Mein Montagsauto

Das Leben, gerade, wenn es sich im letzten Drittel der voraussichtlichen Aufenthaltszeit hier auf unserer schönen Erde abspielt, ist allgemein dazu angetan, in etwas ruhigeren Bahnen zu verlaufen.
Jetzt ist dem Porschefahrer allgemein die Langsamkeit nicht gerade das größte Anliegen. Schon die ‚einfachste’ Variante eines Porsche katapultiert dich in die einem 0815-Auto-Fahrer unbekannte Bewegungsmomente.
Schon ein 356er aus den frühen sechziger Jahren besaß eine zu seiner Zeit herausragende Performance, die Porsche selber mit den Worten beschrieb: „Er muss schießen“.


Heute wird das sportliche Vermögen dieses Oldtimers nicht mehr als außergewöhnlich wahrgenommen. Andere Werte sind es, die ihn heute so begehrlich machen. Ich war als Kind dieser Zeit natürlich ebenso Fan dieses Autos, dessen damaliger Preis jede weitere Überlegung zwecks einer Anschaffung im Keime erstickte.
Es sollten noch fast 50 Jahre vergehen, bis dieses Urgestein eines Sportwagens auch mich erneut faszinieren sollte und einen Platz im Portfolio meiner automobilen Leidenschaften fand.
Doch vorerst war es das aktuelle Modell des 911er des Jahres 2005, dessen Form und vor allem mir bis dato unbekannte Bewegungsagilität besonders zusprach.


Ein 997, der es mir erstmals erlaubte, in ihm Platz zu nehmen, ohne sich embryonal zu verformen. Seine Form, seine ihm vorauseilende Performance, seine Geschichte und sein Platz in der Liga der sportlichsten Fahrzeuge, die für mich überhaupt zur Auswahl standen, machten eine Entscheidung leicht.
Meinem ersten Carrera folgte dann auch bald ein Carrera S, der mich bis zur gedanklichen „Wende“ am Ende des Jahres 2013 wie ein braver und verlässlicher Freund begleiten sollte.
Mein 356er stand derweil etwas gelangweilt in der Garage herum. Ich hatte ihn nicht vergessen, aber es gab zunehmend Gründe, ihn etwas zu vernachlässigen.
Er war in einem perfekten Zustand, optisch wie technisch und doch lockte mich der Gedanke, eine Veränderung in Richtung einer Leistungssteigerung vorzunehmen.


Es war mir klar, dass der 356er wie auch mein 997 Cabrio weichen sollten, wenn eine Leistungssteigerung Einzug nehmen sollte.
Mein kleiner Porsche hätte nur schwer eine Zukunft nach mir gehabt. Meine Söhne, beide über 2m groß, passten auch bei aller Faltungskunst nicht annehmbar in dieses Auto. Meine Frau bemängelte die fehlenden Gurte und Kopfstützen und die doch mäßigen Bremsen. Mich ließ das alles solange kalt, wie mich der Gedanke an einen Verkauf noch nicht beschäftigen sollte.
Mein 997 hatte fast die 160.000 km erreicht. Völlig problemlos zwar, aber für mich ein passender Zeitpunkt, sich zu verändern.
Nicht lange musste ich warten, bis beide Fahrzeuge einen neuen Freund gefunden hatten. Glücklich habe ich sie beide vom Hof fahren sehen. Aber war ich es auch ?


Ich hatte mich bereits kundig gemacht, mobile und autoscout konsultiert und mir etwas besonderes ausgesucht. Ein 997-2 Turbo S Cabrio sollte es sein.
Das Angebot war überschaubar. Preise, die mich schon etwas stutzig machten, aber die Entscheidung war unwiederbringlich gefallen.
Nach einigem Hin und Her stand dann bald ein schwarzes Turbo S Cabrio in meiner Garage.
Die ersten Fahrten mit ihm hatten mich überzeugt. Seine Leistungsentfaltung, einfach alles an ihm war gigantisch.


Einige Tage waren vergangen. Ich bemerkte ein immer stärker auftretendes Ruckeln im Drehzahlbereich um 2000 U/min. Im PZ folgte die Diagnose, Katalysator defekt. Ich holte mein Auto mit dem Hinweis wieder ab, dass ein leichtes Ruckeln nach wie vor vorhanden ist. Schon auf dem Weg nach Hause musste ich leider diese Diagnose bestätigen.
Ein weiterer Besuch im PZ brachte keine neue Erkenntnis. Zufällig ergab sich mit dem Besuch bei einem Bekannten auch die Durchsicht des Motorraumes und die Feststellung, dass sich am rechten Ansaugkanal eine Schelle gelöst hatte.
Dieses Problem hatte sich also auch erledigt.


Einige Tage freudigen Fahrens vergingen, bis mich ein Bekannter, der bei einer Ausfahrt hinter mir fuhr, darauf aufmerksam machte, dass die linke Seite des Spoilers sich nicht mehr bewegen wollte.
Auch dieses Problem ließ sich bald wieder richten, sollte mich aber langsam daran zweifeln lassen, nicht doch einem Montagsauto aufgesessen zu sein.
Drei Wochen Urlaub hatten mich ein wenig von allen Problemen entfernt. Gut erholt und zufrieden ging es wieder auf die Heimreise.
Ich freute mich auf mein Auto, hatte ich doch alle Probleme mit ihm derweil in die nächste Schublade verschoben.


Die Gelegenheit, das Auto nach so langer Zeit wieder einmal über eine längere Strecke auszufahren, ergab sich mit dem Besuch beim befreundeten Porschestammtisch Niederrhein. Das Auto lief ausgezeichnet und ich war frohen Mutes, die Schlechtwetterphase dieses Autos überstanden zu haben.
Gegen 21 Uhr machte ich mich auf den Heimweg. Wenig Verkehr, ausgelöst durch das gerade beendete Fußballspiel Deutschland : USA, machte das Fahren zum Vergnügen. Einige schnellere Passagen folgten, aber ich war immer noch weit weg von der Ausnutzung der vollen Leistung des Autos.


In einer Baustelle war 80 km/h angesagt. Plötzlich war eine starke Vibration zu spüren. Es hörte und fühlte sich an, als wenn ein Reifen begann, sich aufzulösen und im Radkasten um sich zu schlagen.
Die Baustelle war zu Ende. Das Geräusch wurde immer stärker. Im Display war bis zu diesem Moment nichts zu sehen. Doch noch im Ausrollen erschienen nacheinander erst das Getriebesymbol und danach das Motorsymbol. Der Motor ging aus. Gerade noch konnte ich rechts hinter einer Notrufsäule halten.


Meine erste Panne mit einem Porsche. Das hörte sich alles gar nicht gut an.
Hinter mir eine schmale Ölspur. Der Blick unter das Auto bestätige das Problem.
Es tropfte irgendwo Öl aus dem Motor.
Mein erster Gedanke: Das war’s, mein lieber Porsche. Ich mochte den Gedanken an einen Motorcrash nicht weiter ausmalen.
Und meine Approved ? Sie war gerade 14 Tage abgelaufen und der Urlaub hatte es verhindert, sie zu verlängern.
Tolle Situation, in der ich mich jetzt befand.
Mir ging es durch den Kopf, zwei tolle Autos verkauft und jetzt dieses große Problem.
Ein Montagsauto in Vollendung.


Der ADAC-Abschleppwagen ließ nicht lange auf sich warten. Eine Stunde später stand das Auto auf dem Hof meines PZ. Irgendwann abends um 0.30 Uhr war ich dann wieder zuhause.
Meine Frau schüttelte nur noch mit dem Kopf, zu Recht.
Am nächsten Morgen die Fahrt zum PZ. Der Werkstattleiter konnte mir nur noch mitteilen, dass erst nächste Woche eine Diagnose stattfinden kann.
Auf die abgelaufene Approved angesprochen antwortete er nur ganz lapidar, Porsche wird sagen, sie hatten 14 Tage Zeit, die Approved zu verlängern. Klar, hatte ich.


Wenn das Problem mit hohen Kosten verbunden sein wird, wenn Porsche der Meinung ist, was schert mich das Problem eines Nobody ohne seine Approved, dann kann es sein, dass meine Zeit mit dem Porsche dem Ende entgegen geht.
Ein Auto mit gerade einmal 72.000 km und im zarten Alter von 4 Jahren sollte einfach nur funktionieren und nicht dauernd die Nähe einer Werkstatt suchen.
Es kommt jetzt nur darauf an, welche Diagnose mit welcher Konsequenz folgt.


Heute dann die schockierende Nachricht vom PZ, im Ölfilter befinden sich Späne !!
Mit anderen Worten, der Motor ist hin.
Pech gehabt. Die Approved greift nicht, ein Kulanzantrag ist eher hoffnungslos.
Eine kurze Diskussion mit dem PZ-Mitarbeiter bestätigt meinen ersten Gedanken, dieses Auto gebe ich lieber in die Hände eines kompetenten Aufbereiters.
Das folgende halbstündige Gespräch mit einem fachkundigen Porschekenner machte mir Hoffnung, vielleicht doch einigermaßen erträglich aus dieser Situation wieder herauszukommen.


Nie hatte ich es für möglich gehalten, jetzt selbst Betroffener eines Motorcrash zu werden. Ich trauere meinem Cobaltblauen nach, ebenso meinem 356er.
Aber es ist jetzt zu spät für Trauerfälle . Die Suppe werde ich wohl selbst auslöffeln müssen. Sauer, bitter und salzig wird sie sein.
Hinter dem Horizont geht's weiter....Ich hoffe es doch.


W.L.


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.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang




Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain

Porsche: (noch) kein Porsche