Jeepers! Ich bin ein Jeeper!

Die Vorgeschichte - es ist November 2010. Ganz Europa versinkt unter einer dicken Schneedecke, nur ein kleines Land in der Mitte Europas leistet Widerstand - die Schweiz.
Trotzdem haben wir auf unseren Autos Winterreifen, auf dem Boxster allerdings die vom Ex-Carrera, denn auch der Boxster soll bald ein Ex-Boxster sein.
Einkaufen ist angesagt. Die Sonne scheint, Temperatur etwas über Null Grad, optimales Wetter für einen November. Die erste vorweihnachtliche Einkaufsrunde ist überstanden, es geht zurück zum Auto.
Schockschwerenot, wie Dagobert Duck sagen würde, das Wetter hat umgeschlagen, dunkle Wolken am Himmel. Schwere grosse Schneeflocken fallen.
Die Strasse ist schon von Schnee bedeckt. Ein sanfter Tritt auf das Gaspedal, nicht sanft genug, das Heck bricht aus. Der Boxster zickt, wir kriechen über die Autobahn. Die Kombination aus Mittelmotor und breiten Reifen (285) erscheint suboptimal. Die Autobahnausfahrt hat eine ordentliche Steigung, trotz vorsichtigem Einsatz des Gaspedals drehen die Reifen durch, nur das PSM rettet die Lage.


Fazit, der Boxster ist für Fahrten auf Schnee nicht das Mittel der Wahl. Da auch unsere Transportkapazitäten nicht besonders gross sind entscheiden wir einen günstigen Allradkombi zu suchen.
Im November ist das Angebot an Allrad Autos recht übersichtlich, besonders bei einem nicht allzu üppigen Budget. Schnell fallen die üblichen Verdächtigen wie Volvo, weil gebraucht viel zu teuer, Audi, es gibt nur abgerittene Mühlen, aus dem Suchraster. BMW und Mercedes gibt es nur wenige und die gefallen nicht. Also ein SUV. Wollen wir das wirklich, ein SUV? Die Suche im Internet fördert reichlich Angebote zu Tage.
Japaner und Koreaner, sind nicht unser Ding, zu gesichtslos, beliebig. Die M-Klasse sieht nicht aus wie ein SUV, durchgefallen, genau wie der Q7 aus demselben Grund. Ein Cayenne? Nein, der spricht überhaupt nicht zu uns.
Ein Landrover? Zu denen habe ich kein rechtes Vertrauen was die Standfestigkeit angeht. Möglicherweise ein überholtes Vorurteil, aber es bliebe ein ungutes Gefühl zurück. Das Feld der Kandidaten wird recht übersichtlich, Touareg und X5 bleiben übrig. Einen passenden Touareg finden wir nicht, aber ein X5 klingt interessant.
Ich gehe auf die Website des Anbieters, ein Spezialist für 4 x 4 Autos, vorwiegend aus den USA. Interessante Gefährte gibt es da, Cadillac Escalade, Dodge Durango und diverse Jeeps. Irgendwie faszinierend, anders. Escalade und Durango sind zu gross, da leidet die Alltagstauglichkeit, die Suche nach einem passenden Parkplatz wird zur echten herrausforderung.


Wieso nicht ein Jeep, das Synonym für Geländewagen schlechthin?
Ich suche nach einem Jeep Forum und werde schnell fündig. Dort erfahre ich, dass der Besitzer eines Jeeps sich Jeeper nennt. Ein Glück, dass der Fahrer eines Porsches nicht ein Porscher ist. Dank des Forums weiss ich schnell worauf zu achten ist, auch das vertraute Stichwort KWS taucht dort auf.


Ich vereinbare einen Termin und schau mir einen Grand Cherokee Limited an, 4,7 Liter V8 Motor, permanenter Allradantrieb mit drei Sperrdifferentialen.


Und da steht er, die Räder sind richtige Räder, keine gummibeschichteten Felgen wie der Jeeper sagen würde. Alles ist eher grob, auch die Innenausstattung. Rückspiegel so gross wie Dumbos Ohren.
Man sitzt wie auf einem Thron, über den Dingen sozusagen. An Ausstattung ist alles vorhanden was man sich wünscht, Lederausstattung, alles elektrisch einstellbar mit Memory, Klimaanlage, Sitzheizung, Soundsystem mit CD Wechsler, Verstärker, Subwoofer, Glasschiebedach etc.
Der Motor klingt wie nur ein US V8 klingt. Ein tiefes Bollern. Ein beherzter Tritt auf das Gaspedal setzt den Grand Cherokee trotz seiner Grösse und des Gewichts erstaunlich dynamisch in Bewegung.
Das Fahren ist gewöhungsbedürftig, typisch amerikanisch sind Federung und Lenkung, ausgerichtet auf Komfort, nicht Präzision. Dynamisches Fahren ist nicht sein Metier. Schnelles Einlenken wird mit heftigen Wankbewegungen quittiert. Der Verbrauch klettert in ungeahnte Dimensionen. Der Grand Cherokee ist ein Auto zum Dahingleiten, dann verhält er sich extrem gutmütig.


Also gut, gekauft.


Die erste Ausfahrt, ab in die Berge dorthin wo Schnee liegt. Den ersten Anstieg auf einer schneebedeckten Strasse nimmt er als ob nichts wäre. Genauso geht es bergab, selbst in den recht zügig gefahrenen Kurven bleibt er spurstabil. Schneehaufen werden einfach plattgefahren.
Ich teste die Bremse, kein Problem trotz des hohen Gewichts, die Reifen machen es. So muss das sein. Zur Sicherheit habe ich mir noch Schneeketten besorgt. Der Schneesturm kann kommen, ich bin gerüstet.


Ein Jeep Grand Cherokee ist der Kontrapunkt eines Porsche Carrera. Hier das Grobe, Behäbige, dort die Eleganz und Kraft. Robuste US Technik gegen deutsche Spitzentechnologie. Aber ich liebe ihn trotzdem, oder möglicherweise gerade deswegen.



Jeepers! Ich bin ein Jeeper!

Nil desperandum


Der Baum der Freiheit muß von Zeit zu Zeit mit dem Blut der Patrioten und der Tyrannen begossen werden. Dies ist der Freiheit natürlicher Dünger. (Thomas Jefferson)

Porsche: (noch) kein Porsche