Porschevirus

Schon für den kleinen Pimpf ist es Usus, einem Porsche hinterher zu sehen. Dieses Auto steht für den Sportwagen überhaupt und der Name ‚Porsche’ ist in den Kreisen der Jungdynamiker bekannter, als jede andere Automarke und das nicht nur durch das Autoquartett.
Die Porschewerbung hat das schon lange erkannt und lässt folgerichtig den zukünftigen Porschekunden schon mal am Leder des 911er schnuppern.


Durchgängig bleibt der Blick des Heranwachsenden nur unterbrochen durch ersatzweise weibliche Proportionen am geliebten Blech des Imageträgers hängen, bis auch die finanziellen Möglichkeiten irgendwann den Gang zum PZ ermöglichen.
Der sprichwörtliche ‚Porschevirus’ schlägt augenblicklich zu, wenn die linke Hand das tote Blech in eine dynamische Fahrmaschine verwandelt.
Aber woran liegt es eigentlich, dass vor allem der linke Platz im Porsche derlei Veränderungen im Fahrer verursacht?

Ist es das unverwechselbare Design, die Klangkulisse, sind es die inneren Werte oder die Fahreigenschaften des Autos, ist es das Gefühl der Überlegenheit, der Gewinn an Image, die außergewöhnliche Historie, das relativ seltene Erscheinungsbild im Straßenverkehr, ist es nur deswegen, weil man schon immer Porsche gefahren hat, ist es die enge Verzahnung zwischen Alltagstauglichkeit und Sportwagenfeeling, steht er für die Suche nach Anerkennung, nach dem, was das Selbstbewusstsein galoppieren lässt, oder ist es von Allem ein wenig?


Nicht jeder Mensch kann mit dem zuletzt Genannten etwas anfangen. Überwiegend trifft es Männer, wenn von einem Porschevirus die Rede ist.
Haben wir vielleicht einen maskulinen Beschleunigungssensor eingebaut? Die Vermutung liegt nahe, weil wir schon zu Steinzeiten besser dran waren, wenn wir dem zukünftigen Mittagessen locker folgen konnten.


Aber nicht alles lässt sich aus unseren Urgenen folgern, in unserer schnelllebigen Zeit passt ein schnelles Auto zwar ins Gesamtkonzept unserer Gesellschaft, aber der Satz über den Porsche, „Wir bauen Autos die keiner braucht, aber jeder haben will“, beweist, das Porsche selbst mit der Eitelkeit seiner Käufer ein Spielchen treibt.
Ein Spielchen, welches wir gerne aufnehmen, aber sicher nicht als Verlierer wieder verlassen.
Ist der so genannte Porschevirus tatsächlich nur bei diesem Auto vorhanden?


Wohl kaum. Wir Deutsche sind Weltmeister in der samstäglichen Autoputzorgie und nicht nur Porsches werden besonders gut gepflegt.
Es fällt aber auf, dass laut statistischer Erhebung kaum ein anderes Auto in seiner noch existierenden Gesamtzahl in so vielen Exemplaren vorhanden ist, wie der Porsche. Dabei ist es ziemlich egal, um welchen Porsche es sich handelt, und sicher nicht nur ein 911er wird geliebt.
Wer sagt, nur dieses Gefährt erweckt Emotionen wird den Protest der gesamten Porscheschaft heraufbeschwören. Vielleicht steht ein 911er nur ein kleines bisschen weiter oben auf der Beliebtheitsskala.


Natürlich hat das alles auch mit den finanziellen Möglichkeiten zu tun, nicht jeder Fan kann sich einen Turbo leisten, oder einen 356er-Speedster in die Garage stellen.
Der Glücklichkeitsfaktor wird sich in einem älteren Boxster genauso einstellen, wie in einem GT3RS neuester Couleur.
Vielleicht wird irgendwann einmal der Wunsch nach mehr Porsche oder mehr Leistung aufkommen, aber der vorhandene Virus ist da und macht keine Unterschiede mehr in seiner Intensität.


Als Ferry Porsche 1948 mit den ersten eigenen Fahrzeugen an die Öffentlichkeit trat, war die Zeit in keinster Weise bereit für seine Autos. Zu teuer, zu exotisch, nicht geeignet für den Massengebrauch.
Er kostete ein Vielfaches des damals gerade erst von ihm entwickelten Käfers. Trotzdem waren nach kurzer Zeit seine Autos verkauft.
Man kennt die Geschichte und es wundert dann nicht, dass sogar die Amerikaner aufmerksam wurden und ganz wesentlich zum Erfolg des 356er beitrugen.
Auch in Amerika wurde er zwar als zu teuer, zu laut und zu klein empfunden, was aber dem Erfolg keinen Abbruch tat.
Was soll es sonst gewesen sein, als der Porschevirus, der auch die Amerikaner erfasste und für bedeutende Zulassungszahlen sorgte.
Nicht anders entwickelte sich die Situation beim 1963 erstmals vorgestellten 911er. Er sollte den Virus in die zweite Generation tragen und nicht weniger emotional wirken. Der mit dem 911er entwickelte 6-Zylinder klang jetzt so eindrucksvoll, dass er später zum Anlass für Streitgespräche zwischen den luft- und den wassergekühlten Motoren sorgte.


Der Porschevirus ist allgegenwärtig. Nehmen wir ihn hin als nette Ergänzung unseres manchmal ja vielleicht tristen Lebens und freuen wir uns darüber, so ein Auto besitzen zu dürfen. Denn es soll ja Menschen geben, die einfach nur damit fahren möchten, weil es Spaß macht.
Glücklich sind wir auch darüber, dass es nicht Herr Müller war, der dieses Auto entwickelt hatte, wie würde es sich denn auch anhören, wenn wir von einem ‚Müllervirus’ sprechen würden, den lassen wir mal weiter die Milch produzieren, aber bitte ohne Virus.
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Bild und Text : W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang



Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.