• Der Lange neben mir wirkt noch nicht entspannt.


    Wir haben beide die KöPi - Kappe auf und beobachten den Verkehr.


    Nicht richtig voll, aber zuviele Fährtensucher unterwegs.


    Der 11er reiht sich brav auf der linken Spur ein und wartet auf Befehle.


    Man weiss nicht was schlimmer ist: alle drei Minuten die Kappe lüften oder


    das schüttere Haar vom Wind auf Urban Priol trimmen lassen.


    Aber Verdeck-Zu geht garnicht. Nicht bei 30° und dem gelben Ball am Himmel.


    Und erzähl mir keiner was von „Überhohlprestige“; eher das Gegenteil.


    Der komische Pfeil auf dem Digitaltacho spricht Bände.


    Langsam wird’s besser, es geht voran.


    Bei 230 fahr ich auf nen nagelneuen [lexicon]Targa[/lexicon] 4S auf.


    Is mir schon von weitem aufgefallen, das der keinen Spass versteht.


    Versucht sich die Linke freizupressen, ich setz mich mit Anstand dahinter.


    Als die Spur frei wird, beschleunigt der [lexicon]Targa[/lexicon] voll durch, ich presse das Pedal aufs Bodenblech.


    Vor meinem inneren Auge fliessen die relevanten Daten wie in nem Teleprompter durch.


    Ich konstatiere: Wegfahren kann er mir nicht.


    Jetzt ist alles frei, bis 250 zieht der [lexicon]Targa[/lexicon] an, dann hält er nur noch bei.


    Meine Lichthupe lässt höflich anklopfen, ob denn ein Vorbeigehen genehm ist.


    Der [lexicon]Targa[/lexicon] geht auf die Mittelspur und lässt beiläufig einen Verkehrsflussverhinderer


    auf der Mittelspur links liegen.


    Vorbei komm ich nicht, Bremsen ist angesagt, die Spur ist wieder zu.


    Der [lexicon]Targa[/lexicon] setzt sich wieder vor mich und das Spiel geht von vorne los.


    Der Lange hat die Zeitschrift beiseite gelegt und guckt angestrengt in die Ferne.


    Seit 2 Stunden brennt uns jetzt die Sonne die letzten noch funktionierenden Gehirnzellen


    aus dem Schädel; aber Leichtsinn war mit 18.


    Beim stochern in der Playlist verschlaf ich fast den Fluchtversuch.


    Ich lade die Gänge durch und bleibe dran.


    Der Blinker tickert unaufgeregt vor sich hin, als man uns bei 250 den Vortritt gewährt.


    Beim kurzen Blick in den Rückspiegel fällt mir glatt die Kinnlade runter:


    Sitzt doch eine mindestens wenn nicht ältere distinguierte Dame mit ihrer geschätzt


    15 Jahre jüngeren Beifahrerin am Volant.


    Alle Achtung, schießt es mir durch den Kopf, die hat aber noch Feuer unterm Prada-Kostüm.


    Ich nehm Tempo raus und taste mich langsam an die Baustelle ran.


    Als wir auf gleicher Höhe sind, bleibt uns nur, kurz die Kappe anerkennend zum Gruß


    zu lüften; da fahrens schon rechts raus.


    Der Lange schaut mich verdutzt an, ich schieb nur kurz die Schultern hoch.


    im Porsche halt; darin kannste nich alt werden.

    So und nicht anders passiert im Juli letzten Jahres auf der Rückfahrt von Hamburg nach Mülheim.

    Falls Sie mitlesen: herzlichen Dank für die interessante Etappe

    Gruss Christian