Probefahrt im 718 Boxster S

Gestern musste mein eigentlich jetzt technisch unauffälliger Turbo ins PZ Münster.
Geräusche beim Anlassen des Motors, wohl vom Kettenspanner ausgelöst, aber meistens nur beim warmen Motor auftretend, nervten mich ein wenig.
Als Ersatzfahrzeug für die turbolose Zeit gab mir der Leiter der Kundenbetreuung, heute sagt man Leiter After Sales, den Schlüssel für den neuen Boxster S, oder genauer den 718 Boxster S, in die Hand.


25 km bis zu mir nach Hause sollten ausreichen, einmal etwas mehr über den 'Neuen' zu erfahren.
Sofort viel mir der etwas unruhige und porscheuntypische Motorlauf und -klang auf.
Gut, er hatte ein paar Tage gestanden und seine zarten bislang gerade einmal 1500 km auf dem Tacho, ließen noch Raum für eine Zeit zum Einlaufen.


Mit dem PDK ausgestattet, welches ja auch in meinem Auto seinen Dienst verrichtete, viel mir sofort die schneller als gewohnte Reaktion des Getriebes beim Tippen auf die Paddeln auf.
Eine gewisse Zeit zum Warmfahren des Motors gehört üblicherweise zum normalen Ritual, welches jeder Porschefahrer beherzigen sollte. Auch die bislang wenigen gefahrenen Kilometer des Boxsters verlangen nach Zurückhaltung. So fuhr ich denn einigermaßen bequem und mit einem akustisch recht zurückhaltenden Motor gemütlich durch die Stadt.


Für einen 1,96m – Mann ist der Innenraum des Boxsters schon etwas gewöhnungsbedürftig. Das kleine Fenster, welches ich im Rückspiegel sah, gab nur einen sehr kleinen Ausschnitt von dem Geschehen hinter mir preis. Da sich gleich hinter den Sitzen der Motor des Boxsters verbirgt, empfinde ich im Gegensatz zu meinem 911er den Boxster als ein wenig beengend.


Auf der Autobahn angekommen, warnte mich ein kleines Schild am Armaturenbrett max. 240 km/h zu fahren. Ich hatte auch nicht vor, Hochgeschwindigkeitstests zu machen. Doch wie es denn oft so kommt, wurde ich auf der Überholspur plötzlich von hinten angeblinkt. Ein Aston-Martin Vantage, wie ich später lesen konnte, wollte vorbei. Ein wenig Ergeiz packte mich dann doch und- oh Wunder - , der Vantage hatte Probleme, dran zu bleiben.


350 PS sind schon eine Hausnummer und müssen sich auf der AB nicht verstecken. Der akustisch bislang ziemlich zurückhaltende Motor schuf jetzt aber eine Soundkulisse, die ich eher mit dem Wort ‚Krachmacher’ aber weniger mit dem relativ ruhigen Lauf eines 6-Zylinder- Boxermotors vergleichen würde. Der Motor erinnerte mich an meinen 356er von 1961. Heute sicher kultivierter laufend, aber eben doch ein Vierzylindermotor.


Der AM-Fahrer war wohl eher geschockt, von so einem kleinen Boxster versägt zu werden. Ich wollte es aber auch nicht übertreiben und nahm den Fuß vom Gas. Einen kurzen Moment später war der AM schon nicht mehr zu sehen. Ich hatte Zeit, mich ein wenig im Innenraum des Boxsters umzusehen. Der Kunststoffanteil des Innenraumes war mir ein wenig zu groß, aber jeder weiß, welches Ausstattungspotential Porsche im Ärmel hält.


Die breite Mittelkonsole ist übersichtlich gestaltet, verstärkt aber den Eindruck des engen Innenraumes zusätzlich. Schalter und Taster lassen sich gut bedienen. Die Suche nach einer Sitzheizung des belederten Gestühls zeigte, dass eine dreistufige Einstellung jetzt zum Standard gehört. Rechts des Drehzahlmessers lassen sich die üblichen Temperaturen wie Öl und Wasser sowie der Turboboost und der Öldruck ablesen. Am Lenkrad lassen sich diverse Einstellungen des Displays variieren. Nicht ganz glücklich umfasst die Hand den PDK-Hebel, der in die Ruheposition gestellt unsanft die Finger gegen die Schalter der Mittelkonsole drücken kann.


Zurück zum Fahrgefühl. Die Lenkung des Boxster ist sehr leichtgängig und vermittelt im Vergleich zum Turbo etwas weniger Fahrbahnkontakt. Lenkbewegungen werden aber präzise und augenblicklich umgesetzt. Von Seitenneigung der Karosserie ist auch bei schnellem Spurwechsel nichts zu spüren. Die Geradeauslaufeigenschaften sind sehr stabil. Der Motor und das PDK arbeiten perfekt zusammen. Einzig der Motor vermittelt eine etwas ruppige Charakteristik und wird bei hohen Drehzahlen sehr laut.


Gut, die Abgasbedingungen verlangen eine neue Motorgeneration, die in Anlehnung an die erfolgreichen Motoren der 356er – Generation gebaut wurden. Ich bin aber froh, dass ein 911er zumindest vorerst davon verschont bleibt.
Das Design des Boxsters ist geschmackvoll verändert worden und erinnert im Frontbereich an die Optik des Ferrari 430.
Die Heckansicht gefällt mir nicht ganz so gut wie die des 911er, aber hier handelt es sich eh um persönliche Vorlieben.


Ein Tag mit dem 718 geht zu Ende. Ein Auto, das genügend Freunde finden wird. An den Vierzylinder wird man sich erst noch gewöhnen müssen. Das typische Boxermotorkreischen ist mit ihm Vergangenheit geworden. An seiner Performance gibt es sicherlich wenig auszusetzen, aber es ist zu hoffen, dass ein Porsche seinen typischen Motorklang, deretwegen so mancher Autofahrer seine Fenster öffnet, wenn er einem Porsche begegnet, wieder findet.


Bild und Text
W.L. :wink:


.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang




Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain

Porsche: (noch) kein Porsche

Kommentare 1

  • Dann nehme ich lieber den Roten