PS-Gigantomanie

Irgendwo passt da doch was nicht.
Die PS-Gigantomanie mancher Familienkutschen passt genauso gut in die heutige Zeit, wie der Schlüpfer meiner Oma in einen aktuellen Dessous-Katalog.


Einerseits werden CO2-Schänder angeprangert und sogar Milliarden für das Verschwinden der alten Kisten herausgepustet, andererseits kümmert’s niemand, wenn ein Kleinwagen die 200 PS erreicht, oder auch 1000 PS als ok abgehakt werden.
In China nimmt der Boom bezüglich genutzter Elektrofahrzeuge extreme Formen an und wir mitten in Europa fahren ohne Probleme ständig am Limit.


Wenn das man nicht mal wieder ein Schuss war, den wir Deutsche nicht gehört haben. Wir verlieren uns in der Produktion von Super-PS-Luxus-Oberklasse-Premium-Power-Kisten, sind glücklich und merken nicht, wie der Bahnhof zum Einsteigen auf den Zug der Zukunft bei uns bald nicht mehr existiert.


Ich fahre auch einen unvernünftigen Porsche, ich weiß, aber die Politik hat es auch noch nicht geschafft, mir interessante Alternativen anzubieten und die etablierte Autoindustrie schafft es immer wieder, neue Ideen, die nicht aus ihren Reihen stammen, kaputt zu machen.
Klar, wir als Verbraucher wollen das so und die Industrie stellt uns ohne Skrupel etwas Unvernünftiges in die Garage.


Gut, blicke ich auf meinen 356er, dann lässt sich unschwer erkennen, welche riesigen Fortschritte in den letzten 50 Jahren im Autobau gemacht worden sind. Ohne Gurt zu fahren bei einem Auto, das etwa 185 km/h schnell ist, bereitet mir und vor allem meiner Frau zu recht große Kopfschmerzen.


Auch die Bremsen, 1961 gehörten diese Trommelbremsen zu den Besten der Zeit, verursachen schnell einmal Schweißausbrüche, wenn auch 'nur' ein Polo vor mir den Anker wirft.


Schon das Gestinke dessen, was das Auto verlässt, führt schnell zu unangenehmen Kopfschmerzen.
Wie segensreich war da der Katalysator.
Ebenso zählt die ursprünglich auf 6 Volt basierende Lichtanlage des 356er eher zu den tranfunzeligen Kellerlampen, als zu einer heute gewünschten ordentlichen Ausleuchtung der Straße.


Mit alledem kann man Leben, schließlich wird er nicht so verheizt wie die Golfs und Opels und Fords auf der Straße heute, sein Zweck dient nur der Erhaltung des alten Kulturgutes.
Aber die vielen Fortschritte im Automobilbau können auch dazu führen, in Lethargie zu verfallen und in dem Glauben zu versinken, man habe alles richtig gemacht, niemand brauche jetzt etwas Neues.


So gibt es genügend Konzepte, die aus der Energiekrise führen können, wobei es unsinnig ist, Energien zu favorisieren, die aus den etablierten Energien produziert werden.
Heißt, ein Elektro-Auto macht nur dann wirklich Sinn, wenn der Strom, der aus der Steckdose kommt, aus alternativen Energien entstanden ist. Windkraft, Sonnenenergie, in welcher Form auch immer und Wasserkraft müssen da herhalten.


Zu meinen, man sei umweltbewusst, wenn man ein Elektroauto fährt, ist also nur im Ansatz richtig.


In 50 Jahren, wenn mein jetziger 997 zu den Oldtimern gehört, werden wir wissen, was wir falsch gemacht haben.
Vielleicht wird der jetzt so geliebte unvernünftige Porsche einen Elektroantrieb bekommen, oder auch nur traurig in der Garage stehen und darauf warten, dass irgendwann einmal jemand 20 Liter Super auftreibt, um ihm den letzten Weg ins Museum zu ermöglichen.


Traurige Aussichten angesichts der Unvernunft, mit der wir alle heute die PS-Gigantomanie unterstützen.
Morgen wird der 997 wieder in Bewegung gesetzt. Ob das jetzt der konsequente Schluss ist?


Bild und Text : W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang



Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.