Zahnriemenwechsel 944S2

  • Hallo Schraubergemeinde!


    Nachdem der Zahriemenwechsel bei meinem 924S im PZ verdammt teuer war (ca. 1600,- Teuronen für beide Riemen + Wapu + Nachkontrolle nach 3000km) habe ich mich beim anstehenden 160 000km-Zahnriemenwechsel meines 944S2 dazu entschlossen das Ganze mal selbst zu probieren, obwohl ich vom Motor bislang weitgehend meine Schrauberfinger gelassen habe. Aber irgendwann ist immer das erste Mal - schließlich habe ich ja auch ein orginales Porsche Werkstatt-Handbuch, da kann das doch nicht so schwer sein .... dachte ich mir....


    Vorne weg: ich war von der Ausführlichkeit des Handbuchs enttäuscht und vielleicht wäre es besser gewesen beim ersten Mal jemanden dabei zu haben, der sowas schon mal gemacht hat (zumindest bei einem anderen Fahrzeug).
    Aber: es hat geklappt und läuft recht gut, auch wenn die ganze Arbeit deutlich länger gedauert hat als ich dachte - dafür geht's beim nächsten Mal wohl wesentlich schneller. Und: ich konnte auch ein paar weitere Tipps aus dem PFF bekommen, die mir etwas weiter geholfen haben, aber auch hier fand ich zu dem Thema nicht alles so ausführlich, wie man es vielleicht als Nicht-Automechaniker wünscht. Deshalb möchte ich hier für alle mal ein paar Erfahrungen und Tipps abgeben:


    1. Batterie abklemmen + Neuteile:
    Zahnriemen, Ausgleichswellenriemen, Lauf- und Spannrollen (5 stück), Wasserpumpe+ Dichtung+Thermostat (z.B. bei Mike)
    2. Kurbelwelle auf OT stellen: vorne am Riemenrad drehen bis die Markierungen an der Kupplungsglocke unten und am Nockenwellenrad oben übereinstimmen.
    3. Kurbelwelle in dieser Stellung blockieren: das war etwas aufwendig, nachdem der Tipp eines Freundes mit Rückwärtsgang einlegen und Handbremse ziehen nicht funktioniert hat (warum auch immer???) habe ich das im Handbuch beschriebene Porsche Spezialwerkzeug nachgebaut: Schablone vom Anlasser-Zahnkranz abgenommen, dann aus einem 12mm-Flachstahl ein Zahnsegment geflext und gefeilt bzw. angepasst. Dieses Stück auf eine genau ausgerichtete Halterung aufgeschweißt, so dass man das Ganze anstatt des Anlassers zum Blockieren festschrauben kann. Vielleicht gibt's ja auch einfachere Wege - da hätt ich gerne noch Tipps
    4. Keilriemen und Polyribriemen ausbauen
    5. Abdeckungen ausbauen
    6. Ausgleichswellenriemen prüfen um ein Gefühl für die Spannung zu bekommen - er ist recht locker
    7. Ausgleichswellenriemen entspannen und ausbauen: dazu Laufrolle ausbauen und die Spannrolle auch gleich - sollte man beides mit wechseln
    8. Riemenräder abbauen (Keil-, Poly, Ausgleichswellenrad): M16x1,5-Schraube lösen (24er Nuss) - sitzt verdammt fest (evtl. Verlängerung benutzen), aber Achtung: Kurbelwelle muss bolckiert sein und darf sich nicht verdrehen sonst können die Ventile beschädigt werden. Keilriemenscheibe abnehmen. Poly-Riemenscheibe ist mit vier kleinen Schrauben am Ausgleichswellen-Riemenrad befestigt: lösen und abnehmen. Ausgleichswellen-Riemenrad abnehmen: sitzt meist recht fest wg. Passungsrost. Meine Abzieher waren alle zu groß oder zu klein - man hat nicht allzu viel Platz für einen ausladenden Abzieher. Trick: ein Stück Flachstahl (ca. 30x5x120mm) mit zwei Bohrungen im Abstand der Polyriemen-Befestigungsbohrungen (Diagonale) versehen, als Abstandshalter zwei größere Muttern unterlegen und mit etwas längeren als die Orginalschrauben als Brücke auf das Ausgleichswellen-Riemenrad schrauben. Zuvor M16x1,5 Schraube soweit wie möglich von Hand wieder eindrehen. Nach der Brücken-Montage kann die M16x1,5-Schraube dann mit einem 24er Gabelschlüssel herausgedreht werden - der Kopf drückt das Ausgleichswellen-Riemenrad über die Brücke ab. Rost mit feinem Schmirgelleinen auf Welle und im Rad entfernen.
    9. Zahnriemen-Spanner lösen: nur lösen - Schraube und Mutter bleiben drauf!
    10. Spanner-Sockel lösen: dieser ist mit 3 (kaum sichtbaren) M8-Muttern am Motorblock befestigt - ist etwas Tast-, Such- und Fummel-Arbeit, aber zuerst wußte ich gar nicht , dass man da überhaupt was abschrauben kann.
    11. Zahnriemen-Spanner entspannen mit Porsche-Spezialwerkzeug, das natürlich jeder zu Hause rumliegen hat... ist aber einfach selbst herzustellen: Flachstahl (z.B. 40x5mm) oder Winkel ca. 30cm Länge am Ende mit zwei 6mm Bohrungen versehen (Abstand der Löcher am Spanner-Hebel ausmessen - ich glaube es waren 38mm). Mit diesem Hebelwerkzeug kann der Spanner entspannt werden - in dieser Position fixieren (Schraube und Mutter wieder anziehen)
    12. Kompletten Zahnriemen-Spanner herausnehmen (mit Hebel und Sockel)
    13. Beide Laufrollen ausbauen (werden durch neue ersetzt), Trennsteg (Blech) ausbauen
    14. Zahnriemen abnehmen
    15. Ausgleichwellen-Räder auf OT-Markierung drehen (Lage markieren) und abmontieren mit Porsche-Spezialwerkzeug: Selbstbau: Flachstahl (z.B. 60x6x400) - am Ende 2x 6mm-Bohrungen im Abstand der Löcher in den Ausgleichwellen-Rädern einbringen, dazwischen in der Mitte eine große 26mm-Bohrung setzen ( mit der 19er Nuss durchkommt) - 2x 6mm-Stifte einstecken und von der Rückseite verschweißen - fertig. Mit diesem Werkzeug Ausgleichwellen-Räder blockieren um Zentralschraube zu öffnen.
    16. Rückseitige Zahmriemengehäuse-Abdeckung abmontieren
    17. Kühlwasser ablassen und auffangen(Vorsicht Sauerei)
    18. Wasserpumpe abschrauben (muss übrigens laut eines Porsche Meisters aus dem PZ nicht bei jedem Zahnriemenwechel mitgetauscht werden, weil die Dinger bei Porsche deutlich robuster ausgelegt sind als z.B. das VW-Glump)


    Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge. Dabei zu beachten:
    19. Motor und alle Teile vor dem Zusammenbau reinigen, ggf. entrosten und Riemenräder vor dem Aufschieben innen an der Passung leicht fetten
    20. Wapu mit neuer Dichtung und Dichtpaste dünn bestreichen (überschüssige Paste abwischen), festschrauben mit vorgeschriebenem Drehmoment und Loctite Schraubensicherung (nicht zu viel - das soll ja auch mal wieder aufgehen)
    21. Rückseitige Zahmriemengehäuse-Abdeckung montieren
    22. . Ausgleichwellen-Räder montieren: dabei auf OT-Markierung achten - Anzugs-Drehmoment 45Nm
    23. Neuen Zahnriemen auflegen: Nockenwelle und KW muss auf OT-Markierung stehen!
    24. Riemenspanner (mit neuer Rolle - 45Nm Anzugsdrehmoment, Federführungshülse fetten!), Laufrollen, Trennsteg montieren. Riemenspanner-Hebel lösen: dabei wir der Zahnriemen gespannt - Mutter und Schraube mit vorgeschriebenem Drehmoment wieder anziehen
    25. KW-Riemenrad neuen Ausgleichwellen-Riemen montieren: KW und beide Ausgleichwellen-Räder müssen auf OT-Markierung stehen (am besten mit zweiter Person zum Markierung kontrollieren). Spannrolle einsetzen (Exzenter nach unten) so dass im Uhrzeigersinn gespannt wird (Entspannung gegen Uhrzeigersinn), spannen (relativ leicht - ca. 1cm Durchdrücken an der längsten Stelle), und in dieser Position Spannrolle mit 45Nm anziehen. Laufrolle montieren und so einstellen, dass sie unten 0,5mm vom Riemen Abstand hat (0,5mm Blech oder Karton dazwischen legen) und oben den Riemen 0 bis 1mm anspannt. Mit 45Nm anziehen.
    26. Polyribrad (13Nm), Keilriemenrad und Abdeckungen montieren. Anzugsdrehmoment der M16x1,5 Schraube: 205Nm
    27. Polyrib- und Keilriemen montieren und spannen (nicht zu fest!)
    28. Kühlwasser auffüllen und entlüften.


    So - vielleicht hilft's ja jemand in Zukunft - das Ganze ist natürlich ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Evtl. kann der eine oder andere versierte Schrauber noch ergänzende Tipps oder Korrekturen hinzufügen. Ich hatte leider nicht alle Drehmomente im Kopf, empfehle aber alle Schrauben mit Drehmomentschlüssel anzuziehen - das Alu-Gewinde ist schnell ausgerissen. Außerdem müssten die Riemen mit einem speziellen Einstellgerät kontrolliert bzw. gespannt werden - hab ich aber nicht, also muss es auch so mit Gefühl gehen.


    Viel Spaß und Erfolg beim Schrauben!


    Gruß


    Andreas

    924S, Bj.86
    944S2, Bj. 90
    Matra Bagheera I, Bj. 74
    Matra Bagheera II, Bj. 79
    Matra M530 LX, Bj. 71

  • Finde es schade, dass bisher niemand eine Rückmeldung gegeben hat...
    Immerhin hast du dir ja ziemlich Mühe gemacht das alles hier zusammenzutragen. :thumb:
    Ich werde es wohl vorerst nicht selbst in Angriff nehmen, speichere es mir aber in meiner persönlichen "Tippdatenbank" ab. :)

  • Hi Andreas matrandi... :wink:


    Schliesse mich McBridge an... toll das du das mal
    so aufgeschrieben hast :thumb:... habe es auch
    gleich abgespeichert... obwohl ich noch gar keinen
    944er habe, bzw noch nicht den richtigen gefunden
    habe... :depri:... aber er wird kommen, das weiss ich :D


    Gruss
    Stefan

  • Hallo zusammen!
    Wegen genau dieser Arbeiten steht mein 944er gerade in der Werkstatt des Schraubers meines Vertrauens (kurz: SmV). Nach dem Zerlegen stellte sich nun heraus, dass ein Stehbolzen der Wasserpumpe etwas angefressen aussieht. Der SmV meinte, dass er die zugehörige Mutter nicht mehr mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen würde :eek: Austauschensei aber auch nicht risikolos, weil der Stehbolzen wohl recht fest sitzt und nun die Gefahr besteht, dass er Abreissen könnte. Frage an die erfahrene Gemeinde: Was und vor allem wie tun :-a
    Der SmV meinte übrigens, er würde den betroffenen Stehbolzen übers WE erstmal einweichen und nächste Woche weitersehen. Sollten die übrigen Stehbolzen rein prophylaktisch gleich mitgewechselt werden - ich meine, jetzt wo einmal alles offen ist...
    Vorab schonmal "Danke!" und schönen Sonntag, Traxel

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