Wenn der Adam im Polo Jazz spielt

Meine Tochter hat kürzlich ihr erstes Kind geboren. Klar, ganz schnell musste auch ein Name her, schließlich will man ja das Kind beim Namen nennen.
Für die Eltern war es klar, der Name sollte ein besonderer sein, nicht Ben, Luca oder Paul, sondern Yona sollte es sein.
Auch unser liebstes Spielzeug, das Auto, ist ja schließlich nicht nur eine Ansammlung von kaltgepressten Molekülen, sondern fordert vom Besitzer eine klare Identifizierung und deutliche Liebesbeweise.


Jetzt haben die Hersteller derselben es uns bereits ein wenig abgenommen und geben ihnen schon mal einen Namen mit auf den Weg.
Zu früheren Zeiten, die ja bekannterweise besser waren, reichten einfache Zahlen- oder Buchstabenkombinationen aus. BMW verkaufte den 1600, 1800 oder 2000. Mercedes hatte den 180D, den 200D usw., Audi verkaufte anfangs schlicht den ‚Audi’, Opel nannten sich Kadett, Record oder Diplomat. Opel als Innovator ?


Irgendwann eroberten die Asiaten den europäischen Markt. Honda tauchte in Deutschland 1963 mit der sog. S-Serie auf, S600, S800 und erst 1972 mit dem Typ Civic.
Es begann der Kampf um die eingängigsten und ansprechendsten Namen, die ein Auto haben konnte. Spezielle kreative Personen in den Planungsabteilungen beschäftigten sich mit ansprechendsten Fantasiebezeichnungen für ihre Produkte.
Opel erweiterte die bislang bescheidene Namensliste ihrer Produkte ins Unüberschaubare mit den Bezeichnungen: Adam, Agila, Ampera, Antara, Astra, Cascada, Combo, Corsa, Insignia, Meriva, Mokka, Movano, Vivaro, und Zafira.


Was sich hinter diesen einzelnen Bezeichnungen versteckt, ist mir bislang verschlossen geblieben. Die Opelaner mag es aber erfreuen, dem Adam die Sporen geben zu dürfen.
VW stand dem kaum nach und schuf den Up, Polo, Golf, Beetle, Passat, Phaeton, Scirocco, Jetta, Touran, Tiguan, Eos und den Amarok, wobei der Golf Kultstatus erreicht hat und in dieser Klasse den Maßstab des Erreichbaren stellt.


Dass man sich manche auf der Straße herumkurvende Karossen besser nach der äußeren Gestalt, als nach dem Namen merken kann, zeigt Nissan mit dem: Leaf, Evalia, Micra, Juke, Qashqai, Pathfinder, Note, Pulsar, Murano, Navara, Evalia und dem GT-R.
Honda hat scheinbar anderes zu tun, als sich mit unaussprechbaren Namen herumzuplagen. Es blieb beim Jazz, Civic und dem Accord.


Wer Toyota fährt, sitzt im Aygo, Yaris, Verso, Auris, Corolla, Avensis, Prius, Proace oder dem Hilux.
Mercedes kreierte die E-Klasse und wollte ganz sicher damit ausdrücken, dass das Maß der automobilen Beweglichkeit hier zu suchen ist, was dann bei der S-Klasse als Synonym für Luxus und Komfort noch eine Steigerung fand.


BMW beschränkte sich auf die einfache Kennzeichnung wie den Dreier, den Fünfer, den Siebener usw. und überzeugte eher durch Sportlichkeit, Leistung und Komfort.
Audi musste sich erst nach und nach einen Platz in der automobilen Oberklasse erobern, ließ es aber bei einfachen und klaren Bezeichnungen wie den A1, A3, bis zum A8 oder R8. Auch Audi setzte eher auf Überzeugungskraft durch Leistung, Optik und Qualität, als auf nichts sagende Namen.


Porsche hatte sich alleine durch die Konstruktion des 356 und 1964 durch den 911 zwei Ikonen geschaffen, die keiner weiteren Erklärung bedürfen.
Wer in den 50er und 60er Jahren einen 356er fuhr, gehörte zur automobilen High Society.
Egal ob A, B oder C, ob Coupe oder Cabrio, man war damit up to date.


Gut, auch schon damals wurden durch Porsche Kunstnamen kreiert, die der amerikanische Markt forderte.
Continental, Speedster, American Roadster und 1955 zum ersten mal aufgetaucht auch der Name Carrera (benannt nach dem Langstreckenrennen Carrera Panamericana) sind heute die besonders teuren und gefragten Varianten des 356.


Eng verbunden mit dem 911 sind die Bezeichnungen Targa, Speedster, Carrera und Turbo.
Dem Kind einen Namen zu geben, scheint auch bezüglich des heißgeliebten Blechles von großer Bedeutung zu sein.
Der Auskunft, ich fahre einen Porsche, folgt meistens die Nachfrage: Welchen denn ?


Es ist nicht nur eine Frage des Geldbeutels, ob ein 911er, ein Cayman, Boxster, oder was auch immer in der Garage stehen mag. Einen 911er zu besitzen, geht in vielen Fällen die Erfüllung eines Kindheitstraumes voraus und es ist auch eine Frage nach dem Klang des Namens des gewählten Fahrzeuges. Ein Käfer war das Synonym für Zuverlässigkeit und Langlebigkeit, ein Golf tritt heute ganz in diese Fußstapfen.


Ein Opel Record hat ebenso seine bewegte Geschichte, wie die eines Ford Capri oder die eines Audi Quattro.
Diese Namen haben die Autowelt bereichert und bekannt gemacht.


Die Zeit, neuer in die automobile Geschichte eingehender Namen, ist wohl vorbei.
Ob demnach jemals ein Verso, ein Juke, ein Combo oder ein Cactus diesen Status erreichen wird, möchte ich bezweifeln.


Da muss es wohl erst soweit kommen, dass der Adam im Polo Jazz spielt.


:wink:


Text: W.L., Bild : Internet


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pff.de/wcf/index.php?attachment/227268/

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang




Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain

Porsche: (noch) kein Porsche