Wenn ich einmal reich wär...

Mein Auto stand wieder in der Remise. Ein kleiner Nachbarsjunge, vielleicht 7 oder 8 Jahre alt, hatte mich beobachtet. Trat ein wenig näher an die Zauntür heran, die ich gerade wieder schließen wollte und fragte mich ganz unverblümt: „Bist du reich“?
Etwas sprachlos, eine Attribut, das mir sonst nicht so sehr zu Eigen ist, fragte ich zurück: „wie kommst du darauf“?


Du hast doch einen Porsche, erwiderte er ganz spontan. Meine Gedanken suchten nach einer plausiblen Erklärung. Nein, du hast doch sogar zwei Porsche, setzte er nach. Ich war mir über eine plausible Erklärung nicht im Klaren. Bin ich reich, wenn ich einen Porsche fahre? Bin ich arm, wenn ich ‚nur’ einen Audi oder BMW fahre?
Er ließ nicht locker, blickte mich mit großen Augen an und wartete auf eine für ihn zufriedenstellende Antwort.
Nein, reich bin ich nicht. Wirklich reich ist jemand, der…ich geriet schon wieder ins Stocken. Der Kleine wurde gerufen und verschwand augenblicklich.


Hatte mich der junge Mann doch tatsächlich in Erklärungsnot gebracht. Ich war sogar froh, nicht weiter darüber Auskunft geben zu müssen.
Aber in den folgenden Stunden ging mir diese Frage nicht mehr aus dem Kopf.
Wann bin ich reich? Hat es mit Besitz und Geld zu tun? Hat es mit Wissen und Macht zu tun?
Nun gut. Es leuchtet ein, dass ich als reich angesehen werde, wenn ich mit dem Porsche durch die Stadt fahre. Schließlich hat dieses Teil einmal weit mehr als 100.000€ gekostet.


Ein Bekannter deutete es einmal so, du wirst als jemand angesehen, der es geschafft hat, der sich alles erlauben kann, der offensichtlich ‚reich’ ist.
Es ist wohl so. Ich werde nach meinem Äußeren beurteilt. Jeder weiß, dass ein Porsche viel Geld kostet. Besitze ich ihn, muss ich ganz zwangsläufig reich sein. Wäre es so nicht, würde schließlich jeder auf der Straße damit herum fahren.
Aber so ganz befriedigt mich dieser Gedanke noch nicht.


Ohne im Besitz eines Porsche zu sein, würde ich möglicherweise genauso schnell bei dieser Frage ins Stocken geraten.
Ich könnte jetzt darüber philosophieren, was ‚reich zu sein’ tatsächlich bedeutet.
Ganz sicher reicht da ein Porsche nicht aus, um diese Frage eindeutig zu beantworten.
Reich zu sein, kann sich nicht nur auf den Besitz einer größeren Ansammlung von Banknoten beschränken, mit dem Besitz eines Porsche erklären, oder an der Zahl der Eigentumswohnungen festmachen lassen. Wirklich reich zu sein, erklärt sich aus vielen Facetten des Lebens. Die eigene Familie tritt dabei an die erste Stelle.


Der Porsche mag mich als äußeres Zeichen als ‚reich’ outen, aber was passiert, wenn er seinen Glanz verloren hat und in die Jahre gekommen ist?
Wie sagt man so schön, das letzte Hemd hat keine Taschen. In früheren Zeiten wurde den ‚Reichen’ als Grabbeilage ihr gesamter Schmuck mitgegeben. Wohl deshalb, um in einem anderen Leben nicht nur im Hemd dazu stehen.
Wir sehen das heute anders und erfreuen unsere Nachkommen mit dem, was uns als ‚reich’ tituliert hat.
In letzter Konsequenz bedeutet mir Reichtum doch nur etwas, wenn alles was mich sonst noch umgibt, stimmig eingepasst ist. Was nützt mir das ganze Geld, wenn ich mit mir oder mit meinem Umfeld unzufrieden oder unglücklich bin.


Würde der kleine Nachbarsjunge mich noch einmal fragen, so würde ich vielleicht antworten, ‚reich zu sein, kann bedeuten, einen Porsche zu fahren. Es gibt aber sicher noch mehr Menschen, die viel Geld haben und keinen Porsche fahren.
Wenn jemand reich ist, kann ich das nicht unbedingt an seinen Autos erkennen. Es gibt noch viele andere Dinge, mit denen ich reich sein kann, oder die mich reich machen’.
Ob er das jetzt verstanden hätte? Wohl nicht in diesem Alter.
Es ist ein Privileg, einen Porsche zu fahren. Somit ist es zum Einen das erforderliche Geld, aber auch das Interesse an diesem Auto, welches vorhanden sein muss, um dieses Privileg bedienen zu können.


Ich persönlich würde mich ganz sicher nicht als ‚reich’ bezeichnen. Das würde ich an anderen höheren Grenzen festmachen.
Wenn ich einmal reich wär’, bedeutet in diesem Fall wohl nur eine Reduktion auf Äußerlichkeiten. Reich zu sein, oder sich als reich zu fühlen, sind zwei ganz verschiedene Betrachtungsweisen, wobei Letzteres mehr als Herausforderung zu sehen ist.
Ja, ich bin reich, reich belohnt durch meine Familie.


Reich zu sein, fängt mit sozialen Kontakten an und mag wohl in einem Auto enden, welches uns Allen soviel Spaß macht.


Text: W.L. :wink:
Bilder: ddp, Internet

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang




Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain