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Meine erste Porschefahrt

Bewertung:

Von fritze, Donnerstag, 5. Juli 2012, 17:04

Hier ist sie, die Beschreibung der ersten Fahrt im 356....

1958

hellelfenbein ist der 356, eine Dame (wie ich später herausgefunden habe) mit 60 PS.
Dem Freund des Nachbarn ist wohl aufgefallen, dass ich als gerade Sechsjähriger mir immer die Nase platt gedrückt habe. "Willst du mal mitfahren?" Nichts was ich mir mehr gewünscht hätte!

An einem warmen Frühlingstag ist es dann soweit.

Hinten, auf der Rücksitzbank, mit dem Blick nach vorne und zur Seite so gerade noch die Straße erahnend geht es los. Landstraße, Kurve, Gerade, Kurve-der Besitzer lässt es so richtig angehen, der Porsche rast mit schier unbegreiflichen 120 Stundenkilometern über die Piste...Nichts mit Seitenhalt, verkrampft halte ich mich am Leder des Vordersitzes fest, jede Bewegung geht in den Kopf und schließlich in die Magengegend..Gerade schaffe ich es noch nach einem Halt zu rufen und dann nach draußen und der gute Sonntagsbraten bahnt sich den Weg ins Freie...

Klarer Fall, meint der Fahrer, schlechte Sitzposition, du musst vorne sitzen.

Der Weg nach Hause zu Fuß wäre zu weit, daher klettere ich notgedrungen wieder in das
Coupe.

Ja, und dann folgt das, was ich seither immer mit Virusinfektion bezeichnet habe, völlig unheilbar, trotz manch guter Ratschläge, technischer Hilfsmittel usw. usf.:

Vorne, auf einem zusammen gefalteten Plaid sitzend, natürlich ohne Sicherheitsgurt, der Fahrer hin und wieder an seiner Zigarre ziehend, erlebe ich, mit welch rasanter Geschwindigkeit "wir" alles überholen, was vor uns fährt. Die Kurven sind die selben wie zuvor (nur in umgekehrter Reihenfolge), zunehmend bin ich begeistert, selbst als Beifahrer habe ich das Gefühl des Verwachsen-Seins mit dem 356...

Zuhause angekommen sprudle ich über (mit dem Erzählen, natürlich), das Malheur zur Halbzeit kommt als gentlemen's-agreement nicht zur Sprache...

und diese erste Fahrt wird mir ebenso unvergesslich bleiben wie viele folgende Fahrten später mit "Onkel Willi"; einer der Höhepunkte war die Abholung des Folgewagens, des 356 Cabrio-Hardtops im März 1962 in Zuffenhausen.

Das ist das Auto, das ich 1976 selbst übernehmen konnte.

Aber das ist wieder eine andere Geschichte...

Fritz

Kommentare (4)

  • Freitag, 10. August 2012, 08:39

    Von DIRK (911)

    4

    Hallo Fritz,

    danke für diesen wirklich schönen Beitrag. Uns ging es ja bekanntlich so ähnlich, auch wenn das Erlebnis der ersten Fahrt gerade einmal gut einen Monat zurückliegt. Nach der Tagestour mit dem geliehenen 356 Vintage Speedster in den Dolomiten gab es nach unserer Rückkehr kein Halten mehr; wir mussten so ein Fahrzeug besitzen. Nun haben wir schon die ersten paar hundert Kilometer unseren Traum ausgelebt und jeden Meter, jede Sekunde unbeschreiblich genossen....
    Bis bald
    DIRK

  • Freitag, 13. Juli 2012, 23:46

    Von vedro

    3

    Fritz, du sechsjährige Memme :rf:
    Das Erlebnis hat sich wohl sehr stark eingebrannt, wenn du nach über fünfzig Jahren noch eine halbe Seite davon schreiben und gut übermitteln kannst.
    Sehr, sehr schön :thumb:

  • Montag, 9. Juli 2012, 06:37

    Von wolfgang31248

    2

    Das Leben prägt dir in jeder Sekunde seinen Stempel auf.
    Vieles von dem Erlebten oder Erfahrenem bleibt später verschollen, hat kaum Einfluss auf das, was im Laufe des Lebens geschieht.
    Manches aber hat Konsequenzen. Erinnerungen werden wach und wollen befriedigt werden.
    Mein 356er hat seinen Ursprung auch in den 60er Jahren, wo ich als junger Mann sehnsuchtsvoll dem Sportwagen Porsche hinterher sehen musste.

  • Donnerstag, 5. Juli 2012, 19:48

    Von Tombow

    1

    Danke fürs posten. Ich mache kein Hehl daraus, daß ich zum Porsche gekommen bin nur aus dem Wunsch nach einem Roadster mit Fahrspaßfaktor, in Gedanken bin ich immer wieder auf den Spuren des Mythos Porsche...und diese Geschichte ist ein Teil davon.

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