Unsere Ausfahrt zu dritt!

Schon länger hatten wir es uns vorgenommen, einmal ein Treffen zu organisieren, um ein wenig 'Benzin' zu reden und es natürlich auch in seine Bestandteile zu zerlegen.


Am 17. August 2009 war es dann soweit. Martin und Michael kamen mit dem 997 Cabrio und dem 997 S Cabrio nach Steinfurt, um dem 997 S Cabrio von Wolfgang einen Besuch abzustatten.


Gegen 14 Uhr sollte es sein und es war nicht zu überhören, dass da aus der Ferne zwei Porsche etwas forsch in meine Straße einbogen. Die Nachbarn machten vorsichtshalber schon mal die Fenster zu, sollte das Kind doch noch ein wenig schlafen. Herzliche Begrüßung und die Stimmung stimmte, kannten wir drei uns vorerst doch auch nur über das Forum.


Nach ein paar Stück Kuchen und dem Kaffee meldete sich der linke Arm und griff ganz unbewusst zum Schlüssel, wollte sagen, Zeit für die Ausfahrt. Das Münsterland bietet sich an, zum Cruisen zu zweit, aber auch alleine ohne Beifahrerin. Vielleicht besser so, denn nicht jede Beifahrerin möchte die nächste Kurve mehr aus der Perspektive der Seitenscheibe genießen (na, übertreibe ich da nicht ein wenig?)


Drei Porsche vor der Tür, ein schönes Bild, fast wie im Porschezentrum (PZ). Langsam setzt sich der Konvoi in Bewegung, mein Auto ist noch kalt, da bin ich auch noch nicht bereit für Schandtaten.
Also erstmal gemütlich warm fahren. Die ersten Reaktionen der ersten Sonntagsspaziergänger: Oh, guck mal, drei Porsche. Irgendwie gut erkannt. Wir fahren weiter. Wetter gut, Stimmung gut, das Auto wartet auf die Zustimmung. Langsam, denke ich, Martin hat 'nur' 325 PS und Michael und ich 355.


Unsinn, stellt sich schnell heraus. PS sind nicht alles, wer sie fährt bestimmt und so geht es nach einigen Kilometern und geeigneten Öltemperaturen los.
Ich gebe Gas. Die ersten Kurven noch etwas vorsichtig. Klasse, wie das Auto durch die Kurven pfeilt. Nun bin ich nicht Schumi und will es auch nicht werden, aber Michael und Martin hängen mir am Heck, gebührender Abstand, aber stetig.


Im Rückspiegel sehe ich Michael grinsen. Ich nehme an, dass es nicht die Heckansicht meines Autos ist, sondern die Art und Weise, wie unser Konvoi die Kurvenhatz durchsteht. Bauer Piepenbrock traut seinen Augen nicht und fährt sein Fahrrad vorsichtshalber schon mal ganz rechts an die Straße.


Es muss ein toller Anblick sein, drei verrückte Porschefahrer auf dem Weg nach Irgendwo, aber vielleicht finden es auch nur wir drei gut, was wir da machen. Natürlich, wir wollen nicht die Straßenverkehrsordnung auf den Kopf stellen, aber einen Porsche fährt man einfach nicht zwischen Dorf A und B mit 50 um die Kurve.


Der Rausch der Geschwindigkeit oder besser, der Porschevirus setzt uns zu. Was sollen wir machen, Beruhigungspillen schlucken? Nix da, sonntags um halb drei fährt man schon mal etwas forsch, sind Oma und Opa in ihrem Mercedes doch noch im Mittagsschlaf. Daraus resultiert unsere Chance, sie nicht in Angst und Schrecken zu versetzen.


Unsere Autos machen Spaß, auch unsere Mehr-PS bringen nicht so viel Vorteil und das Letzte wollen wir sicher nicht aus dem Auto holen. Ich höre unsere drei Motoren kreischen, Michael und ich sind da im Vorteil, das Cabrio gibt alles ungedämpft nach vorne und wie ich später von Martin höre, war seine Position sicher die beste, wenn unsere Autos ihr Heck durch die Kurve schmeißen, begleitet vom Sound des Boxermotors.


Manchmal ein wenig übermütig, aber was soll's, soll die Elektronik denn gar nichts zutun bekommen?
Wir kommen in den nächsten Ort. Hauptstraße gesperrt, links rechts, geradeaus, wie kommt man hier denn wieder heraus? Nach einiger Zeit haben wir unseren Weg gefunden. Schon wieder Bauer Piepenbrock? Ne, war wohl sein Schwager, der da verwundert uns zwischen den Maisfeldern durchrauschen sieht.
Die Münsterländer Wahrzeichen, die Windräder, führen mich aus dem Labyrinth heraus. Gott sei Dank, da ist die feste Straße wieder.


Wir biegen ab und was wäre das für ein Hochgenuss für so einen Blitzer, im Zehntelsekundenabstand uns drei zu fotografieren, aber ich tue ihm den Gefallen nicht, übrigens, ab 255 km/h funktioniert der Kasten nicht mehr.


Wir sind vorbei, nächste Abbiegung und weiter geht die Hatz. Es ist wenig Verkehr, ein paar Mutige stellen sich uns, aber die geballte Kraft der sechs Zylinder kennt kaum Gegner.
Ich nehme etwas Gas zurück, mein Verbrauch liegt inzwischen bei 16.6 l/100 km. Na ja, nicht jeder Sonntag ist ein Rallye-Tag. Stück für Stück nähern wir uns dem Ausgangspunkt.


Auf der letzten Geraden noch einmal voll dabei, das Auto hat doch eine Seele, wohl eine schwarze, es fährt wie der Teufel. Wir biegen in unsere Straße ein, die Nachbarn müssen ungewohnt dreimal den Kopf verdrehen, welch eine Zumutung. Da stehen sie wieder, leises Knacken, ein Geruch von Öl, Kupplung und Auto legt sich um uns, grinsend stehen wir beieinander.


Das war Klasse, Martin und Michael und auch ich, wir sind uns einig. Gut, nicht gerade umweltbewusst und auch nicht immer laut StVO., aber niemand hat's gesehen. Wir sind noch einmal davon gekommen, nein, das wäre übertrieben, wir haben nur das getan, was schon Porsche immer gepredigt hat: Er muss schießen! Sollen wir diesem alten Herren da nicht Recht geben?
Es war ein toller Nachmittag. Die Nachbesprechung verläuft positiv. Wir müssen das wiederholen.
Es war ein Supergaudi, Dank an Martin und Michael.


Bild und Text : W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang



Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.