• Günther Jauchs Frage stößt ins Leere. Die junge Kandidatin kann mit dem Begriff ‚Radikant’ nichts anfangen und beendet das Spiel. Wie sagt man so schön, Wissen ist Macht, nichts zu wissen macht auch nichts.
    Quizsendungen sind ‚In’. Kaum ein Tag vergeht, an dem ich im Fernsehprogramm einmal nicht auf eine Wissensorgie stoße.
    Was bewegt uns dazu, jede Frage beantworten zu wollen. Ist es wichtig zu wissen, wer 1954 den Nobelpreis für Chemie bekommen hat?
    Wen interessiert es denn eigentlich, wo Konfuzius seinen Geburtsort hatte, oder mit welchem Titel die Band xy bekannt wurde?


    Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht aufgefordert bin, ungestellte Fragen beantworten zu müssen. Beim Lesen der Tageszeitung ergeben sich häufig mehr Fragen als Antworten.
    Wie einfältig und überschaubar war doch die Welt des mittelalterlichen Menschen. Mit ihm tauschen möchten wir allerdings auch nicht.
    So müssen wir es uns gefallen lassen, pausenlos getestet, abgefragt oder kontrolliert zu werden, wenn wir uns auf diese Welt einlassen.
    Getested vom Institut für xyz steht auf unseren Lebensmitteln und doch ändert sich nichts daran, wenn wir Glykol im Wein, Pestizide im Gemüse oder andere Unannehmlichkeiten in dem wieder finden, was eigentlich der Erbaulichkeit dienen sollte.


    Schwenken wir einmal auf ein Thema, welches uns als Autofahrer vielleicht mehr interessiert, ohne dass es dabei direkt zu Magenverstimmungen kommen kann.
    Unser bester Freund, das Auto, ist aus dem Spiel getestet zu werden, nicht ausgeschlossen. Reichlich Auswahl besteht darin, über jedes beliebige Fahrzeug einen Testbericht in den Autozeitschriften zu finden.
    Und seien wir ehrlich, wird unsere Wahl eines automobilen Untersatzes dort zerrissen, zweifeln wir gerne deren Wahrheitsgehalt an.
    Unser Porsche ist es gewohnt, in den oberen Rängen sportwagenrelevanter Kriterien Maßstäbe zu setzen.


    Kommt dann plötzlich ein Konkurrenzprodukt daher, möglicherweise noch in der Ausführung einer familientauglichen Großraumlimousine und gewinnt den Vergleich, so haben wir vollends genug von Testberichten.
    Argumente gegen solche Vergleiche gibt es genug, zumindest empfinden wir das so, wenn ein klassischer Sportwagen mit einer Limousine verglichen wird.


    Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob ein Sportwagen mehr Kofferraum als für eine Zahnbürste bieten muss. Ob er auch Oma und Opa auf der Sonntagsspazierfahrt mit transportieren können sollte, oder ob er den Federungskomfort einer Luxuslimousine bieten muss.
    Dem Wunsch, ein Sportwagen habe nichts weiter zu erfüllen, als schnell, sportlich und leicht zu sein, kann ohne weiteres zugestimmt werden. Doch wie ist es möglich, dass ein 911er, der anfangs nicht viel mehr als 1000 kg wog, inzwischen 1,5 Tonnen erreicht hat.


    Vergleicht man den gut ausgestatteten 911er aus neuester Zeit mit einem GT3 wird klar, wo die Reise hingeht. Im ersten Fall handelt es sich um ein zwar sehr sportliches aber doch inzwischen sehr weichgekochtes Abbild eines sportlichen 911er, der in der Ausführung eines GT3 seine Hauptaufgabe eher darin sieht, auf einer Rennstrecke gefahren zu werden.


    Die vielen kleinen Helferlein erhalten dem Porsche zwar seine Sportlichkeit, aber eben auf Kosten eines niedrigen Gewichtes.
    So führt der Limousinencharakter des 911er dazu, eben auch mit den gängigen Limousinen der Konkurrenz verglichen zu werden.
    Eigentlich tragen wir als Käufer des Porsche selbst die Schuld daran, wenn sich die genannte Entwicklung nicht mehr aufhalten lässt.
    Wir verlangen ein sehr sportliches, aber auch alltagstaugliches Auto, was nichts anderes bedeutet, als eine Gewichtszunahme.


    Entscheidend ist ja eigentlich nur Eines. Wir selbst sind die Testingenieure unseres eigenen Autos, wenn wir täglich mit ihm durch dick und dünn fahren und am Ende feststellen, dass er unsere Wünsche und Vorstellungen von einem sportlichen aber auch gleichermaßen komfortablen Auto erfüllen kann.


    Testberichte bieten erste Annäherungen an ein Wunschauto. Der wahre Test findet eben auf der Straße statt und wie egal kann es dann doch sein, wenn Tester B unser Auto in der letzten Autozeitschrift nicht den uns angemessenen Platz einräumt.


    Euch einen schönen Testtag mit dem Porsche :drive:


    Wolfgang

    .....997/2 Turbo S Cabrio


    Gruß
    Wolfgang



    Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

    Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.




  • Hallo Wolfgang
    Prinzipiell hast Du sicher recht. Doch einige Kilos gehen auch auf Kosten der Sicherheit. Ein 911er aus der Anfangszeit wird nach einem gleich heftigen Aufprall sicher nicht gleich gut da stehen wie ein Neuer. Diese Gewichtszunahme wird vom Gesetzgeber verlangt.
    Auch die Mehrleistung verlangt nach stabileren Motoren und Antriebssträngen, die Abwärme irgendwann nach Wasserkühlung. Die letzten G-Modell, die wohl kaum als verweichlicht bezeichnet werden können, mit dem 3.2 Liter Motor waren "nur" 100kg leichter las ein neuer GT3 und das bei NUR halber Leistung und ohne Wasserkühlung.


    Die von Dir angeprangerte Weichgespültheit entstammt den Fortschritten in der Materialtechnologie. Früher waren die Dämpfer und deren Öle so schlecht, dass nur harte Federn eine Art Sportlichkeit erzeugen konnten. Zudem konnte nur eine Dämpferkennlinie eingebaut werden, nämlich hart.
    Die neuen Federn und Stabis sind sicher nicht viel schwerer als ein Alter, können aber eben auch sanft sein, wenn die Dämpfer voll geöffnet werden.


    Wie Du siehst, ist nicht alles Neue schlecht.


    Liebe Grüsse
    roger

    Mein Porsche verliert kein Öl mehr.
    Läuft aber immer noch, wie Schmidts Katze...

  • Hallo,


    mal wieder ein schöner Bericht Wolfgang. Schön verfasst :thumb: .


    Ich will mich aber doch eher Rogers Beitrag anschließen. Es sind nicht nur einige Kilos die sich auf Kosten der Sicherheit etc. angesammelt haben. Aber diese Kilos haben oft Sinn (ich selbst brauche nicht viele dieser elektr. Helferlein).
    Und weichgespült finde ich einen neuen 911er auch nicht; er ist einfach komfortabler. Und das muss nicht schlecht sein :headbange . Ich finde den 997 völlig ok; eine gesunde Mischung aus Sportlichkeit und Komfort ;) .


    Die Klassiker haben aber auch ihren Reiz und faszinieren oft mehr als die neuen Modelle. Ich denke, wenn man Porsche mag - muss man beide lieben :love: .


    Liebe Grüße :wink: , Inka

    Lb. Grüße, Inka
    991.2, Carrera 4 GTS, weiß

  • Hallo Inka, Roger,
    natürlich ist das auch etwas provokant geschrieben, schließlich fahre ich das Auto ja selbst und habe nichts daran auszusetzen.
    Sicher ist es aber so, dass die vielen Helferlein das Auto sehr fahrfreundlich machen und viele Fahrfehler verzeihen.


    Das ist einerseits sicherlich dem Normalfahrer sehr entgegenkommend, andererseits für denjenigen, der schon einmal öfter auf der Nordschleife unterwegs ist, weniger angenehm. Mein 356er verzeiht da keine Fehler, ist aber auch trotzdem sehr gutmütig und doch auch rasant schnell.


    Der Vergleich hinkt natürlich etwas, aber die Urtümlichkeit des 356er ist sehr erfrischend gegenüber dem 911er, bei dem man sehr schnell das Einsetzen der Elektronik spüren kann.


    Der 997 ist zeitgemäß, auf die Spitze treibt es Nissan mit dem GT-R, der bekannterweise einer Spielkonsole nicht unähnlich ist. :D


    Schönen Sonntag


    Wolfgang

    .....997/2 Turbo S Cabrio


    Gruß
    Wolfgang



    Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

    Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.




  • Hallo Andreas,


    das Autofahren empfindet jeder anders, egal ob es sich auf der normalen Straße oder auf der Nordschleife abspielt. Dem einen gefällt dies - dem anderen gefällt das ;) .


    Was ich noch immer nicht ganz in der Argumentation verstehe: Diese Helferlein wie z.B. PSM lassen sich doch abschalten; dann müsste, wenn alles ausgeschltet ist doch eigentlich die "Urspünglichkeit des Fahrens" wieder hergestellt sein :-a . Ok. - ich hab noch nie einen 356 gefahren und kann mir somit kein Urteil bilden. Bei vielen Herstellern bedeutet das Abschalten des ESP ja nicht wirklich "aus"; bei Porsche schon.


    Nun egal: Ich bin kein Freund von allzu viel elektonischer Hilfen. Hauptsache das Fahren macht Spass und das tut es mit meinem Boxster ungemein :drive: .


    Liebe Grüße, Inka

    Lb. Grüße, Inka
    991.2, Carrera 4 GTS, weiß

  • Der 356 ist ja ein hübsches Automobil aus längst vergangenen Dekaden.
    Die Pferdefuhrwerke teilten sich damals noch die Strasse mit den Porsches, das ist mir noch gut in Erinnerung. ;)
    Das "erfrischende Fahrverhalten" hatte der vielleicht gegenüber dem Ford T-Modell .
    Nix für ungut Wolfgang, ich hätte trotzdem gerne einen. :thumb:


    Wenn bei mir die Helferlein eingreifen, bin ich schon viiiel zu schnell.
    Fahrfehler imminent !!
    Gruß
    Rolf

  • Na ja, unter 'erfrischendem Fahrverhalten' verstehe ich den ungeregelten und unkontrollierten Kontakt zur Straße.
    Ich bin absolut kein Profi, der würde sicher sehr viel mehr aus dem Auto herausholen.


    Mein 997 ist sehr schnell (ist eine Frage der Sichtweise), aber er wird doch sehr von der Elektronik kontrolliert.


    Natürlich ist das zeitgemäß und jeder kennt die tollen Fahrleistungen unserer Autos, aber wie weit soll das noch führen?

    .....997/2 Turbo S Cabrio


    Gruß
    Wolfgang



    Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

    Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.




  • Der Vergleich hinkt natürlich etwas, aber die Urtümlichkeit des 356er ist sehr erfrischend gegenüber dem 911er, bei dem man sehr schnell das Einsetzen der Elektronik spüren kann.



    So ergeht es mir wenn ich vom 14er in den 28er (GTS) steige.
    Unterschied wie Tag und Nacht...
    Der Eine leicht, wendig, schnell, puristisch, der Andere schwer, nicht ganz so wendig und sauschnell, aber man merkt es kaum! :D



    Es sind hald Autos zweier unterschiedlicher Dekaden, so wie bei einem G-Modell und dem 997.


    Toll sind sie alle!



    Schönen Gruß, :wink:
    Armin

    928 GT 91er *schiefergrau*

    928 S4 91er Automat *nachtblau*

    928 GT 90er *schwarz*

    Mobil 01711686461

  • Also mein PSM lässt sich komplett ausschalten.
    Bloss das ABS nicht, aber das macht auf jeden Fall Sinn.


    Aber ob ich dann schneller bin?
    Vielleicht in langsam engen Kehren mit welligem Belag, aber sonst :-a
    roger

    Mein Porsche verliert kein Öl mehr.
    Läuft aber immer noch, wie Schmidts Katze...

  • Diese ganzen Helferlein wurden doch nicht aus Jux eingebaut.
    Wer ist denn hier in der Lage einen Porsche "schnell" zu fahren und dabei im Griff zu haben ?
    ....und dann noch mit abgeschaltetem Tractioncontrol oder PSM, das sind doch alles nur Sprüche.


    So'n ADAC-Schleuderkurs oder Porsche-Fahrerlehrgang mit anschließendem fröhlichem Beisammensein bringt's doch nicht.
    Man sollte auch mal aus der Traumtänzerei wieder aufwachen.
    Letztens durfte ich einen 300SL aus '59 fahren.
    Mein "Testbericht" : Heute noch eines der elegantesten Sportwagen unter der Sonne. Lenkung wie ein Lastwagen, Schaltung wie ein Lastwagen und die Bremsen verzögerten genauso. Das Fahrwerk war zu seiner Zeit "state of the art", heute nur noch grausam.
    Besser wußte man das damals leider nicht.
    Gegen meinen popeligen Golf R32 sieht der keine Sonne, in jeder Beziehung.
    Also ich liebe den Fortschritt und trotzdem auch alte Autos, aber Vergleiche müssen die nun wirklich scheuen. ;)
    Happy Motoring :drive:
    Rolf

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