Der Porschesound

Als Liebhaber dezibelgeschwängerter Gehörgänge, oder eben guter Musik, habe ich bis zu diesem Zeitpunkt meiner eigenen über 60-jährigen Geschichte herausgefunden, welche Signale der Umwelt zu den angenehmen oder welche zu den unangenehmen gehören.
Weniger angenehmes Vibrieren des Trommelfelles muss nicht einhergehen mit Lautstärke, sondern ist gekennzeichnet durch unangenehme Empfindungen des ganzen Körpers.


Essgeräusche gehören dazu, oder einfach nur manche Tonkombinationen, die tagtäglich in grausamer Regelmäßigkeit den Sender des Lokalradios verlassen.
Warum die Natur uns diese besondere, aber sicher auch bei den meisten Menschen ähnlich vorhandene allergische Reaktion mitgegeben hat, ist mir bis heute ein Rätsel geblieben.


Es scheint Tonfolgen zu geben, die uns Menschen irgendwie Probleme bereiten.
Gehört diese Eigenart vielleicht in den Bereich unserer Ur-Instinkte und soll uns signalisieren, dass der Urheber für uns Gefahr bedeutet?
Das möchte ich einmal nicht annehmen.


Ein Beispiel fällt mir ein. Die sonntägliche Ausfahrt mit dem Porsche zu den lieben Verwandten beginnt schließlich mit dem Starten des Motors. Ich habe mich immer gefragt, warum meine Frau erst einmal hinter der Garage verschwindet und erst dann erscheint, wenn der Startvorgang beendet ist.
Auf meine Frage, warum sie das immer tue, höre ich die lapidare Antwort, das ist mir zu laut.


Gut, die Klappenauspuffmechanik braucht erst einen ordentlichen Warmlauf, um in die geschlossene Warteposition zu gehen. Also, ich verstehe ihre Reaktion schon, aber eigentlich nicht wirklich.
Da ist also mal wieder der kleine Unterschied, hier ist es die Frau, dort der Nachbar, dahinten die Nachbarin, die mein Empfinden nicht teilen können.


Es muss demnach geschlechtsunspezifisch sein, das Geräusch eines startenden Porsche als positives oder negatives Erlebnis abzuhaken.
Starte ich den Motor meines Mercedes, macht sich sofort Langeweile breit, meine Frau freut sich und die Nachbarn haben überhaupt nichts gemerkt.


Jetzt ist es nicht meine Absicht, durch den Startvorgang meines Autos der Nachbarschaft zu signalisieren, dass wir vorerst nicht mehr zuhause sind, aber für Kritik bin ich eh eigentlich nicht der richtige Ansprechpartner, sondern der Porschevorstand.


Vor kurzem hatte ich ein Versprechen eingelöst und einen Bekannten auf eine kurze Testfahrt mitgenommen.
Seine erste Reaktion war, oh, der klingt aber von Draußen besser als von Innen. Gut, wofür habe ich ein Cabrio.
Dach auf, Fenster runter, Windschott flach gelegt, Klappe auf.


Nach einer kurzen, verhalten gefahrenen Strecke von einigen Kilometern ging die Hatz los.
Er hat nie wieder von zu wenig Klang im Auto gesprochen.


Der Porsche ist bekannt für seine besondere Akustik, die luftgekühlten 911er haben das sicher noch ein wenig besser drauf, als deren wassergekühlte Nachfolger.
Porsche weiß genau, wie wichtig für die Kunden der Klang aus dem Auspuff ist.


Möglicherweise finden wir ihn deswegen so dominant und aufregend, weil er die gesamte Palette aller Frequenzen des Hörbereiches produzieren kann. Ein Orchester mit Starbesetzung!


Hört man sich aus der Distanz einen nicht ganz langsam vorbei fahrenden Porsche an, so dominieren die tiefen Frequenzen.
Wird die Drehzahl des Motors erhöht, geht das Geräusch in ein undefinierbares aber gänsehautförderndes Kreischen über.


Für die Einen mag dieses Geräusch Ausgangspunkt für einen Fluchtversuch sein, für den Fan aber und man muss nicht mal einer sein, öffnet sich das Ohr soweit, als wolle es dieses Geräusch aufsaugen.
Ich kann mich sehr gut an meine Jugendzeit erinnern, die wir häufig am Wochenende mit Zelt, Grill und allem was dazu gehört am Nürburgring verbracht haben.


Damals ist meine Liebe zum Porsche in ihre Endphase getreten.
Entscheidend waren die großen Erfolge der Porschefahrzeuge bei den 24-Stunden-Rennen oder anderen Veranstaltungen.
Noch beeindruckender war ganz sicher aber die Klangkulisse, wenn einer oder mehrere Boxermotoren um die Wette brüllten.


Niemand kann behaupten, dass dieses Geräusch nur ein Geräusch ist, oder sogar nur nerviger Lärm.
Sicher klingen andere Motoren auch gut. Audis R8, BMWs M5, der SL55AMG.


Aber den Klang eines 6-Zylinder-Boxer-Motors von Porsche ist einmalig, man muss ihn nicht beschreiben, sondern hören.
Es mag ja auch Nachbarn geben, die hinter der zugezogenen Gardine das Fenster öffnen, um ein wenig vom Klang des Boxermotors mitzubekommen.


Kürzlich erzählte mir die Freundin meines Sohnes, dass ihr Vater immer dann, wenn ein Porsche irgendwo auftaucht, das Autofenster weit öffnet.
Ab und zu, wenn uns der Teufel reitet, kann es schon einmal passieren, dass im Elbtunnel mit geöffnetem Klappenauspuff mal wieder Akustiktests durchgeführt werden.


Wie schon gesagt, im Cabrio ist das Ganze noch beeindruckender und die Ausfahrten mit Gleichgesinnten werden zum unvergessenen Erlebnis.
Genug erzählt, Klappe zu, Motor aus, etwas Ruhe bringt neue Kraft für die noch folgende Dates mit unserem Freund.


Frei nach Wilhelm Busch rezitiert: Der Porsche wird störend oft empfunden, weil er stets mit Geräusch verbunden.
Überlassen wir es dem Hörer, ob er uns zustimmen kann, oder eher das Weite suchen möchte.
Ich jedenfalls kann manchmal meine Ohren gar nicht groß genug machen, wenn ich mit ihm unterwegs bin.
Doch manchmal bin ich auch froh, dass er auch mal seine Klappe halten kann.


Bild und Text: W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang



Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.