Der Autosalon des Grauens

Der Wahn hatte von mir Besitz ergriffen und ich beschloss zum Autosalon in Genf zu fahren. Und das am letzten Messetag.


Ich habe es geschafft! Ich bin auf dem Messegelände angekommen. Eine Stunde habe ich mich durch Genf gequält um endlich in einem Parkhaus der UN einen Platz zu finden. Im überfüllten Bus geht es zur Messe. Ich hasse Busse.


Raus aus dem Bus, rein in die Messehalle. Immerhin war ich so schlau meine Karten online zu kaufen. Durch die Sperre, assistiert von einer wohlwollend grüssenden Messehostess, Erleichterung macht sich breit. Mit neuem Schwung geht es die Treppe hoch. Oben angekommen stelle ich fest, dass ich genau da bin wo ich hin wollte. Direkt vor mir Porsche und die diversen Porsche Tuner.


Meine Stimmung sinkt jedoch zusehends. Je näher man den Ständen kommt, um so drückender wird die Menschenmasse. Um mich herum nicht gerade die Klientel die ich erwartet hatte. Die Zahl der Tätowierungen und zur Schau gestellten Muskulatur, die Position des Rocksaums und die Tiefe des Ausschnitts sind anscheinend korreliert mit der PS-Zahl der Exponate. Der Intellekt der Besucher scheint eher negativ korreliert zu sein.


Ein Durchkommen ist mancherorts vollkommen unmöglich. Die Luft ist stickig - Kopfschmerzen beginnen hinter der Stirn zu hämmern. Der Fluchtreflex setzt ein. Eigentlich will ich nur weg, aber jetzt heisst es Zähne zusammen beisen und durchhalten.


Am Porschestand angekommen kämpfe mich durch zum Boxster Black Edition. Ich halte ungefähr einen Schritt Abstand um mir das schöne Stück anzuschauen, schon quetscht sich ein aufdringlicher Zeitgenosse dazwischen. Resigniert drehe ich ab. Vorbei am Eingang zur Porsche VIP Lounge, ein Porschemitarbeiter verstellt mir sicherheitshalber den Weg. Ich wollte doch nur weg!


Gut, dann schauen wir uns eben bei den Tuner um, dort ist es nicht ganz so voll, die Luft besser. Die Stände der Tuner vermitteln den Eindruck einer Festung - bleib draussen steht in grossen unsichtbaren Lettern über den Eingängen. Die Eingänge sind zugbrückengleich versperrt. Die Mitarbieter haben sich weit entfernt verbarrikadiert. Gelangweilte Gesichter allerorten, bei Techart besonders ausgeprägt. Anscheinend hat man es nicht nötig an den oridinären Porschefahrer zu verkaufen. Das Positive - sie haben mir die Entscheidung abgenommen, ich nehme das Porsche Aerokit Turbo.


Weiter geht es, es gibt ja nicht nur Porsche. Aber egal ob Ferrari, Lamborghini oder Aston Martin, es ist kein Durchkommen. Aber das ist auch nicht so wichtig, die Tage stand ein 458 Italia neben mir an der Ampel. Genug Zeit um ihn mir anzuschauen, die Busse hatten Verkehr zum Erliegen gebracht.
Eher ziellos gehe ich durch die Hallen, immer auf der Hut um nicht von einem Kinderwagen überrollt zu werden. Die einzigen Stände auf denen gähnende Leere herrscht, sind die mit Elektroautos, Erdgas etc. Selbst Tata findet mehr Zuspruch. Soviel zum Thema Umweltschutz. Ökosandalenträger und zugehörige Journaille samt schwadronierdenden Politikern müssten ernüchtert sein.


Fast schon am Aufgeben stolpere ich, eher zufällig, über den neuen Jeep Grand Cherokee. Der Jeep-Mitarbeiter tritt zur Seite um mich das Auto näher anschauen zu lassen. Ich darf die Tür öffnen und das Prachtstück näher in Augenschein nehmen. Ein gewaltiger Fortschritt verglichen mit meinem nicht mehr ganz taufrischen Jeep. Vorbei die Zeit der doch eher rustikalen Innenausstattung. Wäre jetzt ein tüchtiger Verkäufer vorbeigekommen - ade neuer Boxster, her mit dem Jeep. Aber die Vernunft in Form meiner mitgeschleppten Frau siegt.


Die Kopfschmerzen werden stärker, weg hier. Raus aus den Hallen, rein in das Taxi das mich Parkhaus bringen soll. Ein skeptischer Blick ob diese Gestalten auch zahlen können und der Hinweis, dass die Fahrt nicht gratis sei lassen meinen Adrenalinspiegel anschwellen. Zudem muss ich, der Ortsfremde, der erst das zweite Mal in Genf ist, der Fahrerin erklären, wo das Parkhaus ist.


Einziger Lichtblick, beim Verlassen des Parkhauses nickt ein Polizist freundlich und hält den Verkehr an um mich raus zu lassen.

Eines ist auf jeden Fall sicher - nie wieder tu ich mir das an!

Nil desperandum


Der Baum der Freiheit muß von Zeit zu Zeit mit dem Blut der Patrioten und der Tyrannen begossen werden. Dies ist der Freiheit natürlicher Dünger. (Thomas Jefferson)