Die Norwegen-Tour

Es ist etwa 14 Jahre her. Unser Sommerurlaub stand in den Startlöchern. Das Wohnmobil wollte gepackt werden. Ein Karmann-Wohnmobil mit solidem Mercedes-Fahrwerk.
12 Jahre war es damals alt und 5 Jahre hatten wir es gerade in unseren Händen. Viel Spaß und viel Gegend hatte es mit uns bereits erlebt.


Wir wollten das zweite Mal nach Norwegen. Ein Land, dessen Landschaft uns schon immer fasziniert hatte. Die Kinder, drei an der Zahl, hatten es sich bereits bequem gemacht und warteten darauf, dass es endlich losging.
Wichtige Dinge wie 10 Paar Schuhe, Klamotten für jeden denkbaren Wetterfall und Proviant in Garnisonsstärke schmückten jede Ecke des nicht gerade kleinen fahrbaren und 6,50 m langen Urlaubshauses.


Ich hatte natürlich für Musik, die Technik und das richtige Verpacken und Verzurren der mitzunehmenden Dinge bzw. Fahrräder gesorgt.
Um 10 Uhr morgens war es dann so weit, gewaltige 88 PS sollten mehr als 3500 kg in den nächsten 3 Wochen über zigtausend Kilometer bewegen.
Wir waren guter Dinge, das Auto schnurrte, laut aber stetig. Die Kinder hatten schon nach kurzer Zeit ihre erste Schlafphase eingelegt.
Das monotone Brummen und die Aufregung der letzten Tage mögen dafür verantwortlich gewesen sein.


Wir kamen gut voran, Dänemark konnten wir bald hinter uns sehen. Wir hatten vor, einen Rundkurs zu fahren, sozusagen gegen den Urzeigersinn über Dänemark, Schweden, Finnland bis hinauf zum Nordkap, um dann sehr ausgiebig an der norwegischen Westküste die Fjorde entlang zu fahren.


Die erste Woche war vergangen, es gab keine besonderen Vorkommnisse.
Alle waren zufrieden und unser erstes Hauptziel, der Nordkap lag in greifbarer Nähe. Bei dort oben selten anzutreffenden guten Wetter landeten wir irgendwann am Nachmittag am Nordkap.
Eigentlich gab es da nichts Besonderes zu betrachten, aber jeder Norwegenfahrer musste dort gewesen sein.
So ging es dann auch bald ganz unspektakulär weiter.


Die schönste Strecke unserer Norwegentour lag vor uns. Eine beeindruckende Landschaft, das erkannten sogar auch unsere Kinder, die eigentlich eher daran interessiert waren, auf den angesteuerten Campingplätzen ihr Vergnügen zu finden.
Die wunderschönen Lofoten hielten uns eine zeitlang auf. Eine Landschaft aus dem Bilderbuch.


Weiter ging es Richtung Süden. Der Weg auf der gut ausgebauten aber meist schmalen Straße wurde häufig unterbrochen durch Fähren, die uns über diverse Fjorde übersetzten, oder Tunnel, die meist ohne Innenbeleuchtung durchfahren werden mussten. Aber die Landschaft entschädigte uns jedes Mal aufs Neue.
Karge Hochebenen, schroffe Felsen, teils noch schneebedeckt, traumhafte Blicke in die Tiefen der glasklaren Fjorde, wechselten einander ab.


Die teils sehr steilen Serpentinen machten unserem Auto schwer zu schaffen. Immer häufiger bemerkte ich seinen Unwillen, meinem Gasfuß zu folgen. Ich hatte das Gefühl, dass ich bald einen Campingplatz anfahren sollte.
Dummerweise führte die Straße bald durch einen Tunnel, dessen Ende ich nicht sehen konnte. Korkenzieherartig zog sich dieser Tunnel aufwärts durch den Fels, schmal, kaum geeignet zum Anhalten.


Und jetzt geschah es, der Motor fing an auszusetzen. Unser ohnehin langsames Gefährt, wir fuhren vielleicht mit 25 km/h aufwärts, geriet ins Stocken. Der 5-Zylinder 3-Liter-Diesel-Motor wollte nicht mehr.


Aufregung kam ins Auto. Holpernd und stolpernd mit vielleicht Schrittgeschwindigkeit stöhnten wir den Tunnel hinauf.
Noch hatte niemand Ungeduld hinter uns, vereinzelt wurden wir schon überholt. Nur das Licht der Scheinwerfer der Autos erleuchteten die dunklen Wände des Tunnels.


Schluss, er gab auf. Schweißperlen liefen mir den Rücken herunter. Papa, warum halten wir hier, hörte ich von hinten vorwurfsvoll sagen.
Ja, wenn ich das jetzt wüsste, konnte ich nur kleinlaut erwidern.
Mitten im Tunnel eine Panne, womit hab ich das verdient, dachte ich.


Ich versuchte erneut zu starten. Tatsächlich sprang er wieder an. Langsam ging es weiter. Doch nur kurz, das Stocken begann erneut.
Ich hatte eine Vermutung. Hatte sich durch das Auf und Ab der letzten Tage auf der Straße der unvermeidliche Dreck im Tank gelöst und verstopfte jetzt die Einspritzanlage?
Ich hatte Recht, wie sich später herausstellte. Aber was nützte jetzt diese Erkenntnis? Inzwischen muss die Schlange hinter uns bis zum Tunnelanfang gereicht haben. Überholen war schwierig, weil der ständige Gegenverkehr daran hinderte.


Ich sah vor mir ein Licht näher kommen. Wir hatten Glück. Der Fels war an einigen Stellen im Tunnel aufgebrochen, so auch hier, dazu da, um für den Notfall Platz zu schaffen. Wir konnten aufatmen. Es stellte sich heraus, dass wir bereits die höchste Stelle des Tunnels erreicht hatten.
Sollen wir es wagen, wieder herunter zu fahren? So machten wir es.
Es ging nur leicht abwärts, der Tunnel endete, das Wohnmobil musste, ob es wollte oder nicht weiter abwärts fahren. Wir landeten bald in einem kleinen Ort am Fuße eines kleinen Fjordes. Glücklicherweise fand sich bald jemand, der sich unseres Autos annahm. Ein Filter war vollkommen zu, stellte sich schnell heraus, kein Wunder, dass nichts mehr ging.


Nach 2 Stunden konnte ich den Motor wieder anlassen. Alles bestens, dachte ich. Die Kinder eingesammelt und weiter ging es.
Zuverlässig konnten wir unseren Weg und die nächsten 5000 km durch die schönste Landschaft Europas fortsetzen.
Tunnel bereiten mir seither etwas Unbehagen. Passiert ist aber nie wieder etwas.
.
.
Bild und Text : W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang



Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.