Wie lange fährst du schon Porsche?

Warum ausgerechnet Porsche?


Auf einer geschäftlichen Fahrt mit meinem Porsche 944S2 Cabrio fand das Fahrzeug Gefallen bei meiner neuen Kollegin und sie stellte die Initialfrage: „Wie lange fährst Du eigentlich schon Porsche“?
Darüber hatte ich mir bisher noch gar keine Gedanken gemacht - ein erstes Nachdenken brachte es an den Tag, es war schon fast ein halbes Leben.


Das war der Beginn einer Art Vergangenheitsbewältigung. Ich hatte in den letzten Jahrzehnten nie einen Gedanken darauf verschwendet, etwas anderes als einen Porsche zu fahren - ja - so war es.
Warum eigentlich nicht Opel, Ford oder besser Mercedes. Auch Alfa hatte mich immer gereizt.


Alles begann mit dem „Volksporsche“ genannten Wagen, der seinerzeit, es muß in den späten Siebzigern gewesen sein, durch aufsehen erregendes Styling in Verbindung mit einem echten Mittelmotor, wenn auch zunächst von VW, Furore machte. Hinter den beiden Sitzen war gnadenlos Schluß mit dem Platzangebot. Zwischen den beiden Vordersitzen gab es noch den sogenannten Notsitz, der wohl so benannt war, weil derjenige der ihn benutzte, schon in der ersten scharf gefahrenen Kurve, für so etwas sind Mittelmotorfahrzeuge doch wohl ausgelegt, auf dem glatten Kunstleder tatsächlich in Not geriet.
Mich als Student interessierten damals Rücksitzbänke nur selten - ich wollte schließlich selber fahren- wenn doch einmal, dann nur, weil meistens die Wirtinnen meiner wechselnden Bekannten nichts von männlichen Kommilitonen auf dem Zimmer hielten.


Ein weiterer gebrauchter 914/4 folgte, leider nie der 914/6, dann kam der erste 924, gefolgt von einem besser ausgestatteten, mit 30 wurde ich endlich anspruchsvoll! Außerdem waren Freundinnen mit einer eigenen Wohnung nun ein Muss.


Der nächste Porsche ein 924S vermittelte aufgrund seiner Ausgleichswellen im Motor bereits einen Hauch von Sechszylinder, der anschließend erworbene 924 Turbo war wieder so rauh, wie es sich für einen kernigen Vierzylinder gehört. Doch dafür war der Tritt aufs Gaspedal ein fulminantes Erlebnis der ganz besonderen Art, was schließlich auch das Fahrzeug in plötzlichen intensiven Kontakt mit einer Leitplanke brachte und mich erneut Gebrauchtwagenangebote studieren ließ.


Doch wo lag die Wurzel der Porsche-Manie? Wieso kreuzte nie ein normales Brot- und Butterfahrzeug meinen Weg? Tief im Unterbewusstsein muss dieser Pavlowsche Reflex verankert worden sein. Doch wer hat ihn dort, wann, eingeprägt?


Weihnachten kam mir plötzlich die Erleuchtung - genau - es war ein Weihnachtsgeschenk gewesen - ein Distler Porsche 356 Electromatic 7500 - ein Spielzeug Cabrio aus Blech mit Elektromotor.
In den Fünfzigern war es keineswegs selbstverständlich, ein so schönes Spielzeugauto geschenkt zu bekommen. Es war eher außergewöhnlich und bedeutete sehr viel. Für die 15.- DM konnte man auch einen großen Sack Kartoffeln kaufen, der in dieser Zeit in vielen Familien wichtiger war als ein Distler.


Ich muß etwa acht Jahre alt gewesen sein und bewunderte oft die Steigfähigkeit am schräggestellten Bücherbrett. Zwei Vorwärtsgänge, ein Rückwärtsgang und Leerlauf faszinierten jeden technisch begeisterten Jungen. Der Motor wurde durch einen richtigen Zündschlüssel mit Ledermäppchen im Armaturenbrett gestartet. Mit einer biegsamen Welle, die auf Lenkrad und Schaltknüppel aufgesetzt wurde, konnte das Auto von oben ferngelenkt und geschaltet werden.
Doch trotz des robusten Motors und des Spielspaßes nahm auch dieses schöne Blechspielzeug irgendwann den Weg allen Irdischen.


Damit war mein unstillbarer Appetit auf Porsche Fahrzeuge für immer in mir verankert, der aber erst wieder im Führerscheinalter geweckt wurde. Damit begann nun die „Sucht.
Jetzt waren die Preise deutlich höher, doch dafür gab es aktiven Fahrspaß.


Ein Spaß der auch heute noch anhält - ich kann nicht anders.


Copyright Siegfried Seiffert

Sigurd

Distler Porsche 356 Elektromatic 7500


Tiiiime is on my side !