Ein Porsche als Wertanlage ?

Wie oft habe ich diesen wehmütigen Satz schon gehört … hätte ich ihn damals doch nur nicht verkauft, meinen ersten Porsche!
Es gab Zeiten, da fanden sich auf den Halden der Schrottplätze reichlich aus dem aktiven Dienst verabschiedete 356er, die niemand mehr interessierten.


Ein Porsche gehörte zwar immer schon zu den bevorzugten Fortbewegungsmitteln auf den Straßen, aber auch er hatte irgendwann seinen Reiz und seine Standhaftigkeit verloren und war zum alten Eisen geworfen worden.
Die Zeiten ändern sich. Schon ein paar intakte Bleche eines 356er animieren heute so manchen Oldiefan dazu, aus ihm das Objekt der Begierde zu reanimieren.


Von ‚matching numbers’ kann zwar jetzt keine Rede mehr sein, besteht der neue Freund doch aus den Überbleibseln seiner ehemaligen Weggefährten oder sogar aus dem Ersatzteillager der Blueprints der alten Werkzeuge, doch es wäre übertrieben zu sagen, dieses Fahrzeug wäre nicht sein Geld wert.


Porsche hatte damals auf jedes Blech die Fahrgestellnummer eingeschlagen und schon mit einem ausgewechselten Blech oder dem Zusammenbau aus Fremdteilen schwindet genau genommen die Originalität.
So wird verständlicherweise fast jeder Oldtimer im Laufe seines Autolebens seiner Originalteile verlustig gehen, sei es dadurch, dass der alte Lack dem Geschmack des neuen Besitzers weichen muss, oder vielleicht das Verdeck des Cabrios dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen ist.


Jetzt wissen wir aber aus Erfahrung, dass allein die Ersatzteilpreise, vor Allem die des Porsche, Höhen erreicht haben, die häufig genug zur Aufgabe der Restaurierung führen, weil ganz schnell der finanziell gesteckte Rahmen aus dem Ruder läuft.
Auch stellt sich häufig erst bei den Restaurierungsarbeiten heraus, dass das anfangs so ansprechende Äußere des Oldies nur die Fassade eines maroden Innenlebens verdeckte.


Allgemein wird gerade beim Porsche in etablierten Werkstätten auf intensive und bis ins letzte Detail ausgeführte Restaurierungsmethoden Wert gelegt, weil er sich später einerseits durch eine hohe Zuverlässigkeit auszeichnet, andererseits aber auch eben nach der Restaurierung einen sehr hohen Wert darstellt.
Deshalb ist es so wichtig, den Fortschritt der Restaurierungsarbeiten genauestens bildlich und dokumentarisch festzuhalten, um später die Historie eindeutig nachweisen zu können. Bewertungen in der Kategorie '1' erfordern Maßnahmen, die von einem Hobbyrestauratur nur schwer zu erreichen sind. Also Vorsicht bei Bewertungen in dieser Größenordnung. Ein schöner Lack ist noch lange kein Kriterium für einen sehr guten Zustand des Fahrzeuges.


Die Nachfrage nach frühen 356er oder auch nach den ersten 911er ist immer noch sehr groß und nur wenige Fahrzeugtypen aus der Oldieszene haben in den letzten Jahren so einen Preissprung nach oben gemacht, wie die Porsche.
Gute, in der Substanz akzeptable Oldtimer von Porsche gibt es inzwischen aber immer seltener.


Gerade der 356er kann wegen fehlender Versiegelung nach etwa 45 Jahren seit seiner letzten Entstehung große Probleme mit dem Rostfraß haben.
Wurde er nicht von Grund auf restauriert, oder gehörte er nicht zu den Fahrzeugen, die selten oder kaum Regen gesehen haben, wird die Freude an ihm vielleicht nicht lange währen.
Zugespachtelte und mit zweifelhaften Restaurierungsmethoden ‚wiederhergestellte’ 356er und 911er gibt es zu hauf zu Schnäppchenpreisen.
Wehe dem, der auf diese Sonderaktionen hereinfällt.
Es empfiehlt sich deshalb, auf fachkundige Hilfe zu vertrauen.


Zur Bewertung eines Oldies ist der Kilometerstand allgemein nicht wirklich von Bedeutung, weil er zum Einen sehr leicht zu manipulieren ist und bei amerikanischen Fahrzeugen der Meilen-Tacho meistens gegen einen metrischen getauscht wurde.
Motor, Getriebe und die Elektrik des Oldies lassen sich bei der Besichtigung auch nur ansatzweise als intakt feststellen.
Ein Oldie als Geldanlage? Ein zweifelhafter Deal? Nein, ganz bestimmt nicht. Ich hätte sogar mehr Vertrauen in den Werterhalt eines frühen Porsche, als in den Höhenflug des Goldpreises.


Logischerweise wird nicht nur der Porsche als Geldanlage geliebt. Hochpreisige Oldtimer findet man in großer Zahl auf vielen etablierten Veranstaltungen, wobei die Mehrzahl der Oldiefreunde wohl weniger den Wert als die Freude am Fahrzeug als Grund für ihre Kaufentscheidung nennen würden.


Schon sehr früh hatte es die Idee gegeben, den besonders gefragten 356er, den Speedster aus den 50zigern, als Replikat auf den Markt zu bringen.
Ein durchaus lohnendes Geschäft. Optisch nur vom Kenner vom Original zu unterscheiden, technisch allerdings teilweise minderwertig verarbeitet, besitzt er heute immer noch sehr viele Freunde und ist schon für rund 20.000€ günstig zu bekommen.
Aber nichts ist befriedigender, als das Original eines 356er in der Garage sein Eigen nennen zu können.


Auch der Nachfolger des 356er, der 911er aus den 60-ziger und 70-ziger Jahren, erfreut sich größter Beliebtheit.
So scheint der frühe Porsche zu den besonders gefragten Modellen in der Oldieszene zu gehören, denn gerade sein inzwischen sehr hoher Preis mag vielen Porschefreunden als Argument für einen beständigen Werterhalt dienen.


Und ganz nebenbei macht es bekannterweise auch noch sehr viel Spaß, einem Porsche die Sporen zu geben.
Da macht der Oldie-Porsche ganz und gar keine Ausnahme.



Bild und Text W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang




Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain

Porsche: (noch) kein Porsche