928 ohne Ölkühler!?

  • Hallo zusammen,


    habe bei meinem 928 (Modelljahr 79, Schalter, US-Version) neulich eine grausige Entdeckung gemacht: Einer der Vorbesitzer wollte beim Austausch des Kühlers wohl kräftig sparen. Es ist nämlich ein Kühler eingebaut, der lediglich einen Kreislauf für das Motor-Kühlmittel hat. Die Aus- und Eingänge für das Motoröl am Motor selbst sind zugeschraubt. Mit dieser Konstellation bin ich nun eine Saison lang gefahren, mitunter auch ziemlich zügig und hochtourig, aber ohne merkbare Schäden. Allerdings scheint das Thermostat vom Kühlwasserkreislauf defekt zu sein, so dass der Motor wohl stets etwas kälter lief als üblich. Nun frage ich mich ob ich das weiterhin so lassen kann oder ob ich nicht ganz dringend wenigstens einen Ölkühler nachrüsten sollte. Hat hierzu jemand von Euch schon Erfahrungen gesammelt? Wenn ja bin ich für jeden Erfahrungsbericht dankbar.


    Viele Grüße


    Andreas

  • Hallo Andreas,


    erst mal willkommen an Board! :wink:


    So lassen und weiterfahren - Nein! Bitte nicht.


    Thermostat ausserdem tauschen: Auch, ja bitte!!


    Wenn ein Motor dauernd zu kalt läuft, ist das genauso schlecht.


    Das Toleranzspiel der Bauteile zueinander paßt dann nicht und man hat dadurch stark erhöhten Verschleiss.


    Wg. des Ölkühlers:
    Das sollte für Dich ein Anlaß sein, den Wagen mal bei einem 928er Spezialisten zur gründlichen Durchsicht zu geben, damit er Dir evtl. noch das eine oder andere "Kunstwerk" beseitigt.


    Beliebt sind auch falsche Materialien, oder falsche Teileausführungen, wobei man sich so manches Mal fragt, wie konnte das überhaupt funktionieren....


    Also; lass was tun. Er wird es Dir danken. ;)

    Hätte die PAG nicht versehentlich mal fast 20 Jahre lang den 928 gebaut, würde ich schlicht keinen Porsche fahren.


    V8. Amen

  • Hallo Andreas.


    Ab Bj. 90 wurde der Motorölkühler vom Wasserkühler getrennt und ein sparater Kühler unter dem Wasserkühler angebracht.


    Du hast nur zwei Möglichkeiten:
    1. Neuer Kühler mit Motorölkühler.
    2. Separaten Kühler + Schläuche + geänderter Rammschutz unten, besorgen.


    Problem bei 2. ist das der Kühler schlappe 286 € kostet. Und du brauchst andere Schläuchen.
    Die könnte man zur Not noch anfertigen lassen beim Hydraulikfritzen, z.B. Hansaflex.


    Aber wie Wolf schon sagte: Unbedingt korrogieren! Die Wassertemperatur (und nur die wird ja angezeigt) muss nicht zwangsläufig mit deiner Öl-Temperatur einhergehen.
    Es ist denkbar, dass das Öl deutlich heißer ist als dein Wasser.
    Und außerdem, wer sagt dir das der Wassertemperaturfühler OK ist? Vielleicht ist dein Thermostat ja gar nicht defekt, sondern der Fühler?
    Aber Thermostat wechseln kostet ja nicht die Welt. Und bei der Gelegenheit kannste gleich den Fühler mit wechseln (gibt's bei Bosch für lau)
    Ach ja, du hast ja nen 79er. Da sind die Anzeigen tendenzielle Schätzeisen. Würde da also auf jedenfall was machen.


    Gruß Micha

    928 S4 / Mod '89 Autom. / Variante 5.7 / Schiefergrau + AMG Leder Anthrazite.
    Viele Porsche 928er Teile, siehe http://www.Schrauber928.de unter Teileverkauf. Teilweise auch Teile für 911/924/944/968 usw.

  • Hallo zusammen,


    erst einmal vielen Dank für Eure ausführlichen Antworten. Ich werde also zum Saisonstart definitiv den Kühlmittelthermostat wechseln, ist eh etwas undicht in dessen Umgebung, so dass ich auch sämtliche Dichtungen in diesem Bereich wechseln werde. Dann werde ich erst einmal eine Öltemperaturanzeige nachrüsten um zu sehen, wie sich die Öltemperatur verhält. Dazu gab es ja zum Glück schon ausführliche Diskussionen hier im Forum. Mein Kumpel aus dem PZ meint nämlich, dass eine Dauer-Öltemperatur von bis zu 110°C in Ordnung sei. Nur wenn die öfters mal darüber liegt (gerade bei Vollgas-Touren) werde ich einen Ölkühler nachrüsten. Und genau dazu ist mir eines unklar. Es ist nämlich so, dass der Ölstrom aus dem Ölkühler nicht etwa in die Ölwanne, sondern über den Ölfilter direkt in den Schmierkreislauf gelangt. Womöglich war das auch der Grund, weshalb der Ölkühler anfangs im Waserkühler integriert war, sa dass nicht plötzlich kaltes Öl in den Kreislauf gelangt. Deshalb folgende Fregen:
    1. Ist der separate Ölkühler bei späteren 928 hinter oder vor dem Wasserkühler angebracht? (Weil wenn dahinter, dann wird das darin befindliche Öl durch die Kühlluft ja vorgewärmt!? Wäre dann wohl in etwa vergleichbar mit der allerersten Ur-Version.)
    2. Hat sich am Ölkreislauf etwas geändert, geht das Öl bei späteren 928 mit separatem Ölkühler nach dem Kühler erst einmal in die Ölwanne?


    Zum Hintergrund ist zu erwähnen, dass ich einen separaten Ölkühler deshalb bevorzugen würde, da er viel günstiger kommt als ein neuer Komplettkühler, der ja im PZ weit über EUR 1.000 kostet. Und die Ölleitungen gibt es in beiden Fällen bei fast jedem Hydraulik-Händler, z.B. Gummi Reiff technische Produkte in Reutlingen.


    Viele Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht


    Andreas

  • Hallo Andreas.


    Der Ölkühler liegt weder noch vor oder hinter dem Kühler, sondern UNTER dem Wasserkühler.
    Am Ölkreislauf hat sich deswegen nix geändert.


    Übrigens, die Schläuche hierzu lohnen nicht anzufertigen, da diese im Verbund mit einer M8 Mutter am Kühler befestigt werden. Dichtung über O-Ring. Es handelt sich also um einen Doppelstutzen. Und der Preis ist für Porscheverhältnisse absolut OK ~105 €
    Diese Infos habe ich dank Thommy.


    110° halte ich persöhnlich bei "normaler" Landstraßen oder Stadfahrt, für zu hoch.
    Bei Belastung, klar, da kann es bis 120° gehen, und mit Syntetic kannste bis 150° fahren.
    Sind aber noch Infos aus den BMW Zeiten. Weiß nicht wie sich der Porschehobel, bezüglich Alu-Block verhält.
    Außentemperaturen < 30° vorausgesetzt.
    Bitte um Gegenmeinungen.


    Aber es würde mich doch schwer wundern, wenn dein Motor ohne Öl-Kühler auskommen würde. Freunde dich also mal mit dem Gedanken an.


    Gruß Micha

    928 S4 / Mod '89 Autom. / Variante 5.7 / Schiefergrau + AMG Leder Anthrazite.
    Viele Porsche 928er Teile, siehe http://www.Schrauber928.de unter Teileverkauf. Teilweise auch Teile für 911/924/944/968 usw.

  • HEI,
    wer viel misst misst mist.
    Damit möchte ich sagen, dass wenn ihr messt dann am richtigen Punkt.
    Zu einer Temperaturangabe gehört auch eine Ortangabe.
    Im Falle eines Ölkühlers ist es wichtig zu wissen wohin das Öl nach dem Kühler
    hingeschickt wird.
    Normalerweise geht es nach dem Kühler in den Motor.
    Diese Temperatur ist interessant. :roargh:
    Ein Sahnehäubchen wäre wenn man am Kühlereingang und am Ausgang messen würde.
    Dadurch kann man die Differenztemperatur ermitteln was wiederum ein Mass für die Effizienz des Kühlers aufzeigt.
    Nebenbei bemerkt: das Öl kann in bestimmten Bereichen des Motors bis zu 250
    Grad erreichen :hilferuf:
    Gruss :wink:
    Gordon

  • Hi.


    Ist zwar nicht wichtig, möchte aber trotzdem was korrigieren.


    Der Wassertemperaturfühler >= Bj. 89' ist bei Bosch NICHT erhältlich!
    Nur der für Bj. 83 ist erhältlich. Vermutlich auch der von 84 - 88


    Gruß Micha

    928 S4 / Mod '89 Autom. / Variante 5.7 / Schiefergrau + AMG Leder Anthrazite.
    Viele Porsche 928er Teile, siehe http://www.Schrauber928.de unter Teileverkauf. Teilweise auch Teile für 911/924/944/968 usw.

  • Hallo zusammen,


    nachdem Ihr mir mit einigem Rat weitergeholfen habt will ich Euch wenigstens berichten, was ich nun gemacht habe:


    Als erstes habe ich ein neues Kühlmittelthermostat eingebaut. Zuvor habe ich das zusammen mit dem alten Thermostat und einem Thermometer im Kochtopf mit Wasser erhitzt. Das alte ging viel früher und auch schneller zu als das neue. Ergebnis: Bei normalem Fahrbetrieb ist nun die Kühlmittel-Temperaturanzeige nach einigen Kilometern ungefähr in der Mitte zwischen weißem und rotem Bereich, davor kam sie immer nur knapp über den weißen Bereich.


    Vor dieser Aktion hatte ich noch einen Ölwechsel gemacht und in die Ablaßschraube einen Temperaturgeber eingebaut. In der Ablage unter’m Handschuhfach fand sich Platz für die zugehörige Temperaturanzeige. Seitdem bin ich zwei 80 km-Touren gefahren, zuletzt bei ca. 20°C Außentemperatur. Dabei lag die Öltemperatur um die 80°C, bei Vollgasabschnitten ging sie rauf bis fast 90°C. Zwei KFZ-Meister haben mir unabhängig voneinander eine max. Öltemperatur in der Ölwanne von 110°C genannt. Ich werde also sehen, wie sich die Öltemperatur bei höheren Außentemperaturen verhält und bin ganz zuversichtlich, ohne Ölkühler auszukommen.


    Was den Kühlmittel-Temperaturgeber betrifft, so ist dieser noch der erste (Baujahr 78) und er wurde von VDO geliefert. Scheinbar funktioniert der noch ganz gut. Ich habe auch gelernt, dass diese Geber mit einem Widerstandsdraht arbeiten, und nachdem in 1978 von deutschen Firmen wohl noch überwiegend „Wertarbeit“ geliefert wurde hat der eben bis jetzt durchgehalten. Mal sehen wie lange noch.


    Das also als Überblick. Ich wollte Euch gar nicht die vielen Details berichten, die mir bei dieser Aktion widerfahren sind, aber jetzt muss ich die einfach loswerden: Die zwei Schrauben vom Thermostatdeckel sind gleich beim Ausbau abgebrochen (waren von M6 runtergerostet auf ca. 5 mm Außendurchmesser, da hatte ich doch gleich ein Zollgewinde vermutet; wie sich später rausstellte war es aber doch einmal M6 gewesen). Einen Stumpf bekam man noch so heraus, den anderen hab ich ausgebohrt und das Loch mit einem Gewindeeinsatz versehen. Den hab ich von Hazet, ein Kumpel mit Autohaus und Oldiesammlung meint aber dass bei Gewindereparatursätzen Helicoil einfach unschlagbar sei.


    Bevor ich aber die Kühlwasserbrücke draußen hatte sollten erst einige Tage vergehen: Eine der vier M8-Inbusschrauben verlor den Kopf, die Schraube war mit der Kühlwasserbrücke regelrecht verwachsen. Mit vielen Tricks hab ich die Kühlwasserbrücke erst vom Schraubenstumpf und dann von beiden Zylinderköpfen losbekommen. Das war alles richtig verwachsen und verklebt. Den Schraubenstumpf im Zylinderkopf musste ich schließlich ausbohren, selbst Mutter aufschweißen half nix, der saß bombenfest. Sechs Tage war ich mit diesem Thema beschäftigt, da wird einem ganz anders. Wenigstens ist jetzt auch alles wieder dicht.


    Aber das Beste kam dann bei der anschließenden Probefahrt von ganz anderer Seite: Hinten links hat sich das Druckschloss der Handbremse aufgelöst und hat das Rad blockiert, mit einem Knall kam mein guter alter 928 zum Stehen, zum Glück in einer 30er-Zone kurz nach dem anfahren. Da hab ich vielleicht erst blöd geguckt, aber recht schnell war die Ursache gefunden, vor Ort also alle Handbremsteile ausgebaut und weiter gings ohne Handbremse. Weil so konnte man den Wagen nicht einmal mehr ziehen oder schieben, das hat gleich voll blockiert, und zwar vorwärts und rückwärts! Später stellte sich heraus, dass auf der rechten Seite auch schon ein Teil abgebrochen war….
    Wahrscheinlich gehören solche Aktionen dazu wenn man einen 928 fährt, inzwischen bin ich da aber echt stolz drauf so was wieder hinzukriegen.
    Fazit: Vielleicht solltet Ihr bei Gelegenheit einmal Eure hinteren Bremsscheiben ausbauen, die Handbremsmechanik einmal gründlich mit Bremsenreiniger abduschen (ist bestimmt Asbest mit bei!?) und dann genau unter die Lupe nehmen ob da nicht auch was abgebrochen ist. Weil wenn so was mal bei voller Fahrt passiert, egal ob auf Autobahn oder Landstraße, dann könnt Ihr Euch die Folgen selbst vorstellen. Ich werde jedenfalls bis auf die Beläge, Handbremsseile und Nachstellmechanik alles erneuern. Bei der Neuteilbestellung im PZ habe ich dann auch festgestellt, dass die im Werkstatthandbuch einzeln aufgeführten Teile Drucklasche, Gelenkbolzen und Betätigungshebel inzwischen zu einer Einheit namens „Druckschloss“ zusammengefasst sind. Hoffentlich halten die dann besser.


    Viele Grüße


    Andreas

  • HEI Andreas,
    wie hast Du die Scheibe runterbekommen bei blockierter Handbremse??
    Gruss
    Gordon

  • Hi Gordon,


    Rad runter, Bremzange ausgebaut, die zwei Kreuzschlitzschrauben der Scheibe rausgedreht und einfach die Scheibe abgenommen. Das Rad hat auch nicht fix blockiert, man konnte den Wagen noch ca. 20 cm hin- und herschieben, erst dann hat es lautstark blockiert. Die Teile waren also nicht gefressen / miteinander verquetscht, sondern noch etwas lose. Ging also ganz einfach, hab wohl Glück im Unglück gehabt.


    Viele Grüße


    Andreas