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Klassiker mit reichlich Chrom: Der Porsche 356 C

356 C Cabrio (Mj.1964)

Ein rundlich geformtes Auto mit üppig gewölbten Flanken, ein Sportwagen aus der Zeit bevor Leichtmetallfelgen mit Gummiwalzen oder gar Spoiler für den sportiven Auftritt sorgten. Stattdessen Chrom in Hülle und Fülle und eine Aerodynamik, die man ihm vom bloßen Hinschauen bescheinigt. Der letzte 356er mit dem Kennbuchstaben C ist wie seine Vorgänger B, A und preA ein solides Stück Eisen - 'gehämmert aus einem Guß'. Modernere Porsche von Typ 911 sind natürlich klar überlegen, aber besser im handwerklich- technischen Sinn sind sie nicht.

Also, erst einmal Platz nehmen - laden wir unsere paar Kilo zu den 930 kg Leichtgewicht dazu. Unverwechselbar! Kein 'Küchenstuhl', wie sonst in 60er Jahre Autos, man versinkt hinter hohen Karosserieborden auf den komfortabel gepolsterten Fauteuils. Klar sind die Federn schon etwas müde im Fahrersitz, aber man sitzt bequem, entspannt, tief und geborgen.




Den filigranen Schlüssel hält man natürlich in der linken Hand. Eine kleine Drehung, zwei Lampen beginnen zu glimmen, Benzinuhr schlägt aus - Zündung! Der Anlasser dreht auch mit 6 Volt Bordspannung ausreichend durch, der Motor zündet nicht! Wie steht der Benzinhahn unter dem Armaturenbrett? Benzinhahn steht senkrecht nach oben, also alles klar. Ach ja - Pumpen vergessen. Einige Male das Gaspedal durchtreten, mit Halbgas noch einmal starten. Da setzt der Klang im Heck ein, etwas aufsteigenden blauen Rauch zeigt uns der Porsche. Aber kein Grund zur Besorgnis, wenn der Wagen etwas gestanden hat. Etwas durchgesickertes Motoröl zu den Brennräumen ist bei der liegenden Boxerkonstruktion obligatorisch und wird jetzt unvollständig verbrannt durch die chromblitzenden Auspuffrohe, die in die Stoßstange integriert sind. Ein kleiner Stoß auf das Gaspedal lädt alle 4 Zylinder ein, die Kolben in Schwung zu bringen. Der anfangs etwas unruhige Lauf verändert sich in einen gleichmäßigen Ruheleerlauf  - das mittig angeordnete Drehzahlmesser konvergiert in Richtung 600 U/min.

Schöne Aussichten: 356 C Coupé

Die Gasannahme ist ohne Stottern und Verschlucker. Was dürfen wir jetzt auf der Straße erwarten, "Käferfeeling" oder Fahreigenschaften und -qualitäten, die den Namen des Konstrukteurs zurecht tragen. Erst einmal fällt bei der Langsamfahrt auf, daß das große Volant sich spielend leicht bewegen läßt, da ist doch kein Lenkservo drin? Nein, vorn ist er leicht gebaut und die 165er-Reifen radieren nur wenig auf dem Asphalt. Lenkrad zur Sitzposition, Armweite zum kurzen, etwas zum Fahrer gebeugten Schalthebel, stehende Pedale - alles paßt zueinander, die Ergonomie kann sich an modernen Maßstäben messen lassen.

Das Öl hat jetzt die Warmlauf- Betriebstemperatur erreicht, bis 3000U/min. klingen die Graugußzylinder ja noch nicht nach Sportwagen, es ist eher ein zwar typisches aber dezentes Motorgeräusch. Die Staßenverhältnisse lassen es zu - und der Porsche wird beschleunigt. Da ist es, Ansauggeräusche, kernige, akustische Signale vom Heckmotorveteran vermitteln mehr Lust die Drehzahlreserven auszuschöpfen. Bei der Kurvenfahrt bleibt der Fuß auf dem Gaspedal, exakt zirkelt der 356er die Kurven bei geringer Lenkbewegung. Auf trockener Straße ist kein Ausbrechen des Hecks zu befürchten, fast ohne Seitenneigung und ohne nachsteuern zu müssen zeigen sich jetzt seine fahrdynamischen Qualitäten. Mit der Konstellation von Heckmotor, hintere Pendelachse und kurzer Radstand  ist er oft als “Ausbrecherkönig” eingestuft worden - aber das gehört wohl in den Bereich der Anekdoten. Hat man die ersten Lektionen kapiert, kann man es ordendlich angehen, der Kurvenscheitelpunkt wird angepeilt, und der 356er fährt wie an einer Schnur gezogen durch die Landschaft. Das ist so ziemlich das beste Fahrgefühl in diesem Auto, die schelle Kurvenfahrt! Die Befürchtung, wenig Sportwagen-Performance zu erleben, ist spätestens jetzt nicht mehr existent. Lediglich die Fahrwerkaufhängung ist gewöhnungsbedürftig, bei Querrinnen oder unruhiger Strecke klappert der vordere Wagen erheblich und der nächste Bahnübergang wird mit mehr Bedacht angefahren.

Natürlich kann man auch gemütlich fahren im 356er, zur Straßenlage gesellt sich der Fahrkomfort. Die Kupplung ist leicht durchzutreten, die 4-Gangschaltung läßt sich treffsicher aber auch mit viel Freizügigkeit in den Schaltwegen einlegen und die Stockhandbremse sucht man beispielsweise links parallel zur Lenkstange unter dem Armaturenbrett. Spätestens beim Halten vor der Ampel bemerkt man, daß man automobil- historisches Kulturgut bewegt. Die Blicke gelten nicht etwa dem neuen TT- oder SL-Roadster, der zufällig vor einem in der Reihe steht, kein Zweifel, die Wertschätzung gehört dem alten Blech.

4 Scheibenbremsen, robuste Motortechnik, die große Panoramaheckscheibe machen das C-Modell auch heute noch mindestens sommeralltagstauglich - die Cabriolet-Variante ohnehin. Seine bestechenden Fahreigenschaften und -qualitäten erkennt man freilich erst, wenn man das Privileg hat den 356er auch zu bewegen. Die schwungvolle Form, noch aus dem Sportwagenbau vor dem großen Umbruch, gepaart mit seinem eher biederen Interieur-trim, die gering produzierte Stückzahl und natürlich der Mythos Porsche machen ihn heute noch so begehrenswert.

Ach ja - fast vergessen: beim Abstellen in den Rückwärtsgang schalten und Getriebeschloß einlegen - bis zur nächsten Ausfahrt!

Olaf Häner 12.2006

Bilder © Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

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