Porschus Maximus

Vor kurzem um 10 kam mir ein Gedanke. Na ja, man denkt schon mal so über Dies und Das nach, aber dieser Gedanke hatte es in sich.
Was haben die Menschen eigentlich gemacht, als es den Porsche noch nicht gab?
Oder auch die Frage, hätte Porsche Meier geheißen, würden wir dann heute den Meier 911 Carrera S fahren?
So eine Fragestellung hat es schon einmal gegeben. Es hat doch tatsächlich jemand einmal darüber nachgedacht, ob wir heute da wären, wo wir sind, wenn Hitler Müller geheißen hätte?
Heil Müller, Müller-Jugend, ich will das jetzt nicht weiter vertiefen. Lächerlich!!


In der Nachkriegszeit hatte eigentlich niemand nach einen Porsche gesucht. Man hatte genug damit zu tun, sich selbst zu finden.
1948, das Jahr der Geburt der ersten Porsche 356 (was für ein Zufall, es ist auch mein Geburtsjahr :-), war geprägt vom Wiederaufbau.
Otto Normalverbraucher hatte sein Geld durch Schwarzmarktaktivitäten lange verbraucht, oder sogar vermehrt.
Aber der Preis eines Porsches lag damals weit jenseits der Vorstellungskraft der Bürger der noch nicht existierenden Bundesrepublik.
Einige wenige mag es auch damals schon gegeben haben, die sich dieses Auto leisten konnten, der wichtigste Absatzmarkt war aber die USA.
Machen wir einen Zeitsprung.
Der gemeine Homo Sapiens, der vor etwa 100.000 Jahren Deutschland bevölkerte, wird auch etwas Vergleichbares wie den Porsche geliebt haben.
Vielleicht war es das Rennschwein, das er sich züchtete, oder ein Tyrannosaurus Rex, wenn es ihn noch gegeben hätte.
Später war es der Sklave, der sich durch besondere Schnelligkeit auszeichnete, oder auf seinem römischen Streitwagen a lá Ben Hur die Massen im Rund des Kolosseums erfreute. Damals wohl nichts anderes, als ein heutiges 24-Stunden-Rennen am Nürburgring.
Was heute der Porsche Carrera Cup ist, war damals vielleicht der Sklaven Renn Cup. Das ging dann schon mal auf Kosten eines Marathonis oder eines Streitwagenfahrers.
Ein wenig makaber ist es ja, aber die Menschen hat Geschwindigkeit immer schon fasziniert.


Im Mittelalter war es die Kutsche mit Doppelfederung und pneumatischer Niveauregulierung, ok, ich hab’s jetzt etwas übertrieben.
Vielleicht gab es auch hier den Königs Kutschen Cup. Sicherlich war damals eine komfortable und schnelle Kutsche der Wunsch des kleinen Bauernjungen, der nur davon träumte, den anderen davon zu jagen.


Die erste deutsche Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth regte so manchen Kritiker zu der Annahme an, dass ein Mensch Geschwindigkeiten von mehr als 50 km/h überhaupt nicht aushalten könne. Als sich dann zeigte, dass dem nicht so ist, vielmehr große Freude mit schneller Bewegung einherging, war der Ruf nach immer ‚schneller, schneller’ kein ketzerischer Gedanke mehr.


Als dann endlich das sich selbst bewegende 4-rädrige kutschenähnliche Ungetüm (AUTO MOBIL) von Gottfried Daimler den Anfang machte, begann die Leidenszeit der Porschefreunde, denn sie mussten noch 62 Jahre auf den 356er warten.


Ab jetzt versuchte jeder, ein Auto, oder sogar einen Rennwagen zu bauen. Wobei sich beide damals nicht viel voneinander unterschieden.
Panhard, Mors, Renault, De Dietrich, Mercedes, Austin, Opel und noch viele mehr bauten ihre eigenen Rennwagen am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Zeit der Berg- und Rundstreckenrennen begann. Leistung durch Hubraum. Man schmückte sich mit hochvolumigen Monstermotoren, 13 Liter Motoren waren keine Seltenheit.
Das Wort ‚Geschwindigkeit’ war Jedermann gegenwärtig.


Die beiden Kriege verlagerten die Interessen auf eine schnelle Kriegsmaschinerie.
Schnelligkeit als Mittel zum Töten des Gegners. Ein makabrer Menschen- und Panzer Cup wider Willen.


Endlich war es soweit. Der Krieg war verloren.
Ferdinand Porsche genügte der Gedanke an die Tropfenform, um ein Optimum an Windschlüpfrigkeit für seine neue Konstruktion eines Autotraumes zu erreichen.
Seiner Zeit noch weit voraus, erzielte er cw-Werte für den 356er, die noch heute erstaunen lassen. Schon sehr schnell setzte auch Porsche auf den Vergleich mit anderen etablierten Automobilistis. Und gewann.
Der kleine unscheinbare, stromlinienförmige 356er stellte reihenweise die Großen der Renngeschichte in den Schatten.


Der Mythos Porsche nahm seinen Lauf, jeder wollte ihn haben, denn er war zwar klein, laut und teuer, aber schnell.
60-PS-Motoren galten anfangs als Rennmotoren und es war fraglich, ob sie dem Normalkäufer zuzumuten waren. Geschwindigkeiten jenseits der 140 km/h einfach so auf die Menschheit loszulassen mittels des kleinen 356er, bereitete den Konstrukteuren Porsches einiges an Kopfzerbrechen.
Porsche hatte mit seiner Konstruktion den Weg bereitet, Hobbyrennfahrern auf deutschen oder anderen Straßen ein geeignetes potentes Mittel in die Hand zu geben, denn kaum ein anderer Hersteller brachte Anfang der 50er-Jahre derart renntaugliche Autos auf die Straße.


Ein neues Suchtmittel war entstanden, dem Mythos Porsche der Weg bereitet, die Geschichte des Automobils erhielt einen neuen Eckpunkt.
Stetig hat sich der Gedanke ‚356’ weiterentwickelt, die Leistung vergrößert.
Der 911 hat die Geschichte des ‚ersten Gedanken’ konsequent weitergeführt.
Lag das Leistungsgewicht des schnellen 356er bei 15 kg/PS, so wird heute mit Werten von weniger als 3 kg/PS gerechnet.
Geschwindigkeit und Beschleunigung ist heute nichts Besonderes mehr.
Wir haben uns an sie gewöhnt. Sie geht einher mit der Schnelllebigkeit unserer Zeit. Schnell zu sein ist ein ‚Muss’.
Jetzt ist es nur fraglich, ob wir uns an die Geschwindigkeit der Maschine, oder die Maschine sich mit ihrer Geschwindigkeit an uns anpassen muss.


Zum Glück fahren wir den Porsche. Er ist uns gefügig, extreme Schnelligkeit, extreme Beschleunigung, aber auch ruhiges und besonnenes Fahren ist uns mit ihm möglich.
Jeder Tag ein wenig Porsche Cup, jeder Tag ein wenig Rennfieber, aber auch die Erkenntnis, dass nur derjenige glücklich ist, der es versteht, alle Schnelligkeiten so miteinander zu verbinden, dass man selbst nicht derjenige ist, der den schnellsten Weg unter die Erde gefunden hat.


Bild und Text: W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang



Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.