Die Tücken des Internets

Das Internet


Ursprünglich entwickelt, um die Kommunikation zwischen den Truppenteilen des Militärs in Krisenzeiten zu optimieren. Es hat sich lange aus dieser besonderen Enge und Anwendung herausentwickelt und stellt heute das wichtigste Portal für jede Art von Kommunikation dar.
Oft verdamme ich es, dieses Internet, diese virtuelle Welt, an der ich Tag für Tag teilnehme, teilweise fremdbestimmt, aber sicher auch ein bisschen teilnehmen will.


Meine Frau ist da sehr konservativ, indem sie ein gutes Buch nimmt, ihre Fantasien damit selbst gestalten kann und somit auch ihren Horizont eigenbestimmt erweitert. Nicht gerade meine Welt, die Welt der Fantasien, aber kann ich mir sicher sein, nicht genau auch in einer solchen herumzustöbern?
Wer will mir eigentlich hier und jetzt beweisen, dass emil38 tatsächlich existiert, oder vielleicht doch nur ein Fake ist.


Ich schlage mich mit den Lastern des Internets herum, dazwischen meint ein genervter User mir eine Nuss verpassen zu müssen. So ganz nebenbei führt die schlechte Haltung vor diesem Gerät noch zu zunehmender Steifigkeit an einer unerwünschten Stelle und meine Frau mahnt meine ständige Unaufmerksamkeit an.


Ok, ich gebe es zu, vertieft zu sein, vertieft in die Tiefen der Forenwelt.
Aber irgendwie wirkt dieses Internet anziehend. Gut, ich kann das verstehen, denn auch ich lasse mich gerne einmal über Dieses und Jenes aus, erwarte Reaktionen, wenn möglich positive und trete sicher auch hier und da ins Fettnäpfchen. Hab ich doch wieder einmal zu dick aufgetragen, mein Gegenüber nicht wirklich wahrgenommen und manchmal zu unrecht verurteilt.


So etwas passiert. Wir sind Menschen, deren Gefühle nicht im Gleichklang laufen. Sensibilität ist manchmal Mangelware. Sie versickert schnell zwischen den Sätzen, die Großes verkünden wollen. Die Wahrheit ist eben nur die meine. Ich lege sie für mich fest und messe sie an meiner Loyalität.


Liegt es an der Unnötigkeit der Wahrheitstreue, weil das Netz sie nicht fordert?
Sei's drum. Die stetige, nur ein klein wenig zu dick aufgetragen Fantasiewelt entwickelt sich zusehends immer weiter abseits meiner wirklichen Identität. Und irgendwann schlägt das Netz zurück. Die Verstrickung in die eigene Fantasiewelt läuft aus dem Ruder. Es ist zu spät für die Wahrheit.
Mir bleibt nur noch die Option des geordneten Rückzuges.


Die Wahrheit liegt aber immer zwischen zwei Polen, zwischen meiner vielleicht langweiligen Realität und der Wunschwelt, die ich mir zurechtbastele. So ist sie, die virtuelle Welt des Internets. Einsam, brutal, sensibel, unverzeihlich, fantastisch und unvergesslich.


Alles das, was ich jemals im Internet von mir gegeben habe, wird gespeichert. Auch vielleicht unerwünschte oder später bereute Kundgebungen bleiben erhalten. Sie zu löschen wird nicht gelingen. Das Internet vergisst nichts. Doch überlege ich mir die Folgen meines Tuns immer und überall? Emotional zu sein, kann böse Folgen haben.


Niemand von uns wird behaupten können, sich dieser Welt ganz entziehen zu können. Es ist die Kunst des Einzelnen, sich ihr mit Bedacht anzunähern, dabei aber doch dem eigenen ICH treu zu bleiben.
Wer es schafft, dieser Linie zu folgen, wird dankbar sein für die Fülle an Informationen, die das Netz bieten kann.
Jede Generation stand vor besonderen Aufgaben, die sie lösen musste. Wir haben sie mit dem Internet vor uns.


Frei nach Adolf Tegtmeier rezitiert: Einfach nur 'Mensch bleiben', dann wird alles gut.


Text : WL, Bilder : Internet