Freunde

Ein Freund, ja ein guter Freund, das ist das Schönste auf der Welt, sang schon Heinz Rühmann in einem seiner Klassiker aus dem Jahr 1961. Zuverlässigkeit, Vertrauen und Langlebigkeit sind Attribute, die wie ganz zufällig auf zwei Dinge gleichermaßen passen, meinem Freund aus Hamburg und meinem Freund aus Zuffenhausen.


Den einen lernte ich im zarten Alter von 12 Jahren als Spielkamerad 1961 kennen, den anderen mit dem Geburtsjahr 1961 aber erst 46 Jahre später. Den Freund aus Hamburg, inzwischen aus dem aktiven Arbeitsleben ausgestiegen, sehe ich nicht mehr so häufig. Den anderen, ich möchte ihn auch als Rentner bezeichnen, sehe ich tagtäglich.


Der Freund aus Fleisch und Blut hat natürlich den Vorteil, das erzählen zu können, was ihm im Laufe der vergangenen Jahre alles so passiert ist. Der Blechkamerad, mein 356er, hat damit gewisse Schwierigkeiten.
Leider ist er keine Matching Numbers. Sie würde einiges über ihn und seinen Lebenswandel verraten können. Mein Freund aus Hamburg darf sich da schon eher als einen Solchen bezeichnen. Vielleicht fehlen bei ihm diverse Kleinteile, doch großartige Reparaturen, geschweige denn eine neue Lackierung oder Reparaturen am Fahrgestell sind ihm bislang erspart geblieben. Motor, Elektronik, Fahrgestell funktionieren immer noch bestens, mit kleinen Einschränkungen kann ich mich selbst sogar dem Anschließen.


Aber zurück zum Blechkameraden Namens Porsche 356 B T6 Cabrio. Er hat nach meiner Kenntnis mindestens eine Scheidung, aber glücklicherweise auch eine zweite Hochzeit hinter sich. Seine Geburt und etwas später seine erste Hochzeit (typischer frühreifer Halbstarker) muss im Dezember 1961 in Zuffenhausen stattgefunden haben. In den Kirchenbüchern der Porschegemeinde in Zuffenhausen ist zumindest die Hochzeit mit einer 'Dame' mit dem Namen 616/2 und 60 PS festgehalten.


Sein Kleid schmückte im Gegensatz zu heute nicht ein schönes Bordeaux-Rot, sondern ein unauffälliges beige mit rotem Ledergestühl. Auch seine Betriebsenergie ist irgendwann von 6 Volt auf 12 Volt umgebaut worden. Wohl deshalb, um den Ansprüchen der schnelllebigen Zeit und des Wirtschaftswunders einigermaßen gerecht zu werden.


Sein erster Chef, ein hier stationierter amerikanischer Soldat, muss ihn nicht ganz so freundlich behandelt haben, denn schon 1981, nach 20 Jahren hatte er ihn zwar unfallfrei, aber etwas vernachlässigt einem deutschen Porschefreund verkauft. Irgendwann in dieser Zeit bekam er dann einen neuen Motor, der aus einem 356 C gestammt haben muss.


Fleißig hat er ihn dann auch noch komplett auseinander genommen, Teile des Bodenbleches erneuert, hier und da wieder die Technik in Ordnung gebracht, ihm aber seine Ursprünglichkeit erhalten.
Weitere 12 Jahre vergingen, das Auto wurde ein drittes Mal verkauft. Der neue Käufer, anfangs sicher sehr begeistert von dem Auto erhielt ihn dann 1994. Wenig benutzt, aber auch nicht sehr gepflegt, büßte er nach und nach die eine oder andere Funktion ein.
Wohl im Hinblick auf einen bevorstehenden Verkauf erhielt das Auto eine neue, jetzt rote Lackierung und gebrauchte schwarze Ledersitze.
Im Oktober 2007 sollte er im Kundenauftrag von einer bekannten Firma für historische Fahrzeuge wieder verkauft werden.


Im Internet stieß ich auf das jetzt optisch sehr ansehnliche Cabrio. Nach einer Probefahrt noch im Oktober und dem Kauf des Porsches im Dezember 2007, wurde er mittels Hänger in das Münsterland verfrachtet. Im Januar 2008 erhielt das Auto eine komplette Motorrevision, nicht ohne den Verkäufer darauf hinzuweisen, dass sein Auto nicht den erwarteten Zustand gezeigt hatte.
Ein finanzieller Ausgleich zu meinem Vorteil war die Folge.


Die nächsten Monate vergingen mit der Reparatur der vielen kleinen Dinge, die der Vorbesitzer im Laufe der Jahre nicht mehr in Angriff genommen hatte.
Jede Schraube wurde von mir soweit möglich geprüft, die gesamte Technik wieder in Ordnung gebracht. Das Auto bekam seine komplette Funktion zurück.


Das neue Verdeck funktionierte tadellos, Scheibenwischer, Blinker, die Instrumente, alles war wieder so, wie es 1961 einmal geplant war. Der Innerraum wurde mit einem neuen Teppich belegt, die Fensterscheiben wieder gangbar gemacht.
Kein Matching Numbers, aber ein neuer Freund im roten Gewand, der zwar nicht in allen Teilen dem Stand von 1961 entsprach, aber doch einen eigenen ganz besonderen Charakter zeigte.

Zwei verlässliche Freunde zu haben, ist etwas Besonderes.
Vielleicht kann der eine dazu dienen, den anderen zu besuchen, mal sehen, was sich da machen lässt, nicht nur der Porsche war immer verlässlich.


Bild und Text : W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang



Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.