbleche so hochgedrückt, daß die Bremsbeläge vollkommen unbeweglich fest geklemmt sind, nicht mehr zurückgehen und somit permanent reibend und bremsend an der Scheibe anliegen. Auf der
    linken Seite ist's nicht ganz so ausgeprägt, rechts aber echt heftig.
    Dieses einseitig ausgeprägte Bremsen (eigentlich besser ausgedrückt die Rotationsgeschwindigkeits-Unterschiede zwischen den beiden Hinterrädern) wirkt dann wie der permanente Regeleingriff eines ESP-Systems, im vorliegenden Fall allerdings aber eben nicht korrigierend sondern eher stark gefährdend! Bei glatten Witterungsverhältnisse umso schneller und mehr, je kleiner der Reibungskoeffizient zur Fahrbahn ist. Bei ESP wird ja durch gezieltes Abbremsen eines entsprechenden Rades ganz bewußt und gewollt ein um die Fahrzeughochachse wirkendes und das Über- oder
    Untersteuern korrigierende Giermoment erzeugt. Ein gebremstes Rad verliert die Seitenführung. Ein an der Hinterachse einseitig gebremstes Rad unterstützt das Eindrehen - bei mir wunderbar zu beobachten: das stete Ausbrechen des Hecks nach rechts, zum Schluß der Hundegang mit quasi blockiertem und nur noch unter starkem Schlupf mitgeschliffenem rechten Hinterrad. (Danke an mein Differenzial, daß es diese von Fahrt zu Fahrt zunehmende und zum Schluß sicher nicht alltägliche Beanspruchung so mitgemacht und hoffentlich auch schadlos überlebt hat)


    Meine Lieben, die Moral von der Geschicht: ich kann euch nur den Rat geben: checkt generell und schon gleich wenn ihr mit dem Zuffenhausener Hecktriebler gar bei solchen glatten Verhältnissen mit niedrigem
    Reibungskoeffizienten zwischen Fahrbahn und Lauffläche unterwegs sein müßt immer schön die Freigängigkeit der Bremsbeläge und die Verhältnisse zwischen Aluminium-Bremszange und den Federblechen. Kann durch einseitiges Abbremsen eines Rades vorne wie hinten zu sehr unschönem und
    gefährlichen Fahrverhalten führen!! Zum Glück ist bei mir nix Schlimmeres passiert....


    Jetzt steht auch meiner rundrum entsalzt und frisch gewaschen im schützenden Refugium drin und hat die Hinterfüße hoch gelegt, um die Bremse wieder schön freigängig zu machen. Ich glaube ich rüste gleich auf die M030-Bremse hinten und die 322er-Turbo-Scheiben mit 928er-GTS-Zangen vorne um, Teile liegen hier eh schon alle in Neutzustand auf Halde. Nebenbei wird noch Sitzheizung beidseitig nachgerüstet, das Lenkrad ist bereits revidiert. Und die Nockenwellen-Steuerzeit (die berühmten 0,39 +/- 0,03) wird nach den ersten 2000 km mit neu aufgebautem Motor auch gleich nochmal gecheckt.


    Gruß Hans

    Liebe deinen Porsche, dann liebt er auch dich!


    "Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung."
    Kaiser Wilhelm II (1859-1941)


    91er 968 (ist 2006 aus Erstbesitz einer Dame mit Geburtsjahr 1920 zu mir gekommen...)
    71er Jaguar SS100 Replika ("von Hand gedengelt" - 1 von 1 auf der Welt)

  • Gut reagiert! Der ein oder andere hätte das Auto vielleicht nicht so gut nach Hause gefahren. Bremszangen aufarbeiten (lassen) steht auch noch auf meiner ToDo-Liste der Porsche-Wohltaten.

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