Assistenzwahn

Wenn ich mir die neuen und neu vorgestellten Autos der letzten Jahre so ansehe, beschleicht mich das Gefühl, dass diese für Halbinvalide ausgelegt sind. Wahrscheinlich kommt das von der demografischen Entwicklung, dass die Autos für bewegungsunfähige Grobmotoriker mit starken Sinneseinschränkungen hilfreich zu sein scheinen.
Als die Assistenzsysteme aufkamen, hatten die meisten noch einen gewisse sicherheitstechnische Relevanz: ABS, ESP, ASR. Doch was jetzt von den Zulieferern angepriesen wird, ist an sich eine Kapitulationserklärung an die fahrerischen Fähigkeiten der Kunden. Vom automatischen Einparkassistenten über Licht-, Fernlicht- und Spurhalteassistenten zu Müdigkeitsassistenten ..... nun kommen noch aktive Kamerasysteme, welche selbstständig etwelche relevanten Funktionen bedienen bis hin zum Einleiten einer Vollbremsung .... oder der Überholassistent, der angeblich abschätzen kann, ob ein Überholmanöver durchführbar ist oder nicht und dann auch selber eingreift (mit Vollbremsung).


Somit ist nun ein mit allen verfügbaren Assistenten ausgestattetes Auto durchaus geeignet, einem Mehlsack das selbstständige Fahren zu ermöglichen. Bewegen muss man sich nicht mehr können, denn demnächst drehen sich die Sitze so aus dem Auto, dass man nicht mehr wirklich einsteigen können muss, über alle möglichen Kamerasysteme wird einem eine kaum mehr vorhandene Sehfähigkeit kompensiert, der Bordcomputer übernimmt fast alle fahrdynamischen Eingriffe ...... IRobot, wir kommen!


Die Hersteller überbieten sich immer mehr mit sinnfreien Assistenzsystemen zu Problemstellungen, die man ohne diese Assistenten schlichtweg nicht hatte. Wo führt das hin? Das selbstfahrende Gefährt, welches auch nicht geparkt werden muss, wo man bei voller Fahrt im Web surfen und DVD's ansehen kann, auch Zeitunglesen würde noch gehen (wenn man denn genügen Sehstärke hat) ..... das nennt sich Öffentlicher Verkehr!


Gibt es denn tatsächlich das Grundrecht auf Individualverkehr? Es scheint so, denn die Autos werden immer mehr zu Geriatriemobilen.


Der nächste Schritt ist ja auch schon in Planung, der Einbau von Transpondern in Fahrzeugen, so dass jedes Auto genau mitbekommt, welche Fahrzeuge sich in der Umgebung denn so alle bewegen. So ist künftig ein Übersehen von anderen Fahrzeugen beim Abbiegen nicht mehr möglich, das eigene Auto fährt bei Gefahr einfach nicht los....


Schöne neue Welt!

Nach 320'000 Spiegeleiern kann die Kantine nicht so schlecht gewesen sein!
Harm Lagaay


PS: Ich heisse nicht Greetz k:thinking: