Der beschwerliche Weg zum Porschefahrer

Porschefahrer zu werden ist eigentlich kein Problem, denkt der gemeine Straßenbenutzer und meint, mit dem Kauf irgendeines Porsche sei man bereits in die Gemeinde aufgenommen.
Nein, nein, so einfach geht das nicht. Es handelt sich hier um einen Reifungsprozess des Neueinsteigers, der wohl dosiert, qualitätsvoll und sittsam ablaufen muss.
Schließlich gibt es einen Ruf zu verteidigen und nicht jeder daherfahrende Audi/BMW/Mercedesfahrer besitzt die intellektuelle Reife oder die uneingeschränkte Eignung, einen Porsche fahren zu können, geschweige denn zu besitzen. :D


Natürlich steht die Beschäftigung mittels der Literatur im Vordergrund der ersten Annäherung an das Objekt der Begierde.
Von grundlegender Bedeutung für eine porschegemäße Reife ist die Mitgliedschaft im PFF. Hier werden deine Beiträge kritisch geprüft und dein Vorhaben wohlwollend begleitet.


Es folgt die Testphase im nahe liegenden PZ in der Form ‚interessieren Sie sich für den 991 oder 997 oder für was denn?’. Schließlich handelt es sich dabei nicht um die Telefonnummer des nächsten Baumarktes, sondern, ach ihr wisst schon.
Werden diese Grundanforderungen schon im Ansatz nicht erfüllt, wird dieser Kunde sich im Autohaus gegenüber umsehen müssen.


Ist die Vertrauensbasis der Stufe 1 erreicht, erhält man den Schlüssel des Testfahrzeuges, der in der rechten Hand gehalten bereits deutlich macht, dass es noch ein langer Weg zum richtigen Porschefahrer sein wird.
Erste Testfahrten bedeuten meistens, sich dem Porsche hinzugeben. Alle Versuche scheitern, ihn untertänig zu machen. So rollt man denn mehr oder weniger berauscht ein paar Runden um das PZ, um festzustellen, vergleichbares noch nicht gefahren zu haben und zu verstehen, dass das eigene bisherige Gefährt eigentlich nur ein Fortbewegungsmittel ohne jede Emotion gewesen ist.


Stufe 2 wird erreicht mit dem Hinterlegen einer solventen Unterschrift unter den Kaufvertrag und es ist zugleich der Beginn der Reifephase des Aspiranten. Sie ist gekennzeichnet durch Ungeduld, Herzattacken, Schweißausbrüche und ständige Gänge ins PZ.


Anruf des PZ. Stufe 3 ist erreicht. Das Auto steht zum Abholen im PZ bereit.
Erste Anzeichen einer porschegemäßen Verhaltensweise äußern sich in dem links und rechts liegen lassenden Papierstapel auf dem Schreibtisch des Büros und dem fluchtartigen verlassen desselben.


Stufe 4 ist erreicht, wenn die Abwesenheit des abhängig Arbeitenden den Chef nicht zu Konsequenzen veranlasst. Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein sollten selbstverständliche Attribute eines Porschefahrers sein.


Wir kommen zur Stufe 5. Sie ist ganz dem innigen Verhältnis zwischen dem Fahrzeug und seinem Besitzer gewidmet.


Deshalb die folgenden Hinweise:
Mache dir dein neues Auto begehrenswert, indem du ihm das Eine oder Andere nette Ausstattungsdetail spendierst, wie neue Felgen, einen Sportauspuff, oder was dir auch immer sonst noch einfallen sollte.


Irgendwann wird er dir ans Herz gewachsen sein und du wirst ihn um alles in der Welt nicht wieder hergeben.


Lass deine Frau mit ihm fahren. Verspürst du dabei ein gewisses Maß an Unwohlsein, ist die Bindung zwischen dir und deinem Porsche schon sehr weit fortgeschritten.


Beobachte deine Umwelt. Verfolgen dich so manche neidende Blicke in deinem Auto, spricht vielleicht dein Nachbar neuerdings nur von Ferrari, wird in der Firma hinter deinem Rücken getuschelt, gibt es ohnehin kein zurück mehr.


Erwischt du dich dabei, morgens vor der Fahrt mit dem Kollegen in die Firma noch mal eben schnell den Zustand deines Porsche zu kontrollieren, willst du nach der Geschäftsreise erst einmal dein Auto und nicht deine Frau begrüßen, musst du dir um das Verhältnis zu deinem Porsche keine Gedanken mehr machen.


Verursacht eine Beule im Blech deines Autos bei dir eine leichte Herzattacke, ist dir zum Tanken keine Tankstelle zu weit, kein Preis zu hoch, findet deine Frau ihre besten Putzutensilien immer nur in deiner Garage, bist du plötzlich auch für den besten Freund wegen wichtiger Arbeiten in der Garage nicht mehr zu sprechen, liegt deine Briefmarkensammlung unsortiert in der Schublade, fragen deine Kinder deine Frau, wer ist denn der fremde Mann in der Garage, hast du zwar den Zenit deiner Familienuntauglichkeit erreicht, aber du bist auf dem besten Wege, ein nützliches Mitglied in der Porschegemeinde zu werden.


Ich wünsche allen viel Erfolg auf dem beschwerlichen Weg zum echten Porschefahrer.



Bild: Internet, Text: W.L.

.....997/2 Turbo S Cabrio


Gruß
Wolfgang



Ich weise darauf hin, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Weisheiten selbst gewusst habe.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Weisheiten sind wissentlich unbewusst.