Probefahrt im Cayman

Es war mal wieder so weit. Die 120.000km Inspektion meines 997 S war fällig. Kurze Absprache im PZ, der Termin war gemacht, ein Leihwagen für die Zeit des Verzichtens geordert.
Am Montagmorgen stand der 997 am PZ bereit, der Werkstattleiter drückte mir den Schlüssel des Leihwagens in die Hand. Er steht hinten auf dem Hof, ein schwarzer Cayman, hörte ich noch im Gehen. Schön, dachte ich, den habe ich tatsächlich noch nicht gefahren.
Der Schlüssel klickte, der Cayman blinkte mir zu. Alles klar.


Mit meinen 196 cm war ersteinmal ein Einrichten der Sitzposition angesagt. Schon dabei viel mir der etwas beengte Platz auf, der mir bei meinem 997 problemlos zur Verfügung stand. Aber es passte.
Ein kurzer Blick in die Runde vermittelte mir einen soliden, aber doch eher etwas beengten Eindruck. Die Armaturen wie gewohnt, ok, es fehlen ein paar Anzeigen. Nur die Öltemperaturanzeige hätte ich gerne gesehen, da ich sehr auf ordentliche Betriebstemperaturen achte.
Egal, leichtfüßig setzt sich der Cayman in Bewegung. Sofort stellt sich ein dem Gokart ähnliches Fahrgefühl ein. Der Cayman braucht noch etwas Zeit, um eine ordentliche Temperatur zu erreichen.


Der Blick nach vorne vermittelt ein etwas anderes Bild, als ich es gewohnt bin. Mir fallen die etwas scharfkantigen Kotflügel auf, die beim 911er für meinen Geschmack wohlgeformter proportioniert sind. Auch der Blick in den Spiegel eröffnet keine neuen Perspektiven, aber irgendwie scheint mein Auge etwas zu vermissen.
Eigentlich Unwichtigkeiten, aber man merkt, wie sich im direkten Vergleich ganz schnell Unterschiede herauskristallisieren.
Langsam kommt der 'Wasserkocher' auf Betriebstemperatur. Der Gasfuß wird unruhig. Nicht ganz so spontan gehts nach vorne. Schließlich fehlen ja auch satte 90 PS, allerdings hat mein 911er auch 200kg mehr zu schleppen. Bei einem Leistungsgewicht von 5kg/PS gegenüber 4,3kg/PS sind großartige Unterschiede aber auch nicht zu erwarten.


Die Geräuschkulisse ist anders. Im gemütlichen Cruisen fast nicht zu hören, schwillt der Pegel beim Gasgeben deutlich an. Der Motor wird sehr lebendig, aber auch laut. Vielleicht bin ich etwas verwöhnt, denn ein 911er-Cabrio mit Klappenauspuff bringt schon einiges an Sound.
Der Cayman klingt eher unspektakulär, wobei ich annehme, dass die richtige Klappenanlage auch keine Wünsche übrig lässt.
Längere Vollgasfahrten, möchte ich einmal annehmen, sind dann irgendwann nicht mehr so prickelnd. Aber auch der 911er ist absolut kein leises Auto. Auf längeren Autobahnfahrten ist die Klappe des Elfers meistens zu.
Der Weg nachhause führt über die Autobahn. Gut geht er schon, der Kleine. Das Fahrverhalten ist tadellos. Nun bin ich kein Vollgasfahrer und kein Testingenieur, aber im normalen Alltag bietet der Cayman auch in der Grundversion sehr gute Fahrleistungen, die ihn vom Normal-Standard-PKW weit abheben. Souverän in allen Fahrsituationen, bei einem Verbrauch von unter 10 Litern, wie sagt man so schön 'kurvengeil' und 'fahraktiv'.


Grenzen auszuloten war nicht mein Ziel, der Cayman ist da wohl etwas besser als ich, der 911er nicht weniger.
Am Nachmittag geht es zurück. Die Inspektion ist gemacht, der Cayman, der gerade einmal 6000 km auf dem Tacho zeigt, wird seinen Freund finden. Da bin ich mir ganz sicher. Ein Auto, dessen Performance, soweit ich sie ausloten konnte, über jeden Zweifel erhaben ist.
Ein Auto, für das man als Porschefan schon mal Haus und Frau verkaufen möchte ( :D ), wenn man(n) denn nicht etwas mehr Platz, ein klein wenig Mobilität weniger in Kauf nimmt und einen 911er sein Eigen nennen möchte.


Es bleibt alles eine Frage des persönlichen Geschmacks und natürlich auch eine Geldfrage.
Es war schön, ihn einmal fahren zu können, aber ich muss gestehen, mein 911er ist mir ans Herz gewachsen.
Der Cayman hat mir viel Spaß gemacht. Die Rückfahrt im 911er passt trotzdem besser zu mir, schließlich brauche ich nicht das letzte Quäntchen mehr an Performance mit auf die Rückfahrt mitzunehmen. :wink:


Text: W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang



Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.