Am Ende steht die Ungewissheit

Traurig ist die Welt, leben wir doch in einem überschaubaren Zeitfenster.
Nein, traurig ist das sicher nicht, ganz im Gegenteil. Uns ist jede Gelegenheit gegeben, unser Leben mit Leben zu füllen.
Eigentlich haben wir abgesehen von nicht zu vermeidenden Zwängen alles alleine in der Hand. Jetzt könnte jemand einwenden, wir sind fremdgesteuert, unterliegen dem Schicksal, alles ist von Gott bestimmt und und und.


Meine Gedanken schweifen zurück. Nichts aber auch gar nichts habe ich daran ändern können, mit meinem Geist und meinem Körper auf die im Universum sicherlich als sehr unbedeutend zu bezeichnende Erde projiziert zu werden.
Ich habe mir meine Eltern und Geschwister nicht aussuchen können, ich habe mir meinen Geburtsort nicht aussuchen können.
Doch ich kann zufrieden sein.


Irgendwann, als der Geist anfing, eigene Gedankengänge zu produzieren, begann mein eigenes zunehmend unabhängiges Leben.
Ich konnte nein und ja sagen, war zufrieden und unzufrieden, bin zaghaft eigene Wege gegangen und nirgends habe ich von meinen Eltern einmal abgesehen Fremdsteuerung empfunden.


Ich wurde erwachsen, die führenden Hände der Eltern immer spürbar, sie waren sensibel genug, um meine Wünsche und Träume zu erkennen.
Ich trat ins wirkliche Leben ein, indem ich meine Passion zum Beruf machte, indem ich meine Ideen umzusetzen begann.
Wie so oft im Leben kam vieles anders. Schicksalsschläge blieben nicht aus, doch blieb mir Böses erspart.
Heirat, Kinder, ein Haus, Autos, alles war möglich geworden.


Jetzt stehe ich am Ende eines erfüllten Arbeitslebens. Die wenigen Jahrzehnte meines bisherigen Lebens erscheinen im Rückblick ein wenig verschwommen, aber was sind schon deren sechs.
Doch sie prägten mich und mein soziales Umfeld.
Das verbleibende Zeitfenster ist klein geworden. Zwar weiß niemand, wann es zuklappt, doch es wäre fatal, den Zeitpunkt zu kennen.
Egal, es gibt noch viel zu entdecken. Erst jetzt, wo der Druck des ehemaligen Berufes auf anderen Schultern lastet, findet sich Zeit für ganz neue Ideen.
Kreativität, die nie ganz verschüttet war, findet jetzt in einem Malkurs Verwendung.
Die Liebe zur Technik der 80er Jahre manifestiert sich in der Reparatur von Revox-Tonbandgeräten. Auch meine Gesundheit, die sich in den letzten Jahren nicht ganz frei von Problemen entwickelt hat, soll im Yoga zumindest versuchsweise einen Partner finden.
Eine erfüllte Zukunft? Ganz sicher ist das nicht, doch mein Grundgerüst steht auf einer optimistischen Basis.
Leider entwickelt sich so manches vermeintlich klar strukturierte Gedankengebäude anders als erwartet.

Die Ungewissheit bestimmt mehr denn je die Gegenwart. Die Vergangenheit kann als erledigt abgehakt werden, an ihr ist nichts mehr zu ändern. Jeder Versuch, sie zu glorifizieren, scheitert an ihrer Aussichtslosigkeit. Verschiedene Sichtweisen können manches Getane neu beleuchten, aber am Ende bleibt die Erkenntnis, nichts ist so starr wie der Fehler, den ich in der Vergangenheit zu verdecken versuchte.
Schlüsse aus ihr zu ziehen, sind notwendig und entwickeln vielleicht neue Verhaltensweisen.


Die Zukunft ist unnahbar. Wie einen unerreichbar hohen Berg schiebe ich sie vor mir her. Einerseits gibt sie mir die Möglichkeit, in ihr Wünsche zu platzieren, andererseits ist sie unberechenbar und straft mich mit Verachtung, wenn sie mal wieder jeder Realität entbehren.
Entwickelt sich Disharmonie zwischen dem was ich tat, was ich tue und zu tun Gedenke, sollte ich mich fragen, ob meiner Lebensplanung falsche Prioritäten zugrunde liegen.


Mein Handeln im Hier und Jetzt ist das Ergebnis meines Erfahrungsschatzes, meiner sozialen Verantwortlichkeit und meiner freien Gedanken und Wünsche.
Niemand will und kann mir das Abnehmen, solange nicht mein Geist im Chaos der Verwirrtheit sich aus dieser Welt verabschiedet.
Ich sehe die Menschen um mich herum. Individuen wie ich selbst, doch ich unterscheide mich dadurch von Ihnen, dass ich in meiner eigenen Welt lebe und alles um mich herum betrachte, vergleichbar mit dem Blick aus dem Fenster meines Hauses, eine Außenschau meines ICHs.


Der Microkosmos meiner eigenen Gedankenwelt spiegelt sich in der Unendlichkeit des Universums wieder. Niemand ist davon ausgeschlossen. Wir alle leben in einem Käfig, der von unserem Körper und unseren Sinnen begrenzt wird.
Das Innen bin ICH, das Außen sind die Menschen und Dinge, die uns umgeben.


So ist jeder Mensch in seiner Einmaligkeit ein Beweis dafür, dass die Planung der Natur nicht auf Einförmigkeit angelegt ist.
In dieses Geschehen einzugreifen durch Krieg, Terror, Mord und Totschlag ist höchst verwerflich und ignoriert den Anspruch des Menschen, seine Individualität auszuleben.


Die Vergangenheit liegt wie ein Buch vor uns. Nutzen wir die Gegenwart, die Zukunft so zu planen, dass sie uns im Rückblick befriedigen kann.
Glauben wir nicht, diese Aufgabe obliege nur den Gremien des Staatsapparates, wir selbst in unserem Microkosmos haben die Pflicht und Aufgabe, an der Weiterentwicklung der globalen Aufgaben mitzuwirken. Es bleibt jedem selbst überlassen, den eigenen individuellen Weg dafür zu finden.


Am Ende steht zwar die Ungewissheit, aber schließlich sind es wir Menschen, die über Wohl oder Weh im Jetzt und in der Zukunft entscheiden.


Bilder: NASA, Planetarium HH, Text: W.L.

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Gruß
Wolfgang




Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain

Porsche: (noch) kein Porsche