Der Oldtimer in mir !

Mit 60 Jahren fängt’s schon mal heftig an, in der Karosse zu krachen.
Vielleicht sollten jetzt die Betriebsstoffe etwas sorgsamer ausgewählt werden.
Hochprozentiges gibt’s eh nur gegen das Einfrieren der Gelenkwellen.


Und ein zu voller Tank führt dann eher zur Verbreiterung der Karosserie als zu einer steigenden Leistungsbereitschaft.
Besser ist es, die noch vorhandene Energie in Bewegungsenergie umzusetzen. Hinderlich ist dann häufig nur der verzögerte Einsatz der Trägheitsdämpfer im Logistikzentrum.


Problematisch ist eigentlich nur Eines. Die Elektronik im oben genannten Logistikzentrum nimmt im Allgemeinen nicht so schnell Schaden, ihre Anweisungen führen aber häufig zu Übersteuerungen und unsauberer Linienführung in den Kurven des Lebens.
Durch Selbstüberschätzung aber auch durch fehlerhafte Anweisungen geraten beide Oldies schon mal aus der Kurve.


Nun sind wir ja schon froh, bis dato einen großen Teil des Lebens erfolgreich absolviert zu haben und es ist nicht selbstverständlich, dass die zuletzt vielleicht positiven Jahre wie eine gemütliche Sonntagsausflugsfahrt so weiter geführt werden können.
Leider birgt der Weg vor uns allerlei Hindernisse, die wir glücklicherweise nicht kennen und die sich schon mal bedingt durch unsere zunehmend nachlassende Aufmerksamkeit durch den einen oder anderen Punkt in der bekannten Sammlung in Flensburg ausdrücken.


In jungen Jahren war kein Weg zu weit, kein Berg zu hoch und somit auch kein Mangel an Energie festzustellen.
Jetzt werden neue Grenzen sichtbar, der Oldtimer zeigt Leistungseinbußen und ist trotz häufiger Konsultation der Revisionszentrale nicht mehr auf den alten Stand zu bekommen.


Das Profil oder Schuhwerk unseres Oldtimers lässt sich austauschen, wenn es denn mal nötig sein sollte.
Unser Profil hingegen lässt sich nicht so einfach durch ein anderes ersetzen. Es hat sich gefestigt und ist trotz Abnutzung, wer das so auch immer an uns feststellen sollte, schwer auszutauschen.


Die vielen Furchen, Rillen, Falten und Veränderungen haben uns durch die Jahre begleitet. Wir sind mit ihnen alt geworden und sie sind nicht einfach so glatt zu ziehen.
So manche stille Stunde ist hinreichend dazu auserwählt, den Energiepass auf den neuesten Stand zu bringen, aber immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass der Motor besser doch im Schongang den Berg ersteigen sollte.


Das Klappern der Ventile mag uns inzwischen vertrauter erscheinen, als das Krachen der Gelenkwellen. Die Schmierung des Oldtimers in der richtigen Dosierung ist zur Hauptaufgabe geworden. Der eine oder andere Schmiernippel fängt schon mal an, sich zuzusetzen.
Wir haben eingesehen, dass uns Orgien jeglicher Art abträglich sind.


Leichte Oldtimerbewegungen hingegen, wie Ausfahrten mit Gleichgesinnten und dabei das Fahren in der frischen Luft hinter den katalysatorlosen Auspuff des Vorausfahrenden dient im nach oben offenen Oldie auch der Abhärtung.


Es ist mit Freude zu sehen, wie unser Oldie mit uns alt wird und wir uns mit unseren Gebrechen in seinen Ledersitzen wohlwollend aufgenommen fühlen.
Ein wahrer Freund eben, der seine Dankbarkeit dadurch auszudrücken weiß, dass er uns in diesen wenigen gemeinsamen Stunden das Gefühl von Jugend und Schönheit zurück gibt.


So bleibt zum Ende dieser Betrachtungen als Resultat fest zu halten, dass unser Auto und wenn es denn ein Porsche sein sollte ganz besonders, zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens im Besonderen beitragen kann.
Der Mensch wird in allen seinen vielfältigen intellektuellen, kommunikativen, handwerklichen, sozialen, kooperativen und welchen Eigenarten auch immer angesprochen.


Ein Mensch, der keinen Oldie sein eigen nennen kann, verkümmert, könnte man vermuten.
Und Walter Röhrl hat es einmal richtig ausgedrückt, eine Garage ohne einen Porsche darinnen, ist ein ödes schwarzes Loch.


Oldtimer zu sein, ist aufregend und solange der Weggefährte das auch so sieht, ist auch der Oldtimer in mir zufrieden.
Nur dass er mich vielleicht überleben könnte, lässt mich etwas traurig zurück.
Aber man geht bekanntlich nie so ganz, denn in meinem Oldie steckt schon jetzt so viel von mir, dass es fast egal wäre, wenn ich das Zeitliche segnen würde.


Die Zeit ist aber noch nicht gekommen, weder für ihn, noch für mich.
Und solange das so ist, soll unsere Verbindung innig sein, so wie der Oldtimer in mir.



Bild und Text : W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang




Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain