Der gemeine Porschefahrer

Als Porschefahrer ist man gehalten, zügig sein Gefährt zu bewegen.
Langsamer als der Durchschnitt zu sein, lassen die lieben Mitstraßenbenutzer daran zweifeln, ob denn dieses Auto überhaupt in die richtigen Hände geraten ist.


Porschefahrer werden allgemein dem mittleren Alter zugeordnet, als dynamisch und vermögend, kompetent und intelligent gesehen.
Jetzt muss ich zugeben, dass ich heute noch weder jung noch wirklich dynamisch bin, noch…na ja, über den Rest könnte man diskutieren.
Aber eben nicht jeder passt in dieses Schema.


Unser Auto definiert uns, verbindet uns mit einem Muster, in das wir einsortiert werden. Ob es wirklich passt oder nicht, sei dahin gestellt.
Wir Männer kaufen unsere Autos, finanzielle Möglichkeiten vorausgesetzt, gerne nach den Kriterien V-max, Beschleunigung-max, Image-max und Innovation-max.


Max ist jetzt nicht mein Freund von nebenan, sondern meint, von allem nur das Beste.
Klar gilt das nicht für jeden unserer Spezies, aber Ausnahmen bestätigen mal wieder die Regel.


Schon der Anfang einer neuen Freundschaft, also dem späteren Autokauf, beginnt mit dem Aufsaugen aller zugänglichen Quellen, wobei Negativberichte in der Autopresse gerne ignoriert werden.


Hier wird nach dem Prinzip verfahren, ein Auto, das ich mir kaufen werde, hat jeden Test zu gewinnen, ist überhaupt über jeden Zweifel erhaben, hat keine negativen Seiten und bedient schlicht und einfach den Wunsch nach dem, was ich schon immer gesucht habe.


Wir Porschefahrer kommen dem Optimum eines sportlichen Autos schon sehr nahe. Auch wenn so manch anderer Autofahrer sein Gefährt als das Bessere bezeichnen sollte, wir lächeln gerne darüber und fahren unseres Weges.


Wir denken gerne in zwei Kategorien, es gibt Porsche und Autos, warum sagt denn auch jeder, stell mal bitte deinen Porsche an die Seite und nicht, stell mal dein Auto weg.


Ein Nichtporschefahrer, also der gemeine Autofahrer, mag sich mit diesen Aussagen gar nicht anfreunden, nun, Tatsachen liegen manchmal schwer im Magen.
Also bitte, das hat doch jetzt nichts mit Arroganz zutun, oder doch?


Wer einen Porsche fährt, tut dieses mit dem Wissen, schon einmal mehr beobachtet, begutachtet oder gescheckt zu werden, anders sicher, als im von-der-Stange-Auto.
Sollen wir denn mit jedem Nachseher Blickkontakt halten?


Jetzt wird aber langsam sehr dick aufgetragen, mag mancher denken, aber wir Porschefahrer brauchen das Publikum, zumindest werden wir das uns oft genug als charakterlicher Mangel zu Last gelegte Gerücht bedienen müssen.


Wer will denn eigentlich behaupten, in einem schönen Auto nicht gerne gesehen zu werden?
Ich sagte es ja schon, wir Männer kaufen unsere Autos schließlich selten aufgrund von praktischen oder vernünftigen Gründen, sondern… Oder nicht?


Man sagt gerne, viele Wege führen nach Rom, warum sollen nicht auch viele Wege nach Zuffenhausen führen?
Ein nicht unerheblicher Teil der Audi-, BMW- und Mercedesfahrer findet sich irgendwann im Porschelager wieder.
Sicher nicht sehr viele, die den umgekehrten Weg gehen.


Ein Porsche weckt den Wunsch nach schneller Fortbewegung, gerne im Grenzbereich.
Welches Auto lässt sich so leicht von der Straße auf die Rennstrecke lenken?


Klar, wir sind nicht alle Schumis, aber viele von uns gehen regelmäßig auf die Strecke und man wächst ja schließlich mit seinen Aufgaben.
Es könnte die Erkenntnis reifen, dass der gemeine Porschefahrer eigentlich gar nicht so gemein ist, wie allgemein angenommen.


Er lehnt es eher ab, gemein zu sein, was ja auch in zweifacher Sicht zu verstehen ist.
Gemein wäre es, wenn uns als Porschefahrer Gemeinheiten unterstellt werden, die sich allgemein eher Rowdies zu Eigen machen.


Ich behaupte, der gemeine Porschefahrer ist zurückhaltend und verkehrskonform.
Manchmal gehört unser Gasfuß zwar zu den kaum zu bändigenden Tempomaten, aber wir wissen ja, wann Schluss sein muss, weshalb uns überhaupt die freie Wahl der Geschwindigkeit offen in die Hand gelegt wurde.


Ein Porsche hatte immer schon freie Fahrt.
Ob das immer gut ist, ist eine andere Frage.


Wir gemeinen Porschefahrer sind unauffällig, schon deswegen, weil wir Wert darauf legen, schnell das Weite zu suchen und weil man uns eh nur immer von hinten sieht.


Hinzu kommt, dass es uns in so großer Zahl gar nicht gibt. An manchen Tagen habe ich den Eindruck, es gibt nur meinen, sonst keinen.
Wir Porschefahrer haben alle einen sehr speziellen Geschmack, wir lieben geschmeidige Proportionen, einen klangvollen Motor, die druckvolle Beschleunigung und den Rausch der Geschwindigkeit. Eben das besondere Spielzeug für den großen Jungen, einen Porsche.


Gemeinheiten liegen uns fern, gemein zu sein macht ja irgendwie auch keinen Spaß.


Bild und Text : W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang




Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain

Porsche: (noch) kein Porsche