Kette rechts - Der Bike-Fred im PFF

  • Nach zwei Anläufen (Himmel war mehr als bedeckt) heute nur 70km und 1.000hm genussgerennradelt


    und dabei meinen Leserbrief an die AutoBild sportscars gedanklich verfasst (und soeben auch an den Redakteur auf seinen Aufruf in der Ausgabe 8 / August 2019 hin per E-Mail abgesendet)


    Lieber Herr Bernt,


    der interessante Aufruf zur Lesermeinung spricht mich überaus an, denn auch in meiner Brust schlagen zwei Herzen. Seit über 25 Jahren fahre ich ambitioniert Rennrad (ca. 6.000-8.000km/p.a.) und seit gut zehn Jahren auch Porsche. Zudem lebe ich meinen beruflichen Traum mit Anstellung bei einem Automobilhersteller.



    Aktuell stehen vier Stück 2- und 4-türige Porsche in unserer Garage. Darunter auch ein 997.1 GT3.

    Dieser ist in 2015 bewusst als non-Clubsport angeschafft worden, um - wie auch im 84er Carrera - das
    Rennrad hinter den Sitzen in die Alpen transportieren zu können. Was gibt es Schöneres, als die Pässe in Vorfreude auf die Abfahrten erst per Muskelkraft zu erklimmen, um sodann die auf-und-ab-Kurven im Sportwagen zu räubern?


    Als ehemaliger Triathlet (Anfang der 90er Jahre in der Bundesliga Nord auf der Olympischen Distanz und
    nachgelagert auf der Mitteldistanz) erinnere ich mich an eine Zeit zurück, in der wir in der Mannschaft beim Rennradtraining glücklicherweise nicht eine einzige gefährliche Situation mit riskanten Überholmanövern motorisierter Verkehrsteilnehmer erleben mussten.


    Auch als Fahrradkurier während meines Studiums, bin ich in der aus Sicht der Verkehrsplanung zur damaligen
    Zeit als ausnahmslos Auto freundlich zu bezeichnenden Stadt Hannover, nicht ein einziges Mal in einen nennenswerten Unfall mit körperlicher Versehrtheit und/oder größerem Schaden an meinem Fahrrad verwickelt gewesen.


    Meine berufliche Laufbahn hat mir das Glück beschert, Projekte in Summe in 16 Ländern zu bearbeiten, die
    unter sozioökonomischen Gesichtspunkten wie auch mit Hinblick auf die Verkehrsplanung und den Fahrradfahrmöglichkeiten zum Teil als Schwellenland bezeichnet werden können. Zudem habe ich der Karriere
    Willen über mehr als fünf Jahre meinen Lebensmittelpunkt zum Leben und Arbeiten in den Mittelmeerraum und nach Asien verlegt. Zusammenfassend bin ich dankbar, auf einen global footprint zurückblicken zu können, der mir die unterschiedlichsten Einblicke in andere Verkehrsdichten, - verkehrsregeln und den Umgang der Verkehrsteilnehmer in den unterschiedlichsten Kulturen untereinander ermöglicht hat.


    Als ich jedoch Ende 2010 aus dem Ausland zurück zog, um im Ländle meine Wahlheimat zu finden, erfuhr mich innerhalb von nur vier Jahren nicht nur mehrfach der Schreck, wie sich das Verkehrsbild und -verhalten vieler Autofahrer im Vergleich zu meinem Wegzug aus Deutschland zum Schlechteren gewandelt hat. In 2011 und 2014 bin ich von Autofahrern bei riskanten Überholmanövern trotz Gegenverkehr bzw. an uneinsehbarer Gefällestrecke derart in den nicht befahrbaren Seitenstreifen der Landstrasse abgedrängt worden, dass zwei defekte Trainingsrennräder
    und zwei Operationen der rechten Schulter das Ergebnis waren.


    In Zeiten in denen das Blinken z.B. beim Verlassen des Kreisverkehres oder beim Abbiegen in eine Strasseneinmündung aus der Mode gekommen zu sein scheint, Pkws an Kreuzungen in den fließenden Verkehr einmünden und dabei das Vorfahrtgebot trotz erkennbarem Verkehr in ca. 50m Entfernung massiv verletzen, in geschlossenen Ortschaft gehupt wird, wenn man nicht mit einer Geschwindigkeit von mindestens 60km/h fährt, Lichtsignalanlagen bestenfalls nur noch als lästige, fakultative Verzögerungsmöglichkeit angesehen werden, überwiegend jedoch beim Signalwechsel eher beschleunigt wird, „um es noch rüber zu schaffen“ (schlimmstenfalls fährt man gar noch „drüber“ selbst wenn es beim Vordermann schon „rot“ zeigt), in diesen Zeiten bin ich als Verkehrsteilnehmer, in dessen Brust eben auch das Herz des Rennradfahrers schlägt, nicht länger gewillt, wort- und tatenlos zuzusehen.



    Im Gegenteil, in vorbenannten Situationen selbst im Pkw sitzend, denke ich mir zwar nur meinen Teil und hoffe bei er Beobachtung der StVO-Verstöße meiner Vordermänner und -frauen, dass nichts passiert, weil ich mich von Blech und Airbags umgeben, in relativer Sicherheit wähne.


    Bei Porsche-Ausfahrten mit Clubmitgliedern oder Kollegen der Betriebssportgruppe, nehme ich mir das Recht raus, meine Beobachtungen zu den Überholmanövern meiner Vordermänner immer dann sachlich zu kommentieren, wenn ich meine, dass Radfahrer auf der Landstrasse mit nicht adäquatem Sicherheitsabstand von „one point five“ von ihnen überholt worden sind. Dabei werbe ich für Verständnis im Sinne von „share the road“ und schildere meine Erfahrungen, wie es sich anfühlt, mit 70km/h-Überschussgeschwindigkeit auf dem Rennrad überholt zu werden.


    Es ist nämlich ein Leichtes auch als Freund des sportlichen Autofahrens in den zweiten oder dritten Gang zurück zu schalten, wenn man mangels Überholmöglichkeit die Geschwindigkeit derart vermindern muss, um hinter den zu überholenden Radfahrern so lange zu bleiben, bis sich eine gefahrlose Möglichkeit des Überholens ergibt. Auch das Herausbeschleunigen aus den unteren Gängen und dem Lauschen des damit einhergehenden Motorenklanges kann im Sinne des sportlichen Autofahrens mehr befriedigen, als zu jeder Zeit den Rennfahrer auf der öffentlichen Strasse zu mimen.



    Wenn ich alleine mit dem Rennrad Ausfahrten unternehme und dabei insbesondere in geschlossenen Ortschaften unangemessen von Pkws überholt werde, kann es passieren, dass ich durch entsprechende Handzeichen, den/die Überholende(n) zum Anhalten einlade, um auch mit ihm/ihr ein um Verständnis werbendes Gespräch zu führen. Wenn die Gegenüber Jünger der „tief-breit-laut-langam-Fraktion“ sind, ist es zu meinem Bedauern schon passiert, dass das Gespräch abgebrochen werden musste. Ich habe jedoch auch schon ältere Semester dankbar sagen hören, dass sie sich der Thematik des geringen Abstandes beim Überholen bis dahin gar nicht bewusst gewesen seien und dass sie Besserung geloben.



    Auf dem Rennrad in der Gruppe mit Kollegen und mithin mit Zeugen fahrend, greife ich seit jüngstem Vorfall im Winter 2018/2019 auf folgende Antwort auf rücksichtslose und gefährliche Überholmanöver von Pkws zurück:

    • Ruhe bewahren, besonnen Geschwindigkeit bis zum Stillstand reduzieren
    • dabei Kennzeichen, Automarke – und Modell sowie Farbe merken
    • idealerweise Geschlecht des Fahrzeugführers erkennen
    • genaue Stelle des Vorfalls merken
    • zu Hause Google-Maps-Ausdruck der Stelle (inkl. Strassenbreite) erstellen
    • mit Ausdruck, Strassenbezeichnung, Datum und Uhrzeit zum Vorfall zeitnah zur zuständigen Polizeiwache gehen und Anzeige erstatten.



    Für mein Karma und meine geistige Hygiene hat es sich als probat erwiesen, die Klaviatur der unterschiedlichsten Antworten auf die Herausforderungen zu nutzen, nur gefallen lassen muss man sich als Rennradfahrer genau so wenig, wie man glauben sollte, dass einem die Strasse als Rennradfahrer oder Freund des sportlichen Autofahrens alleine gehört.



    Besonders gerne erinnere ich mich auch an schöne Erlebnisse wie dieses, wenn motorisierte und nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer miteinander kommunizieren und feedback geben bzw. achtsam miteinander umgehen. So bin ich vor ein paar Wochen von einem Lkw auf einer Landstrasse nahe meiner Haustür mit sehr großzügigem Seitenabstand zu mir auf dem Rennrad überholt worden. Daraufhin habe ich deutlich sichtbar und langanhaltend den linken Daumen nach oben gereckt. Der Lkw-Fahrer vor mir muss das wahrgenommen haben und hat zum Dank mittels Warnblicksignal „geantwortet“.



    In diesem Sinne, wünsche ich allen Lesern weiterhin viel Spass beim Lesen dieser schönen Zeitschrift, am sportlichen Autofahren und eine kleine Bewußtseinserweiterung mit Darlegung des Perspektivenwechsels aus Sicht der zwei Rennrad- und Porschefahrerherzen in meiner Brust."



    Nun bin ich gespannt, ob und wenn ja welchen Auszug die Redaktion veröffentlichen wird genau so wie ich mich auf eure Resonanz freue.


    - Was sind eure worst und best case Erlebnisse?

    - Wie seid ihr damit umgegangen?

    - Was macht das mit euch hinter dem Steuer und am Rennradlenker?


    EDIT:

    Echt schade, dass es hier die Textformatierung eingenmächtig so "zerschießt" und ich das nicht besser hinbekomme...

    Beste Grüße
    Henning

    Edited 2 times, last by Henning74 ().

  • Toller Text, den ich voll unterschreiben würde.

    Dennoch wollten wir genau diese Thematik aus dem Fred hier lassen.

    Gibt nur böses Blut.

    VW T6 California Beach Edition indiumgraumetallic

    Mercedes Benz GLC 220d 4Matic diamantsilbermetallic
    Fiat Panda Twinair 4x4 cappucinobeige
    Basso Diamante Super Record, Simplon Kiaro Dura Ace, Simplon Cirex 29 XT, Specialized Vado 5.0, Scott Spark ERide 930


    "Glaube denen, die die Wahrheit suchen und zweifle an denen, die sie gefunden haben." (Andre Gidé)

  • Grüße vom Cayman-Tuner


    Es gibt nicht wenige Porsche-Kenner, die den Cayman für den pursten, echtesten Porsche halten. Sie meinen, dass er heute genau jene Rolle spielt, die der groß, breit und schwerer gewordene 911er vor 20 o. 30 Jahren einnahm.

  • Grüße vom Cayman-Tuner


    Es gibt nicht wenige Porsche-Kenner, die den Cayman für den pursten, echtesten Porsche halten. Sie meinen, dass er heute genau jene Rolle spielt, die der groß, breit und schwerer gewordene 911er vor 20 o. 30 Jahren einnahm.

  • Wohlbehalten wieder zurück.

    Eine tolle Tour durch 6 Kantone, 850km, 9500 Hm, null Defekte oder Probleme, kein Tropfen Regen.

    War sicher nicht nicht der letzte Urlaub auf diese Art.

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    "Glaube denen, die die Wahrheit suchen und zweifle an denen, die sie gefunden haben." (Andre Gidé)

  • Speci macht Ernst in Sachen E-Renner


    https://granfondo-cycling.com/…-turbo-creo-sl-e-rennrad/

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    "Glaube denen, die die Wahrheit suchen und zweifle an denen, die sie gefunden haben." (Andre Gidé)

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