Die Einsamkeit des Turbofahrers

Die Einsamkeit des Turbofahrers.



Ein Porsche gehört bekannterweise zu den Alpha-Tieren auf den Straßen der Welt. Seine Performance gibt der Konkurrenz immer wieder Anlass, bei den Vergleichstests harte Hausaufgaben mit auf den Weg zu nehmen.


Da mag dann zwischenzeitlich ein GT von XY die Nordschleife ein wenig schneller zu umrunden, doch vergeht kaum eine Saison, bis dann der alte Abstand wieder hergestellt ist.



Es hat den Anschein, als wenn dieser ewige Wettstreit den Porschemannen besonders viel Vergnügen bereitet. In den Schubladen der Ingenieure von Porsche scheint es auch immer noch genügend Ideen zu geben, die die ohnehin schon schwer zu überbietenden sportlichen Eigenschaften des Porsche wieder an die richtige Stelle in der Rangliste rücken.


Technikträger waren - so lange sie es gibt - die GT und Turbo - Modelle.


Ob von Porsche gewollt oder nicht, die Turbo und Turbo S geben den GTs im eigenen Hause immer wieder Grund zu Verbesserungen auf.


So bedarf es eigentlich keiner externen Widersacher, um am Ball zu bleiben.


Die als kommod zu bezeichnenden Turbos überzeugen trotz ihres fast unsportlich hohen Gewichtes von rund 1600 kg durch extreme Beschleunigungen, denen zumindest bis 100 km/h kaum ein Gegner gewachsen ist.



Die hohe Drehfreudigkeit der Porschemotoren, der kurze Weg im Antriebsstrang und der Grip durch die Lage des Heckmotors, sorgten schon im 356er für das Zähneknirschen in der Sportwagenelite.


Jeder etwas stärker motorisierte Autofahrer kennt möglicherweise diese Verhältnisse und versucht erst gar nicht, sie in Frage zu stellen.


Einige Unentwegte müssen schnell erkennen, wie wenig erfolgreich ein direkter Vergleich mit einem Porsche ausfallen kann.


So wird in der Folge dieser Erkenntnis der gemeine Autofahrer im Alltag dazu übergehen, sich auf die höfliche Tat zu beschränken, den Porschefahrer zum Beispiel Einscheren, oder Überholen zu lassen.



So mag sich dieses alles übertrieben oder sogar arrogant anhören, doch die immer stärker steigende Zahl von Porschefahrern zeigt ja deutlich das große Interesse an diesem Fahrzeug, die sich hauptsächlich aus dem BMW, Audi und Mercedes-Lager rekrutieren.


Es ist die besondere Art und Weise, mit der vorrangig ein Turbo der Sportwagenelite zeigt, dass das Bauprinzip des Heckmotors des 911er keinesfalls at acta gelegt werden kann.


Der Anpressdruck der Hinterachse in Verbindung mit dem Vierradantrieb erlaubt Beschleunigungsorgien, die bei den meisten Konkurrenzmodellen, wenn überhaupt, nur mit einer großen Mehrleistung an PS erbracht werden können.


Nissans GTR hat niemals die Werte erreicht, die ihm seine Erbauer ins Lastenheft geschrieben haben. Der Wunsch von Nissan, hier mit dem Turbo gleich zu ziehen, funktioniert wohl nur auf diese Weise.



Aussagekräftiger sind die Werte, die sich in der Beschleunigung zwischen 100 und 200 km/h ergeben. Hier spielt der Schlupf der Räder kaum noch eine Rolle. Werte für den Sprint von 0 auf 200 km/h von weniger als 10 Sekunden, erreicht ein 991 Turbo S ohne große Anstrengung. Ein 997 Turbo S bleibt hier knapp über 10 Sekunden. Erforderlich sind beim 997 Turbo S dafür gerade einmal 530 PS.


Der auf dem Leistungsprüfstand von Capristo festgestellte Wert für mein Fahrzeug lag dann allerdings deutlich höher. 587 PS wies die Anzeige aus. Auch das Drehmoment fiel mit 80 Nm mehr (Serie 700 Nm) aus dem üblichen Rahmen.


So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass dieses Auto auf der AB kaum einen Gegner zu befürchten hat.


Natürlich wird der Spaßfaktor nicht dadurch bestimmt, ob und wie viele ‚Gegner’ am Tag versägt wurden, sondern für mich gehört die Beschleunigung dieses Porsche zu den besonderen Highlights.



Es ist einfach unglaublich, wie der Turbo S anschiebt. Dabei ist es fast egal, ob eine Steigung erklommen wird, ob 50, 150 oder 250 km/h als V0 anstand, der Porsche besitzt in allen Fällen unerbittlichen Vorwärtsdrang.


Die Macht des Turbos auf der Straße ist in vielen Videos auf Youtube bereits ausführlich dokumentiert worden.


Nur hier liegt der einzige Nachteil dieses Autos. Häufig ist festzustellen, dass ein eigentlich schnelles Fahrzeug wie ein BMW M3 oder die älteren M5, ein Audi RS4 oder auch ältere R8 usw. sich rasch von hinten nähern, sobald sie aber erkennen, um welches Fahrzeug es sich handelt, ist ihre Lust am Vergleich mit dem Porsche dahin.


Im Ergebnis bedeutet das, dass es selten vorkommt, einmal in ein Scharmützel verstrickt zu werden. Es ist ja auch nicht gerade angenehm, versägt zu werden. Die Einsamkeit des Porschefahrers gilt demnach vor allem für den Turbo S-Fahrer.



Diese Erfahrungen waren mir bislang nicht bewusst und kamen bei dem Vorgänger, einem Carrera S, auch gar nicht zum Tragen.


Die Motorleistung des Carrera S wird heutzutage leicht von Powerdieseln von BMW, Audi und Mercedes erreicht, wobei gegen deren Drehmoment von 700 oder 800 Nm ohnehin nur schwer etwas auszurichten ist.


Ganz sicher gibt es auch für den Turbo S genügend Gegner, bei denen er auf der Verliererseite landen wird, nur die sind sehr rar und selten anzutreffen.


So wird die Einsamkeit des Turbofahrers auf den Straßen zumindest bezüglich der manchmal ganz netten Vergleichsfahrten eher durchgängig sein.
:wink:


Text: W.L.
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.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang




Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain

Porsche: (noch) kein Porsche

Kommentare 7

  • Ich hatte das Vergnügen, mit Wolfgangs Turbo S einige "100" km fahren zu dürfen. Vom Cayman S zum 997 Turbo S.... absolut kein Vergleich. Das "Ding" ist eine Waffe !

  • Viele der genannten Punkte machen auch für mich den Turbo so begehrenswert. Schade, dass er sein Alleinstellungsmerkmal in der 911er - Flotte verloren hat und es seit dem 991.2 fast nur noch Turbos gibt. Bereits in der nächsten Generation wird vermutlich der GTS die gleichen Leistungsdaten haben wie ein aktueller Turbo 991.2.

  • Wolgangs 997.2 Turbo S hatte ich ebenfalls nach vielen Messungen im Bereich 540-545 PS ermittelt . Jetzt sind wir von Serie nicht mehr so weit weg!!

  • "Egal, das Auto ist sauschnell", wäre traurig wenn nicht.
    Gruß Thomas

  • Laut PBOX -Messung zwischen 180 und 200 km/h von 1,92 s hat er etwa 550 PS. Die Angabe von Capristo sind etwas hochgegriffen wie sich jetzt herausgestellt hat.
    Egal, das Auto ist sauschnell.

  • hallo, nette Geschichte, bist du dir mit deiner Leistung sicher? Fahr mal zum Buchner( Kolbermoor), da wird deiner Serie haben, wenn überhaupt.
    Gruß Thomas

  • Schön geschrieben, Danke Wolfgang! Man könnte Deine "take-home" Message aber auch als Kompliment an das Auto verstehen, quasi als Freibrief für die Nicht-Angeber, die vermutlich die Mehrheit der Käufer stellen. Die echten connoisseures... JC