Tuningtest aus VW-scene

  • Wie hilft man einem 60 PS-Polo auf die Sprünge? Zwei Tage auf dem Prüfstand und 31 Leistungsdiagramme später wissen wir nun, was Auspuffanlagen, Hochleistungszündkabel, Luftfiltereinsätze und vor allem Chip-Tuning bringen.


    Dieser Test kann und will nicht mehr sein, als eine Momentaufnahme. Manch ein Tuningschritt, den wir hier gemacht haben, brachte uns gerade mal 0,1 kW weiter und lag damit im Bereich der Messtoleranz, doch haben wir im Verlauf des Tests feststellen können, dass Chiptuning an einem kleinen Saugmotor nicht immer so ergiebig ist, wie sich das die Fahrzeugbesitzer wünschen.


    Nach jedem Umbauschritt an Motor und Auspuff haben wir die Chips von dbilas, SKN, Mawa und den Serienchip der Reihe nach ins Steuergerät gesteckt und die Leistung gemessen. Schnell stellte sich der SKN als der Stärkste heraus. Im Folgenden sollen deshalb er und der Serienchip in erster Linie als Vergleichsgrundlage dienen.


    Als Testobjekt wählten wir einen serienmäßigen Polo Open Air des Baujahres '96 mit 1,4 Liter-Maschine und 75.000 Kilometern auf der Uhr. Die Erstmessung ergab, dass der Polo schon ab Werk 65,8 PS unter der Haube hatte. Ihn wollten wir nun immer weiter aufrüsten. Gemessen haben wir auf dem Prüfstand der Firma Tafel in Wetter an der Ruhr. Erste Runde: Tuning-Chips am Serienmotor ohne Änderungen. Dbilas lieferte uns zwei Chips zu je 650 Mark, einen für den Serienmotor, einen für geänderten Ansaug- und Abgastrakt.


    Chip 1 brachte es auf 68,6 PS, Chip 2 auf 68,7 PS bei Drehmomenten von 124,7 und 127,7 Nm. Mehr Leistung hatte Mawa mit 69,6 PS, aber nur 126 Nm. SKN trumpfte mit 70,6 PS und 128,3 Nm auf. Fünf Mehr-PS, die den Kunden 590 Mark kosten. Alle Chips brachten also mehr als das Serienprogramm auf dem unveränderten Serienmotor. Die Drehmomentkurve zeigte höhere Werte gerade im unteren Drehzahlband.


    Im nächsten Schritt änderten wir den Luftfilter. Mit dem K&N-Einsatz für 129 Mark brachte es schon der Serienchip auf 68,6 PS und 129,8 Nm statt 65,8 PS und 118,9 Nm im Originalzustand. SKN schaffte es auf 71,1 PS und 134 Nm. Mawa und dbilas zeigen ebenfalls bessere Werte als der Serienchip.


    Im nächsten Tuningschritt tauschten wir zusätzlich zum Filter Zündkabel und -kerzen. Hochleistungskabel von Nology mit den empfohlenen Beru-Zündkerzen brachten uns aber erstmal nicht weiter: Alle Chips zeigten danach deutlich schlechtere Werte als zuvor. Erst durch die Verwendung von Spezialzündkerzen des tschechischen Herstellers Brisk kamen wir wieder annähernd auf das alte Niveau. Zumindest in diesem Stadium des Tuning scheint sich die Investition für Kabel und Kerzen nicht zu lohnen. Dennoch entschieden wir uns dafür, beide zunächst im Test zu halten.


    Weiter optimieren wollten wir den Motor im nächsten Schritt dadurch, dass wir die Einspritzventile reinigten. Die setzen sich im Laufe der Zeit gerne mal zu und wanderten deshalb ins Ultraschall-Bad. Tafel ist einer der wenigen im Ruhrgebiet, die sich so ein kostspieliges Reinigungsgerät leisten. Das Ergebnis: Starke 136,5 Nm und 72,1 PS mit dem SKN-Chip gegenüber dem bisherigen Bestwert vor der Ventiloptimierung mit 71,1 PS und 134 Nm. Kostenpunkt für die Reinigung: 260 Mark.


    Ölzusätze, die die Leistung positiv beeinflussen, hatten wir bisher ins Reich der Legende verwiesen. Aber Gerd Tafel und sein Team schwören auf eine MATHY" genannte Flüssigkeit, die sie auch in ihren Rennkäfern seit mehreren 10.000 Kilometern einsetzen. Für etwa 60 Mark flossen 0,4 Liter der trüben Brühe in unserem nächsten Aufbaustadium" in den Motor. Was im besten Falle (SKN) nochmal 1,1 PS und schmale 0,1 Nm bringt.


    Bevor wir uns dem nächsten Schritt, den Auspuffanlagen widmeten, sollte noch die Frage geklärt werden, ob Nology-Zündkabel und Brisk-Zündkerzen für zusammen immerhin 572,57 Mark wirklich was bringen. Statt ihrer bauten wir wieder Serienkabel und -kerzen ein, was uns ein Leistungsminus von 0,7 PS und 3,4 Nm bescherte. Ein Effekt, der für die roten Kabel mit Spezialzündkerzen spricht, ist also in der Ausbaustufe K&N-Luftfilter, gereinigte Düsen und Ölzusatz gegenüber vorher durchaus messbar. Ob dieser Effekt allerdings 570 Mark wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.


    Bei der Rückrüstung zerbrach übrigens der dbilas-Chip. Weitere Messungen entfielen daher. Dass der Chip bis zu diesem Zeitpunkt immer etwas schwächer war als die Konkurrenz, führt die Firma darauf zurück, dass wir Normal-Benzin verwendeten und nicht das empfohlene Super plus. Beim Thema Auspuffanlagen haben wir uns stark eingeschränkt und am Ende nur drei ins Testprogramm aufgenommen. Eine vierte Auspuffanlage schickten wir sofort zurück, da sie den Endkunden zwingt, seinen Originalauspuff an einer Stelle durchzusägen, die VW nicht vorgesehen hat. Das hielten wir im Hinblick auf eine Rückrüstbarkeit für nicht angemessen.


    Testaspirant eins stammte von Sebring. Erfreut haben uns die außerordentlich gute Passform, der Edelstahl unterm mattschwarzen Lack, die drei Jahre Garantie und der relativ günstige Preis von 635 Mark. Optik ist Geschmackssache, der Sound auch für feine Ohren in Ordnung. Allerdings klaut" er etwa 1,3 PS und 4 Nm durch die Bank mit allen gemessenen Chips. Ähnlich verhält es sich mit dem etwas teureren Lazer-Endtopf. Auch er nimmt etwas Leistung, passt aber gut und hat Klang. Dass die Reduzierhülse am Test-Topf fehlte, ist zwar Anlass zur Reklamation im Einzelfall, aber kein Manko des Auspuffs an sich.


    Der Exot im Test war der Borla-Auspuff. Borla ist eine amerikanische Firma, die man eigentlich aus dem Dragster-Bereich kennt und die uns einen handgeschweißten Prototypen zur Verfügung stellte. Die Edelstahl-Anlage gibt es nur komplett ab Kat zum Preis von 1.700 Mark mit TÜV-Gutachten (Sebring und Lazer legen eine ABE bei). Der zunächst allein montierte Endtopf brachte bei allen Chips marginal mehr Leistung und Drehmoment. Das beste Ergebnis im Test überhaupt erzielten wir allerdings mit der kompletten Anlage ab Kat: 75,2 PS und 137,3 Nm mit dem Serienchip und 74,7 PS und 139,4 Nm mit dem SKN. Bleibt es beim Serienchip, kostet das von uns durchgeführte Tuning 2.592,57 Mark, mit dem besten Tuning-Chip von SKN 3.182,57 Mark.


    Letzterer verblieb genauso im Polo wie der Borla-Auspuff, die Nology-Kabel, Brisk-Zündkerzen und der K&N-Filter. Laut Besitzer Mario Gerken läuft der Wagen nun 180 km/h statt 160 und beschleunigt wesentlich temperamentvoller als vorher.
    Also doch alles Chip-frisch.


    Thorsten Elbrigmann
    Vielleicht für den ein oder anderen interessant besonders das mit dem sportauspuff


    Grüsse Frank

    Grüsse
    Frank





    " Leben und Leben Lassen "

  • Hi


    Der Bericht war jetzt mal sehr intressant.Also bringt ein Chip doch was bei einem Saugmotor.Man muss nur noch die richtige Fa. finden :D .
    Schade das sie keine Fächerkrümmer getestet haben


    MFG

  • Klar, dass man bei einer Literleistung von 43PS noch mehr Spielraum zum tunen hat. Bei einem 944S2 mit einer Literleistung von 70PS nur mit einem Chip mehr rauszuholen ist dagegen nahezu unmöglich.
    Gruß
    Wolfgang

    Wolfgang
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    '89 944S2 (ehemals)
    '93 968 CS
    '06 Cayman S