Neue Regeln auf der Autobahn

Auf der Autobahn zu fahren bereitet immer nur dann Vergnügen, wenn der Benutzer ihrem ursächlichen Zweck nachgeht, nämlich etwas schneller fahren zu können, als es sonst auf der Straße des Typs L möglich ist.
Leider ist die rechte Spur dauerhaft mit LKWs aus Polen, Litauen, Russland, Holland usw. zugeparkt.


Die linke Spur ist meistens mit Sonntagsfahrern, penetranten Linksfahrern, Schumis, Autotestern, eiligen Kleintransportern, Dränglern, Verkehrserziehern, Zivilpolizisten, Lichthupentestern, Bremsverstärkern, Jumbo-Rennern, Handelsvertretern, Diplomaten und Porschefahrern belegt.


Letztere warten geduldig auf ihren Einsatz, um die Grundregel der Mechanik,
f = m x a besonders eindrucksvoll unter Beweis zu stellen.
Jeder könnte genügend Argumente nennen, warum denn gerade er der Schnellste auf der Spur sein sollte.
So ergibt es sich, dass die ach so verpönte Richtgeschwindigkeit von 130 km/h ganz zwangsläufig auch ohne staatliche Zwangszuweisung die Regel ist.


Wie auf eine Perlenschnur gezogen zieht der Konvoi tagtäglich aufs Neue von A nach B seine Bahn, wobei es immer schwieriger wird und fast unmöglich ist, die Freude am Fahren in seiner schönsten Form auch durch Vorsprung durch Technik noch ein wenig intensiver zu erleben.


Eine kleine Rechnung.
Nehmen wir das Auto vereinfacht mit einer Länge von 4,50 m an und einem Sicherheitsabstand für vorne und hinten von zusammen 8,00 m, so ergibt sich pro Fahrzeug ein Platzbedarf von 12,50 m.
Bei einer Autobahnlänge von 12.500 km können also maximal nur 12.500.000 m : 12,50 m = 1.000.000 Fahrzeuge gleichzeitig unterwegs sein.
Da es in Deutschland etwa 45.000.000 angemeldete PKWs gibt, frage ich mich jetzt, sind die restlichen 44 Millionen alle irgendwo Kaffee trinken? Nein, eher doch auf der Landstraße unterwegs, zuhause bei Muttern, oder vielleicht gerade Einkaufen im Aldi.


Gut, die ganze Rechnung grenzt eher an ein wertloses Zahlenspiel. Deutlich wird aber, dass die Zahl der angemeldeten PKWs langsam das Maß des Erträglichen überschreitet.
Immerhin bevölkern ausländische Autofahrer zusätzlich die Autobahn.


Ich gebe zu, nicht ganz unbeteiligt am kommenden Desaster zu sein, besitze ich doch 3 Autos, die ich natürlich nicht alle gleichzeitig fahren kann. Aber gut, nicht jeder will, kann und muss das so machen.
So gilt es jetzt, ernsthafte Alternativen zum bisherigen Bewegungsdrang des einzelnen Autobahnbenutzers zu entwickeln.


Vorschlag 1 :
Jeder bislang nur mit einer Person auf der Autobahn fahrende PKW soll ab dem 1.7.11 mit zwei Männern und zwei Frauen besetzt werden, so dass drei Fahrzeuge auf der Autobahn entfallen. Einzelfahrten sind nur noch speziellen, noch zu bestimmenden Personen vorbehalten. So ergeben sich neue Freundschaften, Körperkontakte werden gepflegt, Ehen auf Tauglichkeit getestet, Balzverhalten geübt und neueste Gerüchte ausgetauscht.


Vorschlag 2 :
LKWs dürfen nur noch zwischen 19 Uhr und 6 Uhr die Autobahnen benutzen. Für sie gilt absolutes Überholverbot.
Bei dreispurigen Autobahnen fahren ganz links nur unabgeregelte Fahrzeuge ab 250 km/h, auf der mittleren Spur fahren Fahrzeuge bis 250km/h, rechts Fahrzeuge bis 150 km/h und auf der Standspur Fahrzeuge, die gar nicht mehr wollen. Es gilt für jede Spur Überholverbot.


Vorschlag 3 :
Den größten Leidensdruck haben die Porschefahrer, da ihnen eine dem Fahrzeug angepasste Geschwindigkeit allgemein verwehrt wird.
In Abstimmung mit dem Verkehrsministerium soll eine komplette Nord-Süd-Autobahn-Verbindung am Sonntagvormittag nur für Porschefahrer frei gehalten werden. Auf besonderen Wunsch können auch Ferrari und Co. daran teilnehmen.
Der Nachmittag kann dann für Sonntagsfahrer zum Schleichen üben reserviert werden.


Vorschlag 4 ;
Jeder Führerscheinbesitzer muss sich einem Fahrertraining unterziehen. Besteht er nicht, bekommt er einen Sondertarif bei der Bahn.
Personen mit mangelnden Autobahneinfädelkenntnissen, Schnell-Ausscher-Überholer, ehemalige Geisterfahrer, penetrante Linksfahrer, Flensburger Punktesammler 100+ und Personen ab 75 Jahren dürfen die Autobahn nicht mehr benutzen.
Als Ersatz richtet der Porscheclub Mitfahrmöglichkeiten ein.
Kleinwagenbesitzer zahlen eine sogenannte Autobahn-Stör-Prämie, die zur Sprit-Preis-Reduzierung der Sportfahrzeuge genutzt wird.


Es dürfen Kombinationen aus allen Vorschlägen angewendet werden.


deshalb


Vorschlag 5 :
LKWs fahren nur nachts.
Mercedes-, Audi-, BMW-Fahrer rotten sich zusammen und fahren nur auf der mittleren Spur von Montag bis Samstag.
Porschefahrer fahren nur links von Sonntag bis Samstag.
Da es den Porschefahrern reicht, nur bei gutem Wetter zu fahren, soll die Autobahn nur bei schlechtem Wetter von allen anderen Fahrern genutzt werden dürfen.


So wird das Fahren auf der Autobahn allen bald wieder Spaß machen.


Bild und Text: W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang



Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.