Lederlenkrad: Ausbau Signalhorn-Taster und Nähte neu nähen!

  • Hallo zusammen,


    Weihnachten - die besinnliche Zeit.... Endlich mal die Gelegenheit, die stark abgegriffenen und vom Vorbesitzer schon mal sehr schlecht instandgesetzten (einfacher dünner Nähfaden dreifach genommen und dann auch nicht korrekt genäht mit zu großen Übersprüngen, siehe Bild) Nähte des Lederlenkrades meines 968ers neu zu machen! Die oben kreuzenden Fadenstücke des X-Naht waren teilweise schon gar nicht mehr vorhanden, teilweise war die Naht bereits ganz offen. Nicht schön - also neu machen!


    Lenkrad ausbauen: zuerst Batterie abklemmen und einige Zeit warten, damit Restspannung in den Kondensatoren des Airbag-Systems abgebaut werden kann (ich habe einfach eine Stunde gewartet, Werkstatthandbuch sagt 30 Minuten, und jetzt bitte keine Diskussionen darüber, wie lange man warten soll oder kann oder muß), dann die Torx-Schrauben links und rechts auf der "Rück"seite des Lenkrades lösen und Airbag nach vorne rausziehen, dann vorsichtig das gelbe Kabel mit dem roten Stecker vom Airbag abziehen. Nun die zentrale Mutter lösen und Lenkrad von der Verzahnung abziehen. Fertig!


    Ausbau der beiden Signalhorn-Tasten: Tasten mit einem schmalen Schlitz-Schraubendreher (Phasenprüfer) an der längsten Seite der Tasten hochhebeln, die Tasten springen dann fast von alleine raus. Die Federbleche entnehmen (diese stellen übrigens beim Drücken der Tasten den Kontakt her) und dann die beiden kleinen Schrauben lösen. Nun kann man das Schalter-Gehäuse einfach lösen, ein wenig zur Seite in Richtung Lenkradmitte drücken und schon kommt man auch hier an den Bereich zwischen Lederummantelung und Signalhorntasten zum Nähen und Knoten gut ran.


    Man besorge sich vorab eine gebogene Ledernähnadel (Stärke 1 mm, Biegung mit ungefähr Radius 15 mm) und einen gewachsten (!) Ledernähfaden mit zirka 0,6 mm Stärke (der erste Versuch mit Fadenstärke 1 mm hat nicht hingehauen, da bekommt man das Nadelende mit dem durchgefädelten Faden nicht mehr durch die Löcher, schon gleich gar nicht mehr beim zweiten Mal auf dem Rückwärtsweg der Naht, denn dann ist bereits der Vorwärts-Faden drin). Nadel und Faden erhält man bei einem Autosattler, wenn der gut sortiert ist sogar in der passenden Farbe.


    Für ein Vierspeichen-Airbag-Lenkrad vom 968er benötigt man (inkl. Verarbeitungs-Reserve für die "Umkehr"-Stiche und zum Durchziehen und Knoten) gute 10 Meter Faden. Jeder Stich verbraucht so ungefähr 20 mm Faden, am besten immer zur für die Stiche benötigten Fadenlänge noch 500 mm mehr ablängen, damit man zum Schluß noch gut durchziehen und verknoten kann. Im einzelnen sind hier mal die Bereiche mit den Einzellängen aufgelistet:


    Bereich unterer Bogen: insgesamt zirka 100 Stiche (50 hin, 50 zurück), Fadenlänge habe ich hier 2,5 m gehabt
    Bereich seitlicher Bogen: insgesamt 50 Stiche (25 hin, 25 zurück), Fadenlänge 1,5 m
    Bereich oberer Bogen: insgesamt 170 Stiche, (85 hin, 85 zurück), Fadenlänge 4 m


    Insgesamt also gute 10 Meter Faden, denn die seitlichen Bogen gibt's ja links und rechts. Nochmal Reserve drauf und einfach 15 Meter besorgen.


    Nun beginnt man zunächst so, daß man (nach Entfernung sämtlichen originalen Fadenmaterials, auch unter dem Leder alles raus was an Resten vorhanden ist) im Bereich des Beginns der eigentlichen Naht einmal durch den PU-Schaum der Lenkrades sticht und hier einen Doppelknoten macht, der dann später unter dem Lederrand liegen wird (siehe Bilder). Dann nochmal durch den Schaum zurück stechen, und zwar so, daß man genau auf Höhe des ersten Loches im Leder rauskommt. Übrig bleibt dann somit das kurze Faden-Endstück des Doppelknotens. Dieses beim Knoten nicht zu kurz machen (so 10 cm) und auch nicht abschneiden, denn es wird noch zum Verknoten mit dem Fadenende nach Umkehr und Rückwärts-Stichen und damit vollendeter X-Naht benötigt.
    Nun einfach immer oberhalb des Leders (sichtbarer Nahtteil) den Kreuzteil der Naht zum gegenüber und eins weiter liegenden Loch nähen und dann unter dem Leder wieder zurück auf die andere Seite direkt zum gegenüber liegenden Loch (nicht eins weiter, sondern quasi senkrecht zum Lederstoß) nähen. Normalerweise kann man sehr gut erkennen, wie die Lage der Fäden sein muß, denn der ursprüngliche unten liegende Vorwärts-Stich der X-Naht hinterläßt entsprechende Vertiefungen im Leder (siehe Bilder). Wenn man am Ende des Bogens mit den Vorwärts-Stichen angekommen ist, dann macht man durch die letzten beiden gegenüber liegenden Löcher zweimal einen senkrecht zum Lederstoß liegenden Stich und führt dann die obenliegenden Rückwärts-Stiche aus. Die X-Naht ergibt sich dann zwangsläufig von alleine. Die Rückwärts-Stiche liegen nach Umkehr am Ende der Bogenabschnitte auf den unteren Vorwärts-Stichen.
    Bei den Stichen den Faden nicht zu stark spannen, denn sonst ergibt sich eine Aufwölbung durch die Lederstauchung aufgrund des zu starken Fadenzuges, welche sich dann beim Umgreifen des Lenkrad-Kranzes irgendwie unangenehm in den Fingern bemerkbar macht. Fadenzug ist vollkommen ausreichen, wenn die Lederkanten schön beieinander zum Liegen kommen und nicht durch den Zug aufeinander "gepresst" werden.
    Kommt man nun nach Ausführung der Rückwärts-Stiche wieder am Beginn der Naht an, so dort noch mal die beiden schon beim Umkehren gemachten senkrechten Stiche durch die letzten beiden gegenüber liegenden Löcher und dann nochmal durch den PU-Schaum stechen. Nun den Knoten mit dem Endstück des ersten Knotens machen und fertig ist das Ganze!!!! An sich total einfach.........


    Die Lederkanten im Bereich des Übergangs zu den Signalhorn-Tasten und zum Airbag-Modul dann noch mit einer kleinen Menge eines weltbekannten Kontakt-Klebstoffes (Produktname darf man hier nicht aufführen wegen Schleichwerbung) sichern. Noch Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge und schon hat man wieder ein perfekt genähtes Lederlenkrad am richtigen Platz im Fahrzeug.


    Und seltsamer Weise bekam ich bei dieser Arbeit an seinem 968er überhaupt keine dreckigen Finger!?!? Komisch, ist mir noch nie vorgekommen....


    Ich hoffe ich hab's verständlich beschrieben! Die Methode ist so bei allen Airbag-Lenkrädern der 968er, 944er, 964er und 993er machbar (sind ja baugleich) und sollte auf andere Lenkräder übertragbar sein


    Soweit, Gruß Hans

  • Sieht gut aus, habe ich bei meinem S2 auch schon einmal gemacht. Ist nicht so schwer wie man denkt, man benötigt nur etwas Geduld...

    Schocki :khat:


    1987 944 Turbo, R.I.P. :pop:
    1991 944 S2, Kobaltblau, verkauft :wink:
    1972 911 T Targa, Geminiblau aka "Shelley" :saint:
    1992 928 GTS, Amazonasgrün aka "Das Phantom" :evil:


    It's not the speed that kills you, it's the sudden stop :old:.

  • Moin,
    schöne Anleitung aber ich habe das für 200 Euro damals machen lassen.
    Ich habe die Geduld nicht ;-)

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