Fahrbericht Opel Ampera

  • falls es interessiert..


    ich hatte kürzlich die Möglichkeit, einen Opel Ampera "frühes Modell" Probe zu fahren.


    Das Auto ist Teil des Fuhrparks eines größeren Unternehmens, es wird für Dienstfahrten täglich eingesetzt.
    Nach Auskunft des Werksmeisters hat der Wagen 50 kEUR gekostet, Rabatt habe es - anders als sonst üblich - 'keinen Cent' gegeben. Bestellen habe man das Auto auch nur bei Opel direkt können, der Händler sei da außen vor geblieben.


    Frühes Modell heißt dass die Ausstattung etwas anders war, als es heute üblich ist, auch sei die Leistung noch etwas niedriger als jetzt.


    Das Auto war vollgepfropft mit allen nur erdenklichen elektrischen Spielereien, von Keyless-Go (oder wie das bei Opel heißt), ein voll animiertes Armaturenbrett - alles digital - und eine Hundertschaft von Knöpfen auf der Mittelkonsole, die ich nicht im Entferntesten alle ausprobieren konnte, aber es gab Rückfahrkamera, Navi XXL, jede Menge Ladeanzeigen und und und.


    Was mir gut gefallen hat:
    Das Auto fährt sehr ordentlich, beschleunigt vollkommen zügig, fährt im Verkehr sehr leicht mit, beschleunigt an der Ampel hervorragend und macht überhaupt nicht den Eindruck, dass es ein Elektroauto ist. Nach wenigen km hat man sich an das Fahren gewöhnt.
    Das Auto ist sehr leise, im Stand hört man - außer einem Lüfter - nichts. Die Rundumsicht ist wie bei heutigen Autos eher so lala, die Verarbeitung im Innenraum würde ich als befriedigend bis gut bezeichnen. In meinem Audi ist das Wertigkeitsgefühl höher, aber ok.
    Zur Zuverlässigkeit kann ich nichts sagen, aber das Auto fuhr ohne Mucken.
    Wenn die Batterie leer ist (so nach 50-80 km) springt der Verbrennungsmotor an und bringt einen nach Hause. Das ist im Prinzip eine gute Sache, aber die Elektroreichweite ist zu gering. Wären es 100-150 km, besser 200-250 km sähe es anders aus.
    Was mir auch gut gefallen hat: Man kann das Fahrzeug so einstellen, dass es zunächst mit Verbrennungsmotor fährt und dabei die Batterie auflädt oder zumindest schont, um dann später mit Elektro zu fahren. So kann man z.B. wirtschaftlich auf der Autobahn sich einer Stadt nähern und dann im Kernberich mit viel Stop & Go mit Elektro fahren.
    Gut ist auch, dass beim Bremsen zunächst die Energie in die Batterie zurückgespeist wird; erst beim starken Bremsen wird die Energie thermisch 'vernichtet'.



    DIESES Elektroauto ist für mich dennoch nichts, weil
    a) es zu teuer bzw. unwirtschaftlich ist. Bei 50 kEUR Kaufpreis krieg ich das über die Kraftstoffkosten nicht wieder rein.
    Wenn es 10 bis 20 kEUR günstiger wird, sieht die Sache schon ganz anders aus.
    b) im Verbrennungsbetrieb liegt der Verbrauch bei > 8 l/ 100 km. Das ist IMHO technisch überholt. Da läuft ja jeder Passat blue motion um Längen sparsamer und der Vorteil Elektro ist dahin.
    c) Die Optik des Autos war nicht direkt schlecht, aber 'schön' fand ich ihn nun auch wieder nicht. Da könnten die Designer noch nachlegen.


    Fazit:
    Schöner Ansatz, bei entsprechender Weiterentwicklung und preislicher Reduktion sicherlich irgendwann interessant.
    Wenn man zudem den Strom günstig einkaufen kann (Großkunden in der Industrie kriegen ihn angeblich um 7 ct/kWh) dann macht es auch wirtschaftlich echt Sinn.


    ... ich bin gespannt.


    g.we

  • Hallo,


    schöner, anschaulicher Bericht!


    Ich verfolge das Thema Hybrid bzw Elektro Auto aufmerksam.


    Konnte bisher jedoch nur 3 Fahrzeuge selbst fahren:
    - Panamera Hybrid
    - Smart Elektro 2te und 3te Generation


    Letztere auch etwas ausgiebiger da Flottenfahrzeug meiner Company bzw Leihwagen übers Wochenende.


    Bemerkenswert ist die Entwicklung von 2ter auf 3te Generation beim Smart.
    Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit immens und Reichweite merklich verbessert.


    Nach meiner Erfahrung wird das Thema Reichweite oft falsch betrachtet.
    Ist man nämlich viel im Stadtverkehr unterwegs hat man:
    1) lange Standzeiten
    2) häufige Rekuperationen durch Stop and Go - eine vorausschauende Fahrweise wird hier extrem belohnt.
    Was sich darin niederschlägt dass man durchaus zeitlich erheblich länger mit dem Wagen unterwegs ist wie es die reine Reichweite vermuten lässt.


    Trotzdem ist mir ein reines Elektroauto noch zu teuer und der Verwendungszweck zu sehr eingeschränkt - selbst als Zweitwagen.

  • Schöner Bericht. Danke.


    Ich hatte bisher noch nicht das Vergnügen, die neue Welt praktisch zu erkunden. Allerdings sind die Negativpunkte in Deiner Schilderung ja identisch mit der herrschenden Meinung. Aber jede Technik hat sich halt aus den Anfängen heraus entwickelt. Ich sehe auch eher einen Smart Elektro als praktikabel an, als ein größeres Fahrzeug. Und eher die Stadt als das Jagdrevier, als die Autobahn. Rein elektrisch, wohlgemerkt.


    Rainer

    GEHT NICHT GIBT'S NICHT - GEHT SCHWER GIBT'S

  • Ich fahre den aktuellen eSmart auch regelmäßig im Hamburger Stadtverkehr und bin echt ein Fan von der kleinen "Turbine" :D


    Reichweite um 170km sind meines Erachtens im Stadtverkehr durchaus ausreichend, Fahrwerte völlig akzeptabel.


    Gruss, Wolfgang

  • Von mir auch: schöner Bericht.


    Solange die Reichweite eines Elektroautos nicht 400-500 Kilometer ist oder man die Ladezeit auf maximal 15 (vielleicht noch 30) Minuten begrenzen kann, sind Elektroautos tot oder nur für eine Nische bestimmt. Stadtverkehr gut und schön, aber: welcher Käufer außer gewerblichem Bedarf fährt nur Stadt? Und dafür ist die Anschaffung schlicht zu teuer. Außerdem sollte jedem klar sein, dass die Strompreise in lichte Höhen gehen werden wenn mal mehrere Millionen E-Autos auf der Straße wären, denn am Autofahrer wird immer gesaugt. Der Idealfahrer für Elektro - jemand, der im Jahr 50.000 Kilometer Stadt fährt und mehrere Wohnungen/Geschäftsstellen mit 380V-Anschluss hat, wird die extreme Ausnahme sein. Otto Normalverbraucher fährt gemischt, will auch auf Langstrecken nicht verzichten (und hat niemals Geld für einen Autobahn-Zweitwagen!), hat nicht unbedingt eine Außensteckdose zur Verfügung (geschweige denn eine mit 380V), und ist schon vom Anstöpseln genervt. Erst recht von der Zwangspause, auch wenn die eigentlich selten auffallen würde.


    Man kauft normalerweise das Auto nach seinem Verhalten und ändert sein Verhalten nicht mit dem Auto!


    Elektro mit Range extender ist wohl zurzeit die einzige praktikable Lösung, und ich habe auch darüber nachgedacht mir so etwas zuzulegen, weils auf mein Fahrprofil fast optimal passt. Nur: 50.000 Euro für so einen Wagen? Und das nicht aus Spaß, sondern wegen der Ökonomie? Da muss man schon eine ganze Menge abspulen, um das Geld herauszukriegen. Und ganze Menge heißt: Autobahn. Also wieder die Nicht-Domäne des Wagens. Noch dazu, wenn der Extender 8 Liter verbraucht. Na ja, man muss sehen: man will auf der Autobahn vielleicht 100 kW zur Verfügung haben, und die müssen produziert werden. Da entsteht Verbrauch, und bei der Stromerzeugung auch. Interessanter würde es bei vielleicht 4-5 Liter. Ein moderner Diesel verbaucht auf der AB, flott aber nicht zu scharf gefahren, 6-7 Liter, und in der Stadt nur wenig mehr, denn man kann nicht nur mit einem Elektroauto verbrauchsgünstig und vorausschauend fahren. Dafür ist er in der Anschaffung wesentlich günstiger und deutlich flexibler als der Ampera.


    Sorry, bei der Rabattverweigerung von Opel (alle anderen Kisten werfen die mit mittlerweile 30 Prozent auf den Markt) kann ich mir nur denken: die wollen den Ampera gar nicht verkaufen. Oder sie sind strunzdumm. Oder beides? *8)

    Wer die Macht hat, hat das Recht.

  • Rabattverweigerung? Seit wann gibt es einen Anspruch auf Rabatt? Bei dem Preis wird Opel/GM vermutlich nichts verdienen. Das Auto ist ein reines Prestigeprojekt um zu beweisen, dass man so ein Auto bauen kann. Zudem bleiben die Verkaufszahlen weit unter den Erwartungen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Produktion still und heimlich eingestellt wird.


    Der Elektro-Auto-Hype ist doch vorbei, Ernüchterung macht sich breit. Wer ein bisschen nachgedacht hat konnte das sowieso nie nachvollziehen. Allein die Frage der Aufladung ist völlig ungeklärt, wer soll die imensen Kosten für die Infratruktur tragen die sich auf vielfache Milliardenbeträge belaufen? Woher soll das Lithium für die Batterien kommen?

    Nil desperandum


    Der Baum der Freiheit muß von Zeit zu Zeit mit dem Blut der Patrioten und der Tyrannen begossen werden. Dies ist der Freiheit natürlicher Dünger. (Thomas Jefferson)

  • Das Auto ist ein reines Prestigeprojekt um zu beweisen, dass man so ein Auto bauen kann. Zudem bleiben die Verkaufszahlen weit unter den Erwartungen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Produktion still und heimlich eingestellt wird.


    Das könnte ich mir auch vorstellen. Die Jungs greifen momentan (verständlicherweise) nach jedem Strohhalm. Irrwege sind da vorprogrammiert.


    Rainer

    GEHT NICHT GIBT'S NICHT - GEHT SCHWER GIBT'S

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