Der Typ

Du bist nicht mein Typ.
Diese Antwort hat uns damals im Rahmen der allgemeinen Partnersuche überhaupt nicht gefallen.
Was heißt schon ‚TYP’?
Immer dasselbe war zu hören, groß muss er sein, treu, schlank, ehrlich. Tanzen können wäre von Vorteil. Aber wer konnte das alles schon erfüllen, das weibliche Geschlecht suchte nach dem idealen Gen-Verlängerer.


Gut, einfach so weggeben wollten wir uns Männer denn auch nicht, auch nicht einfach so auf der Tanzfläche.
Ich konnte schon einem großen Teil der weiblichen Wunschliste genügen, schlank, blond, groß, man kennt das ja. Ich sah aus wie eine Hundehütte, in jeder Ecke ein Knochen. So gelang es mir denn auch, dem Freund so manche neue Flamme auszuspannen. Unverschämt!


Die Zeiten haben sich beruhigt, es gibt nichts mehr auszuspannen, eher schon mal sich selbst nach dem Essen auf dem Sofa.
Die Typ-Frage hat sich zwangsläufig verlagert, aber die Kriterien sind geblieben oder haben sich noch vermehrt. Als die Kinder klein waren, gab es den Typ Kombi und damit der Standard erhalten blieb, einen Mercedes Typ 123, 230TE.
Als der Platz nicht mehr ganz so entscheidend war, war die Limousine dran.


Jetzt sind die Kinder aus dem Haus und der Typ Freizeit muss her. Natürlich ein Cabrio und damit denn auch die Typenfrage nicht an späteren Diskussionen wieder aufflammt, gleich das Traum-Cabrio von Porsche.


Also die Typenfrage hat sich durchaus auch bei den Herstellern nicht erledigt. Den Überblick habe ich inzwischen verloren.
Mercedes schwört auf die Typen A, B, C, E, G, M, R, S usw.
BMW verkauft am Liebsten 1er, 3er, 5er, 6er, 7er, X3, X5, X6, Z4, M.
AUDI lässt sich gerne einen A1, A2, A3, A4, A5, A6, A8, Q5, Q7, TT, R8 abschwatzen.
Peugeot findet den 107, 206, 308, 407, 607, 807 usw. schön und von einem 901 ist nichts zu sehen.
Wie gut, dass Porsche daraufhin den 911 kreiert hatte.


Apropos Porsche, irgendwann vor Jahren war man sich einig darüber, es gibt nur einen Typen, den 911er, der erhalten werden muss.
Aber es gab da noch den 912, 914, 924, 928, 944, 968 usw. Auch sie waren echte Porsche, jeder ein ernstzunehmender Typ.
Und seit neuester Zeit wird die Typenpalette ununterbrochen erweitert.
Der Cayman, der Boxster, der Cayenne, und ganz neu der Panamera verlängern die Reihe bald ins Unübersichtliche.


Es gibt Leute die sagen, sie haben einen sehr einfachen Geschmack, von allem nur das Beste.
Nein, der Typ bin ich nicht, da fehlt es doch schon sehr am Kleingeld. Aber schließlich bieten die Hersteller alles an, was das Herz begehrt. Der Typ 3 von BMW bietet sich für jeden Geldbeutel an, vom 316 bis zum M3.
Porsche setzt da die Geschmacksgrenzen allerdings schon hoch an.


Überzeugten wir in jungen Jahren mit unseren persönlichen äußeren Attributen, so verlagern sich die Dinge jetzt mehr und mehr auf das, was uns umgibt. Jetzt entspreche ich sicher nicht gerade dem idealen Typ eines Porschefahrers, der häufig als erfolgreich, jung und dynamisch bezeichnet wird, aber ich bin der Typ Mensch, der das Leben so nimmt, wie es kommt.


Und wenn sich dann noch ein Wunschtraum erfüllen lässt, der Porsche heißt, dann soll es mir egal sein, als was für ein Typ auch immer ich gesehen werde.
Schließlich bin ich mir selbst der Nächste und keine Schreibmaschine, die nur mit der Einfältigkeit eines Typs auskommen muss.


Bild und Text : W. L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang




Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain