Mit Herz und (fast) ohne Kopf

Hallo Gemeinde,


mein Vater hat mir letztens eine Mail geschrieben über eine Uhr die er sich zulegen möchte. Nach einigem hin und her hat er so euphorisch von der Uhr gesprochen, dass ich doch stark annehmen musste, er hatte sich innerlich schon für den Zeitmesser entschieden und versuchte nur noch den Kauf vor sich und der Welt zu rechtfertigen. Als verantwortungsbewusster Sohn hab ich ihn natürlich sofort schnippisch drauf hingewiesen dass diese Euphorie stark seine Verhandlungsposition beim Händler schwächen würde. Was daraufhin zurück kam möchte ich euch nicht vorenthalten, denn es hat mich gleichzeitig zum schmunzeln gebracht, in Erinnerungen an einen der schönsten Tage schwelgen lassen und nachdenklich gemacht:


„Ahaahaaha, ich kenn da jemand, der stand im Sommer vergangen Jahres sabbernd, der Inkontinenz nahe und unverständliche Silben brabbelnd in einem PZ irgendwo in Deutschland an so einem schwarzen Reptil- Blechhaufen und glaubte auch, in einer guten Verhandlungsposition zu sein. Man hat ihn dann, nach Extraktion seiner Kohle, in selbigen gesetzt, angeschoben und nach Bayern in seine Heimat entlassen, wo er bis heute entrückt durch die Landschaft tappt und ein debiles Grinsen aufweist, dz,dz,dz!“


Gut, Lektion gelernt, beim Thema „Vernunft und Kauf“ kann ich den moralischen Zeigefinger nicht wirklich heben.


Da unsere werten Autos ja alle aus einer mehr oder weniger ausgeprägten Spinnerei heraus bei uns in der Garage stehen, stellt sich mir die Frage in wie fern wir uns nicht alle selbst betrügen, wenn wir sachlich Beschleunigungswerte vergleichen, Gewichtsreduktionen bestaunen oder den Werterhalt eines solchen Premiumautomobils preisen. Im Grunde haben wir uns doch schon für das Auto entschieden, lange bevor man besagtes PZ zur Preisverhandlung betritt. Wir entscheiden uns für Träume auf vier Rädern ganz emotional und für uns allein. Wenn man dann mit dem Partner/Freunden/etc. drüber spricht argumentiert man mit ganz sachlichen Fakten. Dabei werden aber weniger die Vorzüge des neuen Autos vor den Freunden gepriesen sondern vielmehr die emotionale Entscheidung vor der eigenen Vernunft nachträglich gerechtfertigt. Nach dem Motto Herz zu Kopf „Sorry Kumpel dass ich die Entscheidung ohne dich getroffen hab, aber so schlecht war das gar nicht, hier sind die Fakten“.


Und wenn man dann in die Tiefgarage geht, als erstes die Fenster des Cayman öffnet (ja kein Dezibel verpassen), den Schlüssel umdreht und langsam aus der dunklen Höhle in die Sonne brabbelt, dann wird der Kopf auf einmal ganz still und lauscht den Frequenzen des Boxers.
Aber würde dabei nie zugeben, dass das Herz hier doch irgendwie recht hatte…eingebildeter Kerl! :still:


In diesem Sinne,
Andi

Ich bin froh ein Spinner zu sein - Leben ohne Kompromiss