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Der Cayman S im Vergleich zum Porsche 964... und 924!

Liebt Kurven: Der Cayman

Im Porsche Zentrum (PZ) meines Vertrauens wurden die "Mittelstürmertage" gestartet und so kam ich in den Genuß, einen Cayman S mit Tiptronic (war Zufall, zumindest von mir nicht ausdrücklich gewünscht) in Blaumetallic für ca. vier Stunden zu fahren. Letztes Jahr hatte ich bei meinen Touren eine wunderschöne Strecke durch den Odenwald ausgetüftelt, die insbesondere in der Anfangsphase fast nur aus (engen) Kurven besteht. Diese Strecke hatte ich mit meinen 924 als auch meinem 964 Cabrio schon öfters unter die Räder genommen und hier sollte nun auch der Schnappi zeigen, was er kann. Nach den Formalitäten im PZ ging es jedoch noch mal kurz nach Hause, um mich mit Flüssigkeit für die Fahrt und das PCM mit dem richtigen CD-Inhalt zu versorgen. Die Fahrt konnte damit beginnen und ich war sehr gespannt darauf, was der Cayman fahrtechnisch alles zu bieten hat.




Als erstes erfolgte ein kurzer Abstecher auf die Autobahn. Der Motor war eigentlich schon bei der Übergabe im PZ warm und so stand technisch gesehen einem kurzen Highspeed-Test nichts mehr im Wege. Das Verkehrsaufkommen auf der A67 war auch ungewöhnlich gering. Als das Tempolimit von 100 km/h aufgehoben wurde, hatte ich das rechte Pedal also bis zum Bodenblech durchgetreten, und Schnappi schoß vehement nach vorne. Allerdings fühlte es sich auch nicht gravierend anders an als bei meinem 964. Das ist auch nicht wirklich verwunderlich, da mein 964 sich leistungsmäßig annähernd auf Cayman-Niveau befindet.

Der Motor war deutlich zu hören, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie beim meinem Elfer. Auch Windgeräusche von den Seitenfenstern waren zu vernehmen, aber natürlich kein Vergleich zum Getöse im geschlossenen Cabrio. CD-Hören war weiterhin möglich, was sich in diesem Geschwindigkeitsbereich im Cabrio aufgrund der Windgeräusche eigentlich erübrigt. Richtungsstabilität als auch Leistung der Bremsen waren erwartungsgemäß nicht zu beanstanden - schließlich handelt es sich ja um einen Porsche. Im Cayman kam niemals ein Gefühl der Unsicherheit auf, was im 964 auch nicht anders ist. Der 924 ist hingegen schon bei Tacho(!) 200 km/h gefühlsmäßig "sauschnell" und man möchte nicht sonderlich viel schneller fahren.

Laut digitaler Geschwindigkeitsanzeige kam ich bei meinem Vollgastest im Cayman S auf 273 km/h, bevor ich verkehrsbedingt wieder verlangsamen musste. Ähnliche Werte erreiche ich auch mit meinem Elfer auf diesem Streckenabschnitt, wobei die Messung hier ebenfalls nur per Bordcomputer erfolgte (demnach keine exakten GPS-Daten). Im hessischen Lorsch ging es runter von der Autobahn, über die Querspange B47 hinüber zur parallel verlaufenden A5 und wieder nach Süden bis zur Ausfahrt Hirschberg. Diesmal mit gemäßigter Geschwindigkeit, da es ein höheres Verkehrsaufkommen und eine nur zweispurige Richtungsfahrbahn gab. Dennoch war ich recht schnell unterwegs, da auch der Schnappi ausreichend Überholprestige besitzt und die vorherfahrenden Verkehrsteilnehmer freiwillig die linke Spur räumten.

Bis hierhin konnte ich keinen gravierenden Unterschied zum meinem Elfer feststellen. Der Cayman S war etwas ruhiger, etwas komfortabler und wohl auch etwas schneller als mein 964, aber bisher waren das noch keine weltbewegenden Unterschiede. Es wurde damit Zeit für den zweiten Teil des Tests: Wie wird sich Schnappi wohl bei enger und schneller Kurvenfahrt verhalten? Es ging also von Hirschberg weiter nach (Weinheim)-Großsachsen und von da ab in den Odenwald, um dieser Frage nachzugehen.

Die nun folgende Strecke besteht gerade in der Anfangsphase eigentlich nur aus engen Kurven, die sich allmählich den Berg hoch winden. Hier zeigte sich dann der Unterschied: Schnappi lenkte deutlich williger in die Kurven ein, als ich es vom Elfer gewohnt bin. Obwohl der Cayman etwas länger (4315 mm zu 4250 mm) und vor allem deutlich breiter (1780 mm zu 1652 mm) sowie mit längerem Radstand (2415 mm zu 2272 mm) versehen ist, wirkte er doch auf diesem Terrain agiler und handlicher als mein 964. Ob ich wirklich schneller war, vermag ich nicht zu sagen, aber alles ging etwas müheloser von der Hand. Gerade in den Wechselkurven oder ganz engen Kehren war Schnappi gefühlsmäßig vorne. Der Cayman warf sich gierig in jede Kurve, wohingegen man beim Elfer doch etwas nachdrücklicher ins Lenkrad greifen muss. Neben dem Mittelmotor spielt hier sicherlich auch der größere mögliche Lenkeinschlag eine Rolle, der bei meinem 964 wegen der 17“ Räder begrenzt ist. (Der Wendekreis des Cayman ist natürlich auch deutlich kleiner). Der Schnappi rollte übrigens auf den serienmäßigen 18“ Rädern. Ich durfte ebenfalls feststellen, dass die leichte Unruhe beim Anbremsen auf schlechtem Fahrbahnbelag, die ich vom 964 kenne, hier nicht festzustellen war.

Es war an diesem Tag generell wenig Verkehr, so dass es kaum "rollende Hindernisse" zu umfahren galt, was aber aufgrund der 295 PS auch kein wirkliches Problem war. Das geringe Verkehrsaufkommen schien es mir dann auch rechtzufertigen, diese seltsamen rot umrandeten weißen Verkehrsschilder mit Ziffern darauf nur als Empfehlungen auszulegen... Nachdem der Anfangsteil der Tour von mir im Voraus festgelegt war, ließ ich mich von der Laune einfach weiter treiben. Die Straße führte mich dann in den mir aus meiner Jugend hinreichend bekannten Teil des Odenwalds und schließlich in meine Geburtsstadt an der Schnittstelle zwischen Odenwald und Neckartal. Die geplante direkte Rückfahrt durch das Neckartal wurde dann ab Neckargemünd noch kurzfristig mit einem Abstecher in den Kraichgau variiert, da ich gut in der Zeit lag. Da es eine kurze Strecke (zum Glück auf der Bundesstraße) auch regnete, musste ich leider feststellen, das es auch bei nur spaltweit geöffnetem Seitenfenster schnell hereinregnet. Hier ist der alte Elfer mit seinen vorderen kleinen Dreiecksfenstern im Vorteil. Auch beim 924, der diese ja nicht besitzt, kommt das Wasser nicht so schnell herein. Es hat zwar nichts mit einem Cayman zu tun, aber dennoch: Hier kam mir ein 959 in Silber entgegen...

An der Anschlussstelle Wiesloch-Rauenberg ging es dann wieder auf die A6, an der Anschlussstelle Mannheim-Schwetzingen wieder runter und von Schwetzingen aus durch den Wald ins PZ Mannheim nach Mannheim-Friedrichsfeld. Fast auf die Minute genau kam ich zum vereinbarten Abgabetermin um 16:30 Uhr an und gab Schnappi wieder in die Obhut des PZ.

Mein Fazit zum Cayman S, vor allem im Vergleich zum 964

Als (kleinen) negativen Punkt ist das für meinen Geschmack etwas zu große und vor allem zu dünne Lenkrad zu nennen. Was mich aber beeindruckt hat, war die tolle Agilität und Handlichkeit des Cayman und auch den sehr spontan auf geringste Bewegungen des Gaspedals reagierenden Motor. Er reagiert spontaner als der Motor in meinem 964, obwohl der auf Luftmassenmesser (Cartronic LM220) umgerüstet ist. Ebenso das Fahrwerk, das für mich ausreichend sportlich und straff und dennoch nicht unkomfortabel ist, ist ein ganz deutliches Plus. Insbesondere die Schläge von Querfugen an der Hinterachse, die ich vom 964 gewohnt bin, blieben aus. Auch die gewisse Nervosität auf schlechtem Straßenbelag, insbesondere beim Anbremsen sind beim Cayman nicht zu spüren. Er liegt immer perfekt auf der Straße und legt ein Fahrverhalten wie ein Go-Kart an den Tag.

Die Tiptronic: Mein 964 wird hautsächlich im manuellen Modus bewegt. Beim Cayman habe ich nach kurzer Zeit auf den Automatikmodus gewechselt und diesen dann auch überwiegend genutzt, da ich mit den Wipptasten, insbesondere in den engeren Kurven, nicht klar kam. Das mag vielleicht lediglich eine Übungssache sein. Aber so habe ich auf meiner Testfahrt die Möglichkeit vermisst, wie in meinem ollen Elfer über den Schalthebel zu schalten. Allerdings muss ich auch sagen, das nach meinem Empfinden die Cayman-Tiptronic auch im Automatik-Modus wirklich gut funktioniert. Zudem kann man auch in diesem Modus über die Wipptasten jederzeit manuell eingreifen. Über das Gaspedal kann man auch ganz gut die Hochschaltpunke bestimmen. Klarer Vorteil für den Cayman: Die 5- statt lediglich 4 Fahrstufen wie bei meinem 964, da ist in bestimmten Situationen der Abstand zwischen 1. und 2. Stufe einfach zu groß. Was mir zudem aufgefallen ist: Beim Kickdown zum Überholen schaltete die Tiptronic zunächst nur in die 3. Stufe hinunter (aus der 5.), um dann doch noch in die 2. Stufe zu schalten.

Der Sound: Der Motor ist bei jedem noch so leichten Niedertreten des Gaspedals auch akustisch präsent und steigert sich ab ca. 4.000 bis 4.500 U/min bis hin zur Schaltdrehzahl zu einem imposanten Trompetensound. Das klingt nicht schlecht, ist aber dennoch nichts im Vergleich zu meinem Lufti. Der ist akustisch noch deutlich mehr „Hardcore“ und bietet auch eine erheblich größere Bandbreite an akustischen Reizen. Vom gemütlichen Grummeln bei 60 km/h im großen Gang über ein Bellen bis hin zum heiseren Kreischen und Brüllen jenseits der 6.000 Touren. Ganz zu schweigen von den schwerlich zu beschreibenden, aber absolut faszinierenden Geräuschen im Schiebebetrieb, von denen ich beim Schnappi eigentlich nichts ausmachen konnte.

Ansonsten muss ich sagen, dass im Cayman alles etwas leichter geht, angefangen bei den Bedienkräften: Sowohl die Lenk- als auch die Pedalkräfte sind geringer, ebenso die Haltekräfte in schnellen Kurven. Der Schnappi ist schon deutlich einfacher zu fahren als mein Alteisen, wo man insbesondere bei forcierter Gangart deutlicher hinlangen muss und überhaupt ein aktiveres Fahren erfordert ist. Aber auch das hat ja seinen (sicherlich nicht für jeden nachvollziehbaren) Reiz. Beim Cayman ist alles ein wenig unspektakulärer, wobei er bei gleichem Einsatz sicherlich schneller ist, auch wenn man es nicht so spürt.

Meinen Elfer gegen einen Cayman S tauschen würde ich nicht, den 924 jedoch sofort (wird sich nur leider niemand darauf einlassen). Aber als zusätzliche Option irgendwann einen Cayman zu besitzen, das hätte schon was...

mb 02.2007

Bildmaterial © Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG und Matthias Brausch

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