Geistige Windstille !

Glücklich können wir sein. Leben wir doch in einer Zeit, die es in den letzten Jahrhunderten so noch nicht gegeben hat.
Seit über 60 Jahren ist Frieden in Deutschland. Sind die zivilisierten Länder schlauer geworden, oder haben sie dazugelernt?


Kriegerische Konflikte gibt es immer noch genügend auf der Welt, dass wir verschont geblieben sind, mag mit veränderten Einstellungen zutun haben, denn unsere eigene Geschichte hat uns schließlich Hausaufgaben für die nächsten 100 Jahre mitgegeben.
Vielleicht haben wir ja auch ganz einfach gar nicht die Zeit, größere Konflikte auszuleben, so nach dem Motto, es ist Krieg, aber keiner geht hin.


Um Gottes Willen will ich jetzt nicht einen solchen heraufbeschwören, es reicht, denn der Krieg im Inneren existiert und er hat viele Facetten.
Jetzt muss dieser Gedanke nicht zwangsläufig mit Bomben, Zerstörung und Chaos einhergehen, der Krieg in der Gesellschaft zeigt ein anderes Gesicht.


Krieg ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber wie soll es sonst genannt werden, wenn die Aggressionen eines Autofahrers sich im rücksichtslosen Fahrverhalten gegenüber dem Mitmenschen äußern, wenn die Aggressionen eines Jugendlichen sich im Amoklauf entladen, wenn Probleme in der Ehe in Gewalt enden, wenn Kindererziehung im Totschlag mündet.


Die Welt ist kompliziert geworden. Wir sind überfrachtet mit kaum zu verarbeitenden Eindrücken. Die Medienwelt suggeriert Ordnung, Wohlstand und Lebensfreude.
Die Realität sieht anders aus. Jugendliche haben oft den Bezug zur Realität verloren. Sie leben in einer virtuellen Welt, in der zwar alles zu funktionieren scheint, doch der tägliche Sprung ins reale Leben vermittelt ihnen Widerstand und Probleme.


Erziehung im Elternhaus findet vielfach nur vor dem Fernsehgerät statt. Die Vorbilder des Alltags leben auf VIVA und MTV.
Schön zu sein, eine besondere Begabung zu haben, erleichtert vieles, doch die Masse der DSDS-Aspiranten verschwindet schnell wieder in der Lethargie des Alltags.


Hilfe kommt nur aus der eigenen Kraft. Die Motivation als Triebfeder, entstanden aus der Suche nach Erfolg und Geld, trägt nur bei den Wenigsten Erfolg.
Der Krieg im Inneren wird ausgelebt, überträgt sich auf die Straße, sucht nach Entladung und ist vielfach hemmungslos.


Der tägliche Kampf um die Macht wird bis zur letzten Konsequenz ausgelebt. Drogen, Alkohol und die Clique helfen Hemmungen zu überwinden. Unsere Gesellschaft ist kaum in der Lage, die extremen Folgen des Abgleitens zu unterdrücken.


Hoffnungsvoll stimmt uns die Tatsache, dass die Masse der Jugendlichen geordnete Wege geht, wenn ihnen derselbe geebnet wird.
Wir Erwachsenen haben die unbedingte Aufgabe, Leitlinien zu setzen, Vorbilder zu liefern, Erziehung zu praktizieren. Schließlich ist die Jugend so, wie wir sie uns geformt haben. Findet keine Erziehung des jungen Menschen statt, sucht er eigene, vielleicht auch falsche Wege.


Auch auf der Straße herrscht häufig Krieg. Die Unzulänglichkeit mancher Mitmenschen lässt sich oft nur mittels potenter PS-Monster zudecken.
Die mir-gehört-die-Straße-Mentalität geht immer auf Kosten des Schwächeren.


Das Auto als Mordwerkzeug, selten können wir das beweisen, aber genügend Anzeichen sprechen dafür.
Uns ist hier etwas in die Hände gegeben, das wir selten beherrschen. Vor 150 Jahren war man der Ansicht, dass Geschwindigkeiten über 50 km/h tödlich sind.


Ein zutreffender Schluss, allerdings heute mit einem anderen Hintergrund versehen.
Die Zahl der Verkehrstoten ist zwar relativ zur Zahl der Autofahrer gegenüber früher gesunken, doch sind 4000 Verkehrstote im letzten Jahr immer noch ein Zeichen für Fehlverhalten wie Rücksichtslosigkeit, Unerfahrenheit oder Selbstüberschätzung und
selten ist das Versagen der Technik im Spiel.


Reglementierungen im Straßenverkehr dienen bekannterweise der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Es fällt oft schwer, sie zu akzeptieren und oft genug werden sie mit Ignoranz bestraft, mit der Folge, sich im Strafregister der Behörden wieder zu finden.


Man stelle sich vor, wie ein Mensch des letzten Jahrhunderts mit unserer komplizierten Welt heute umgehen würde. Ein kaum zu meisternder Gedanke.
Aus dieser Sicht könnte die Vorstellung entstehen, dass ein großer Teil der Mitmenschen heute immer noch einfach nur überfordert ist.


Zu keiner Zeit in unserer Geschichte ist uns Menschen soviel abverlangt worden wie heutzutage.
Höchstleistung nicht im Sinne körperlicher Anforderung, sondern im Hinblick auf die kognitiven Fähigkeiten sind gefragt und so verwundert es nicht, wenn sich Ablehnung breit macht, wenn schon der Jugend das Nichtstun vorgelebt wird, wenn der Staat als Auffangbecken für gescheiterte Existenzen herhalten muss.


Unsere Jugendlichen lernen schnell, wie sich das Leben in einfachster Form meistern lässt, wie sich Partys organisieren lassen und wie das Leben so angenehm wie möglich gestaltet werden kann, ohne oft über mögliche Konsequenzen für das eigene Leben nachzudenken.


Es fällt schwer, sich den Verlockungen der Gesellschaft zu entziehen, wenn sie selbst tagtäglich dabei ist, uns die Vorzüge des Konsums eindrucksvoll zu vermitteln.


Wir Älteren sind immer noch Vorbilder, auch wenn wir uns dessen oft nicht bewusst sind. Erst sehr viel später stellt sich heraus, dass wir bestimmte Verhaltensweisen unserer Eltern an uns selbst wieder finden.
Jede Generation trägt unumstößlich die Verantwortung für alles das mit sich herum, das unsere Gesellschaft prägt und sie weiterführt.


Gelebt zu haben ohne eine Hinterlassenschaft, ist grundsätzlich gar nicht möglich, denn jeder Mensch und sei er nach der eigenen Einschätzung noch so unbedeutend, hinterlässt eine Spur. Vielleicht führt sie ins Nichts, vielleicht ist sie aber auch der Ausgangspunkt für eine große Tat oder eine neue Entwicklung.


Zu unseren wichtigsten Aufgaben zählt, unsere Kinder zu Menschen zu erziehen, die unsere Werte weitertragen, sie vermehren und an ihre Nachkommen weitergeben.


Alkohol, Drogen, Gewalt und Gleichgültigkeit sind schlechte Ratgeber. Sie führen ins Abseits.
Nehmen wir unsere Erziehungsaufgabe ernst und lassen es nicht zu einem Krieg zwischen den Generationen kommen.


Unser Verhalten heute ist ein Abbild unserer eigenen Erziehung und unsere Erziehung prägt wiederum die nachfolgende Generation.
Findet sie nicht statt, so ist das ebenso eine Erziehungsmaßnahme, wenn auch mit einem negativen Vorzeichen.
Wir im Jetzt stehen schließlich in einer langen Reihe mit unseren Vorfahren und Nachfahren zusammen, ohne uns vielleicht klar darüber zu sein, welche Konsequenzen unser Versagen haben könnte.


Lassen wir es nicht zu einer geistigen Windstille zwischen den Generationen kommen, Stürme haben noch nie wirklich geschadet, sondern Aktivität ist gefragt. Angemessen, aber verbindlich und konsequent.


Bild : Bildungsministerium, Text : W.L.

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Gruß
Wolfgang




Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain

Porsche: (noch) kein Porsche