Das Ende einer Freundschaft?

Die eigenen Meinungen und Vorstellungen im Laufe der Jahre zu ändern, gehört zum Wesen des Menschen. Schließlich steht ein Entwicklungsprozess dahinter, der mit der Geburt beginnt und erst mit dem Tode endet. Stagnation ist bekanntlich Rückschritt und aus dieser Sicht kann der Blick nur nach vorne gerichtet sein.


Vorlieben, Geschmäcker, Einstellungen reifen mit den Jahren oder werden komplett durch neue ersetzt.
So mag eine Umorientierung bezüglich des fahrbaren Untersatzes durchaus häufiger geschehen. Finanzielle, berufliche oder weitere Gründe unterstützen diesen Prozess.
Einen kleinen Unterschied mag es geben. Porschefahrer gehören zu der seltenen Spezies, die bis zu einem Leben lang oder sogar darüber hinaus, ihrer Marke treu bleiben.


Ich bin erst im zarten 7. Jahr verbunden mit dem Porsche als dauernden Gefährten.
Und da ist es wieder, das verflixte 7. Jahr. Es muss doch etwas daran sein, dass diese Zeitspanne immer wieder periodisch unser Leben durchkreuzt.
Vielleicht läuft in unserem Inneren eine Uhr ab, die aus welchem Grund auch immer nach 7 Jahren den Hinweis gibt, sich doch einmal nach einer Veränderung umzusehen.


Um es vorweg zu nehmen, die innere Uhr hat kürzlich bei mir getickt. Und plötzlich tauchte die Idee auf, den Fuhrpark zu verändern. Dass dabei überhaupt ein Porsche ins Gespräch kam, lag erstrangig daran, dass die Nutzung des 356er in den letzten Jahren doch ein wenig zu Gunsten des 911er zurück gestanden hatte.


Hinzu kam, dass sich die Preisentwicklung speziell des Porsche 356er Cabrios in den vergangenen Jahren so positiv entwickelt hatte, dass besser als jede Rendite aus der gesamten Finanzwelt Wertsteigerungen von über 50% zu verzeichnen waren.
So kam denn der Gedanke auf, den 356er zu Gunsten eines Neuerwerbes in Form eines 997 Turbos und natürlich auch verbunden mit dem Verkauf meines 997 Cabrios abzustoßen.


Von Anfang an löste dieser Gedanke aber enorme Konflikte und Fragestellungen in mir aus. Darf ein 356er überhaupt verkauft werden ?
Warum habe ich mir soviel Mühe mit der Restaurierung des Autos gegeben ? Völlig klar war, dass er mir seinen Verkauf in fremde Hände nie verzeihen würde.


Aber plötzlich stand er in mobile.de. Ansprechend abgebildet und in höchsten Tönen gelobt. Ich kam mir vor wie ein Verräter. Anrufe und Interessenten gab es sofort. Der gleichzeitige Versuch, im Porscheforum Rechtfertigung für mein Tun zu bekommen, misslang natürlich. Ich hatte es schon so geahnt. Das Meinungsbild dazu war erwartungsgemäß durch zwei unvereinbare Lager gekennzeichnet. Verkaufen, was willst du mit so einem alten Schluffen ? Oder, Niemals verkaufen, du wirst es später schwer bereuen….hieß es dort.


Diverse Gespräche mit verschiedenen Porschefreunden führten dann konsequenterweise zu der Erkenntnis, dass mein Vorhaben als nichts weiter als ‚fahrlässig’ und unvernünftig tituliert werden konnte. Ein 356er wird seinen Wert eher steigern, schließlich war er niemals ein Massenprodukt und gerade ein Cabrio erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Auch mein 997 Cabrio hatte sein attraktives Äußeres in den Jahren kaum eingebüßt. Ich war doch voll und ganz mit ihm zufrieden. Warum also verkaufen? Nur um in der Längsdynamik zu profitieren?


Gut, ein 997, egal welchen Typs, wird im Wert eher sinken, ist er doch inzwischen zum Massenprodukt entweiht geworden. Klar, kein Vergleich zu den Produktionszahlen von VW, BMW und Mercedes, aber eben doch in einer Größenordnung, die dazu führt, dass seit der Einführung des 991 der Markt von 997-Typen überschwemmt wird.


Wer würde sich demnach noch meines 997 Cabrios mit inzwischen 143.000km annehmen ? Ein weiteres Verlustgeschäft würde sich da anbahnen.
Klar, schon der Kauf eines Porsche an sich ist unvernünftig. Teuer ist er und bestenfalls als Zweitwagen zu gebrauchen, mit einem relativ hohen Spritverbrauch, in der heutigen kritischen Zeit eher unvereinbar mit dem Umweltgedanken. Aber warum sind Porschefahrer so unvernünftig ?
Darüber zu diskutieren wäre ebenso unvernünftig.


Ich drehte mich inzwischen im Kreise. Die Freundschaft aufzukündigen, die in den letzten Jahren gewachsen war und mir soviel Freude auch zum 356er gebracht hatte, kam jetzt nicht mehr in Frage.
Zwar schwebt mir immer noch der Geist und der Charme des Neuen durch den Kopf, aber der Status Quo hat sich als einzig vernünftige Variante heraus gestellt.


Vom Ende einer Freundschaft kann also nicht die Rede sein, ganz im Gegenteil, sie ist fester denn je.


Bild und Text : W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang



Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.