Erfüllung eines Jugendtraumes,Teil 1 & 2

Es begann 1978 mit dem Erwerb der Führerscheine für Auto und Motorrad zum frühestmöglichen Zeitpunkt.Damals kam die automobile Benchmark für mich aus dem Schwabenland,nein nicht die mit dem Stern auf der Haube sondern mit dem Pferd im Wappen.Aus Zuffenhausen rollten gleich 2 Traumwagen auf die Strassen dieser Welt,zu einen ein Designobjekt ohne Beispiel mit V8 unter der Haube und Glaskuppelheck,vergleichbares gab es nur aus GB (Jensen Interceptor) mit altmodischen Chrysler Motor oder Italien (Lamborghini Espada) mit einem V 12 und beide etwa so erreichbar wie ein Bauplatz auf dem Mond.
Der 928 war zwar auch weit jenseits meiner Möglichkeiten aber dennoch höchst begehrenswert.Als Steigerung war da nur noch Verwandter aus der gleichen Familie,der (930) TURBO....Der Name allein war schon eine Ansage und dann das zeitlose 911er Design mit einem Heckflügel in der Dimension einer Walschwanzflosse,gigantisch.Ausserdem galt der Turbo als die Fahrmaschine schlechthin,state of the art made in Germany.Er gewann als Tests in den Zeitschriften,nie werde ich den Artikel in der AMS vergessen als der Turbo mit allen Rädern in der Luft ins Foto sprang.
Aber das war alles nur Träumerei,mehr als eine originale Porsche Pressemappe war nicht realisierbar.Meine eigene fahrzeugtechnische Karriere als "Auszubildender"begann mit einem Motorrad mit 200 ccm (die aktuelle Superbikeliga spielte bei 750-900 ccm),schon 6 Monate später der upgrade auf 550ccm aber als Auto musste erst mal der R 5 von Mama die Schlechtwettersaison überbrücken,wenigstens ein TS mit sensationellen 64 PS,das hat damals gereicht um 4 Teenager in die Ferien an die Cote d'azur zu transportieren.
Mit 20 dann das erste eigene Auto,ein Opel Commodore A ,mehr PS für weniger Geld gab es nicht und beim Motorrad wurde die damalige Superbikeebene mit 82 PS erklommen.Nach wenigen Monaten starb der Commodore beim ersten Glatteis den frühen Unfalltod und als Nachfolger kam ein Capri I 3,0GXL ins Haus,das erste 200km/h Auto (naja unter "Idealbedingungen"),finanziert durch Nebenjobs in einer Spedition nach Feierabend.Den Capri konnte ich über den W 15 Wehrdienst bis hinein ins Studium halten,dann war wieder "Schmalkost" angesagt,das Superbike abgemeldet aber behalten und der Capri nach kapitalem Getriebeschaden durch einen Talbot 1308 GT <X "ersetzt".Nach dem Studium Hochzeit und sofort danach 2 Auslandsjahre in Namibia.
Im südlichen Afrika sorgten eine 500er Honda Enduro und ein Ford Cortina (V6) und danach VW T2 Bus (auch mit Ford V6 8o ) für Freiheit und Abenteuer.
Wieder zurück in Deutschland wurde das Superbike wieder aus dem Dämmerschlaf erweckt und das erste Cabrio (Lancia Beta Spider Zagato) gekauft.
6 Monate später kam der erste Sohn,Superbike verkauft und leider auch den Beta Spider denn kaum war der Junior aus dem Babysafe gewachsen war beim besten Willen kein Platz mehr für die kleine Familie und eine Lancia Beta Limousine betrat die Szene.
1 Jahr später kommt mit dem Umzug nach Südtirol die berufliche Karriere in Gang,ein "Geschäftswagen" war mit dabei und meine Frau bekam einen kleinen japanischen Geländewagen (Suzuki Sj 430) bei dem man auch das Dach öffnen konnte und ich wieder ein Motorrad,eine Suzuki Enduro für die kleinen Fluchten nach Feierabend. Die Lancia Limousine wurde einem Teilehändler zum ausschlachten übergeben....
Nach knapp 2 Jahren der Umzug in die Schweiz,kein "Geschäftswagen"mehr,die Enduro verkauft und für die Familie (und mich) ein flottes Sportcoupé,Alfa GTV 2,5 ein sehr schönes Auto auch wenn meine Frau ihn nicht so wirklich mochte und der Junior hatte genug Platz auf der Rückbank und viel Gepäck hatten wir ja nicht....Ausserdem wieder ein Superbike der 750 er Klasse,alles bestens.
Als sich dann der 2.Sohn ankündigte war dies für meine Frau eine willkommene Gelegenheit den Alfa als "familienuntauglich"darzustellen und es musste etwas mit mehr Platz ins Haus.Diese Aufgabe erfüllte (so gerade eben) ein BMW 325 e30,als Cabrio...endlich mal ein schönes Auto fand selbst meine Frau..
Als 2 facher Familienvater hielt ich es für "angebracht" die Motorradleidenschaft sicherheitshalber zu unterdrücken und das Superbike wurde verkauft X(
Mit dem 325er Cabrio konnte man auch (familienverträglich) Spass haben....
Nach 2 Jahren konnte meine Frau dem Drama dann nicht länger zusehen und ermutigte mich dazu mir endlich wieder ein Motorrad zu kaufen,ein Ratschlag den ich sofort in die Tat umsetzte,die berufliche Situation erlaubte ein "echtes" Superbike,meine erste Italienerin Bimota YB 6 :love:
Die Söhne wurden grösser (und rebellierten gegen die Zugluft hinten im BMW Cabrio).Meine Frau liebte den BMW und durch die schweizer Wechselschildmöglichkeit kam es zum " 2.Wagen",da meine Liebe zu den Italienern ungebrochen war (und es von Porsche sowieso nichts familientaugliches gab und erschwinglich schon gar nicht).Der 3. (und letzte) Lancia wurde angeschafft in Form eines Thema 8.32 mit Ferrari V 8 Maschine und reichlich Platz das ideale Fahrzeug (naja meiner Frau hat er nicht so toll gefallen).
Als der BMW E 30 dann die 150000 km schon ein Stück hinter sich hatte war die Zeit der Trennung unausweislich und wurde durch ein E 36 M 3 Cabrio ersetzt,der Lancia auch gleich mit verkauft denn ich hatte weder einen "Geschäftswagen".Meine Frau war total happy,der M 3 war " ihr" Auto (und blieb es 18 Jahre...).Mein Geschäftswagen war nicht wirklich spassig (VW Golf),die persönlichen Präferenzen fokussierten sich auf die Motorräder und eine 2.Bimota (DB 4ie) kam ins Haus(Wechselschild ;) ).
Meinen Chef konnte ich davon überzeugen dass ich den Geschäftswagen gerne abgeben möchte und stattdessen lieber "etwas mehr Geld" für die bessere Option erachte :thumb:
Inzwischen war ich 40 geworden und wollte mir einen Traum erfüllen (nein kein Porsche,der war zu der Zeit erstaunlicherweise in den Hintergrund getreten ) sonder endlich einen V 12 !
Zur Auswahl standen Daimler double six (Zuhälterauto,originalzitat meiner Frau,also keine Chance) oder Mercedes 600 SEL (ein Auto für alte Leute,ebenfalls Einschätzung meiner Frau) dann eben BMW 750 IL,ein BMW wurde "akzeptiert"und somit war automobiltechnisch für mehrere Jahre zufriedene "Stagnation".
Dafür durfte ich meine Motorradleidenschaft ausleben,die Bimota YB 6 wurde durch eine VB 8 Furano ersetzt,dann kam eine Honda RC 30 mit dazu und danach noch eine KTM Duke 2 (2 x Wechselschild :D:D )
Jobwechsel und wieder (akzeptables) Geschäftsauto,der 750 IL war "übrig" und wurde dem älteren Sohn ,gerade 19 und Führerscheinneuling übergeben um sich die "automobilen Hörner"abzustossen was er sehr genossen hat und nach 2 "megacoolen" Jahren war der 750er dann Geschichte....Der Junior startete dann seine eigene automoblie Karriere,aber das ist eine eigene Geschichte...)
Ende von Teil 1,die Porsche kommen später...


Die Zeit der klassischen "midlife Crisis" überstand ich problemlos mit Hilfe diverser Motorräder,im automobiltechnischen Bereich kam erst wieder Änderungsbedarf als der 50.Geburtstag in Sichtweite kam und somit für mich höchste Zeit die Realisierung des Jugentraumes in Angriff zu nehmen,der da hiess spätestens mit 50 einen Porsche zu haben....
Die Kandidaten hiessen (immer noch ) 911 TURBO oder 928. Der Turbo schied gleich wieder aus war immer noch (zu)teuer,egal welche Baureihe.
Dann eben 928,er schien "erreichbarer" und das Projekt startete nach bewähretem Muster der Internetrecherche,Zeitschriften,Bücher etc. Ein S4 soll es werden (GT oder GTS waren praktisch nicht verfügbar,zumindest nicht in "vernünftigem" Preisrahmen) Der S4 wegen der Optik mit (Heckleuchten & Spoiler) und natürlich wegen den 320 PS.Am liebsten handgeschaltet und auf keinen Fall in weiss oder grün.Die Suche dauerte ca.9 Monate,umfasste die ganze CH und es wurden ca.15Stück besichtigt bis das am besten geeignete Fahrzeug gefunden war gerade noch innerhalb meines gesetzten Zeitfensters. Meine Frau war nicht so wirklich "amused",für sie war nur ein 911er (also alle Baureihen dieses Typs) ein "richtiger" Porsche =O und der 928 ganz sicher nicht....dafür werde sie sich ganz bestimmt nicht vom geliebten M3 trennen.
Ca. 4 Jahre wurden 928 und M 3 in friedlicher Koexistenz abwechselnd mehr oder eher weniger ausgeführt,motorradtechnisch hatte ich fast alles erstrebenswertes erreicht zumindest innerhalb "vernünftiger" Preisklassen sofern man hier von "Vernunft" reden kann.Die Söhne waren auch erwachsen geworden und gehen ihre eigenen Wege.
Zeit also sich wieder ein neues Ziel zu setzen,Lebensalter 55 kam nun auch schon ich "Sichtweite"meine Frau fand auch dass der M3 nun mal ersetzt werden könnte,sein Preistief vom "alten Gebrauchtwagen" hin zum Youngtimer schien bereits durchschritten was die Trennung auch erleichtern dürfte.Also Verkauf von 928 und M3 und stattdessen Anschaffung eines 911 bevor wir "Grosseltern" werden und vielleicht schon zu alt für einen "richtigen"Porsche :rf:
Aber nur ein Cabrio selbstverständlich stellte meine Dame des Herzens klar,nicht in weiss und nicht in grün und handgeschaltet waren meine Bedingungen.Zuerst war der 997 Carrera S "budgetiert",wie üblich Marktforschung im www,Bücher,Zeitschriften etc....
Zuerst aber den 928 verkaufen (dauerte ein paar Monate) danach den M3 (dauerte auch ein paar Wochen) und parallel dazu bereits die Suche nach dem 911 Cabrio.Ich konnte meine Frau recht schnell überzeugen dass dies wohl unser erster und einziger 911er werden könnte und wenn schon denn schon der TURBO eigentlich die richtige Wahl darstellt.
Die Auswahl war recht "überschaubar" und innerhalb des budgetierten Rahmens gab es gerade mal 6 Stück der Baureihe 996 und 1 997er die wir innerhalb von 4 Monaten (GEMEINSAM ) angesehen haben und Probe fuhren.
Der 997er war leider Tiptronic (ja das war für mich tatsächlich matchentscheidendes Kriterium :drive: ) und es wurde es dann doch ein 996er Turbo Cabrio,X 50,schwarz aussen und innen und in wirklich beeindruckendem Pflegezustand,nicht billig aber das war schon 1978 so als alles begann....


Nun ist mein Ziel erreicht,beide sind wir happy der Trennungsschmerz bei meiner Frau als "ihr M 3" nach fast 18 Jahren nach Frankreich verkauft wurde war grösser als erwartet aber wenn dann das Frühjahr kommt wird der Porsche sicher "überzeugen".....


Ach ja ,wenn wir dann doch Grosseltern werden,ein Babysafe hat sicher Platz auf den Rücksitzen ;)


Gruss
Furano

Comments 3

  • Danke für euere Kommentare,inzwischen sind 6 Monate vergangen und die ersten 4000 KM vor allem im Cabrio Modus haben wir genussvoll verbringen dürfen und auch meine Dame des Herzens ist vollauf begeistert und somit der Verlust des M 3 C mehr als nur ausgeglichen......
    Wir sind bereits dabei ein neues "Alltags-Familien-Winter&schlecht-Wetter-viel-Platz-Auto" zu suchen denn der alte A6Q des noch zuhause verbliebenen Sohnes wird demmächst den MFK (Tüv)-Tod sterben...und ich habe versprochen für Ersatz zu sorgen und Familienversprechen sind einzuhalten.
    Gruss
    Furano
    "don't make no promisses...."
    (SCORPIONS)

  • Schön geschrieben, fast wie bei mir.

  • Danke für den Lebenslauf :-))