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Herbstausfahrt des Porsche 356 Club Schweiz

So wie jedes Jahr fand auch diesmal die Herbstausfahrt des Porsche 356 Clubs Schweiz statt, diesmal in Mannheim, zu Gast bei Christian Loch (Christian 356), der das Treffen organisierte. Los ging es bereits freitags, am 1.9.06, pünktlich mit gutem Wetter. Das gute Wetter sollte sich auch noch das ganze Wochenende halten und absolutes „Sommerfeeling“ verbreiten.




Lili im 550 Spyder

"Gleich zu Beginn hatte ich die einmalige Gelegenheit zusammen mit Christian in einem fast originalen 550 Spyder über die A656 in das PZ Mannheim zu rauschen. Im oberen Bereich der Tachonadel wird die Fahrt in einem solchen Auto doch eher unbequem, vor allem, wenn man kein Kopftuch in der Handtasche hat... Aber der Klang und der Glanz eines Spyders machen so etwas zu Nichtigkeiten." (Lili)

Aus der Schweiz waren rund 30 Porsches überwiegend vom Typ 356 angereist. Ausnahmen bildeten einige neuere Modelle, wie 911 und eine Z06, die am Tag darauf noch von sich zu reden machte... Neben den Schweizern waren auch ein paar Deutsche mit von der Partie, welche die Fahrzeugpalette um ein paar weitere 356er und manchen 911er ergänzten.

Ganz zeitgemäß auch der Bus

Für den Freitagabend stand zunächst die allgemeine Begrüßung mit Apéro auf dem Programm, wobei sich die bereits Angereisten schon beschnuppern konnten. Herr Landerer vom Landesmuseum für Technik und Arbeit Mannheim hielt einen Vortrag über Mannheim als die Stadt der Mobilität, die im Laufe der Zeit weltbewegende Erfindungen wie die Draissche Laufmaschine, den Patent-Motorwagen von Carl Benz, sowie den Bulldog der Lanz-Werke hervorbrachte. Daran schloss sich die Fahrt zum gemeinschaftlichen Abendessen in (mit) einem Mercedes Oldtimerbus an, der eine spezielle schweizer Schmalspurausführung war. In diesem Gefährt absolvierten wir an dem Abend noch eine von Christian geführte Mannheimer Stadtrundfahrt „by night“ und ein paar frisch gezapften Bieren aus dem buseigenen „Perfect Draft“. Die Nacht verbrachte man wahlweise im für den Event gebuchten Hotel oder zu Hause. Einige der Teilnehmer verbrachten noch ein paar lustige Stunden in der Lounge, wo man Gespräche von Benzin bis schweizer Haute Couture führte.

Im 356 A Cabrio: Odo01

Samstag begann zunächst mit Arbeit. Bereits um 9.30 Uhr traf man sich zu einer Fahrerbesprechung, in der das Bordbuch als auch 360° Wendungen und andere Rallye Spezialitäten erläutert wurden. Dann folgte die Startaufstellung vor dem Landesmuseum, wo sich schon trotz der frühen Morgenstunde zahlreiche Schaulustige eingefunden hatten. Mit von der Partie waren superbär in einem 356 C von 1964, odo01 in einem 356 A Cabrio von 1958 und Matze 964 und Lili in einem 964 Cabrio von 1991.

Schon der Start bereitete manchen Teilnehmern Kopfzerbrechen. Verlangt war ein Le Mans Start. Dieser beinhaltet einen 10m Sprint des Fahrers zum stehenden Fahrzeug, den Start des Autos, Zurücksetzen bis zu einer Markierung (bzw. darüber hinaus) und schnellstmögliches Vorstoßen zur Startmarkierung. Fast alle bewältigten diese Aufgabe mühelos. Der ein oder andere hatte wider Erwarten Probleme seine Z06 zu starten und verlor wertvolle Sekunden – ganz zur Erheiterung aller Zuschauer - oder tat sich schwer damit die geforderte Distanz zwischen den beiden Punkten zurück zu legen, wie Matze und Lili.

Und schnell wieder einsteigen

Die anschließende Fahrt durch den Ostteil Mannheims in die Rheinebene begann ruhig nach Chinesenzeichenskizzen. Jedoch wartete die erste Falle schon in Heddesheim, wo einem schon ein paar desorientierte 356er entgegenkamen, denen man sich auf der Suche nach dem richtigen Weg später anschloss.

Der Weg führte über eher untergeordnete Sträßchen von Südwest nach Nordost zur ersten Wertungsprüfung, der Gleichmäßigkeitsprüfung. 20 Minuten lang sollte man eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 36 km/h aufrechterhalten.

"Das führte dazu, dass manche Fahrer anfangs mit annähernd maximum Warp den Odenwald durchquerten (man muss ja für alle Fälle Zeit gutmachen) um kurz vor dem Ziel die Geschwindigkeit auf plusminus 0 zu verringern und im Schneckentempo mit Ablauf der 20. Minute übers Ziel zu kriechen. Für den Beifahrer war dies jedoch durch die Beschäftigung mit der Uhr, den Chinesenzeichenskizzen und später den Lippenpflegestiften und anderem unabdingbaren Bordwerkzeug im Fußraum kaum zu bemerken." (Lili)

Hiernach schloss sich eine Fahrtstrecke nach Pfeilskizzen und schließlich wieder nach Chinesenzeichen bis zur Mittagsrast in Zwingenberg im Neckartal an.

"Dieser Streckenabschnitt war zwar etwas ruhiger als der zuvor, jedoch war er ausreichend um das Windschott aus seiner Verankerung zu lösen. Zum Glück sind Fahrer nicht so sehr mit dem Bordbuch beschäftigt und können dies bemerken und dem Beifahrer so eine angenehmere Weiterfahrt bei normaler Belüftung zu sichern." (Lili)

Das erfolgreiche PFF-Team

Die Fahrer und Beifahrer wurden vom Roten Kreuz Friedrichsfeld im Rahmen einer Feldübung mit Erbsensuppe und Mineralwasser auf dem Firmenparkplatz von Mosca gegen Ausfallerscheinungen versorgt. Hier hatte man außerdem Zeit sich noch ein paar besondere Mitfahrer anzusehen, wie z. B. ein 356er Continental Cabrio, ein VW Hebmüller Cabrio des Rennleiters, eine 356 Knickscheibe, 356 Speedster und Roadster, einen 964 mit Roter Innenausstattung und rotem Verdeck und eine Corvette Z06, die beim anschließenden Start in den 2. Teilabschnitt auf Anhieb unter Zurücklassung zweier schwarzer Streifen auf dem Asphalt vom Fleck kam.

"Gleich nach dem Restart kam es dann zur ersten Schrecksekunde für die 964-Tiptronic-Cabrio-Besatzung: Inspiriert durch den furiosen Kavalierstart der Z06 (und weil es zuvor im ersten Streckenabschnitt schon mal in einer engen 180-Grad-Kehre so gut geklappt hatte), meinte der Fahrer, die nun folgende Spitzkehre im Powerslide nehmen zu müssen (das geht auch mit einer Tiptronic). Dummerweise hätte der Fahrer beinahe das Gegenlenken vergessen, konnte letztlich die Fuhre aber wieder auf Kurs bringen. Leider ließ sich dieses Missgeschick nicht vor dem Beifahrer verbergen. Einige Zeit später folgte dann der nächste Fauxpas: In einem der wenigen Teile der Rallye, die der Fahrer (die Gegend ist schließlich seit 42 Jahren seine Heimat) noch nie befahren hatte, entpuppte sich die scheinbar geradeaus führende Straße für ihn im letzen Moment als Zufahrt zu einem Waldparkplatz. Die eigentliche Straße verlief in einem scharfen Linksknick. Aber auch dies ging jedoch trotz möglicherweise nicht ganz angemessener Geschwindigkeit gerade noch mal gut. Der Beifahrer zeigte sich gewohnt abgeklärt." (Matze)

Im 2. Teilabschnitt stießen die Teams früher oder später, je nachdem ob man noch einen Pitstop zur Speiseeisbetankung einlegte oder nicht, auf die Aufgabe der Standortbestimmung.

"Konzentriert machten wir uns zuvor Gedanken, wie sich diese am besten bewerkstelligen ließe, z.B. über die Himmelrichtungen anhand des Sonnenstands, über zurückgelegte Strecken und durchfahrene Orte, um dann zu unserer Überraschung vom Streckenposten anhand der Karte den aktuellen Standort erklärt zu bekommen und diesem wiederum den Weg nach Norden zu weisen. Inspiriert von dem Speiseeispitstop der Konkurrenten machten wir uns auf nach Ladenburg, wo man doch relativ einfach ein Eiscafé finden sollte. Der Beifahrer war jedoch hierzu entgegen dem bis dahin gewohnten nicht zu gebrauchen." (Matze)

Lautstarker Rennbolide: Mercedes 190 SLR W121

"Und so führte uns der Fahrer zu Schokobecher und Eiskaffee. Vermutlich trafen wir als letzte im Ziel, dem Automuseum Dr. Carl Benz  in Ladenburg, ein." (Lili)

Hier waren die Entwicklungen hauptsächlich eines zeitweiligen Arbeitgebers von Ferdinand Porsche zu bestaunen. Nebensächlich fand man hier aber auch eine Entwicklung von Ferry Porsche, die man an dem Tag eigentlich schon oft gesehen hatte, noch ein paar Citroën und ein paar Rennwagen aus der DTM und der Formel 1. Für die Teilnehmer der Porsche 356 Club Schweiz Herbstausfahrt wurde sogar ein Mercedes 190 SLR W121 aus dem Jahre 1957 gestartet und veranstaltete selbst für moderne Ohren ein Höllenspektakel. Damit klang die Rallye aus und man hatte Zeit sich für die Siegerehrung im Porsche Zentrum Mannheim um 19.30 Uhr frisch zu machen.

Das Porsche Zentrum Mannheim hatte sich nicht lumpen lassen und deckte auf der zweiten Ebene reichhaltig ein. Es waren jede Menge Tische und Bänke aufwändig dekoriert und zurechtgerückt worden, es gab ein Vorspeisenbuffet, ein warmes Buffet und ein Süßspeisenbuffet. Dazu wurde von netten Bedienungen Sekt, Wein und Softdrinks gereicht. Das Programm begann mit der Begrüßung durch den Organisator Christian, anschließend richtete Herr Fehringer, der Verkaufsleiter des PZ Mannheim, ein paar Worte an das Publikum.

Herbert Linge zusammen mit Christian Loch, dem Organisator des Events

Höhepunkt waren aber die Erzählungen des Ehrengastes, Herbert Linge, dem ersten Lehrling bei der Firma Porsche, Rennfahrer für Porsche, Betriebsleiter des Entwicklungszentrums in Weissach und Filmdouble für Steve McQueen im Film „Le Mans“ von 1971, in dem er einen 917 pilotierte. Genannter Film flimmerte den Abend über auf einer Leinwand im Hintergrund im Wechsel mit dem Film über den schweizer Rennfahrer Jo Siffert. Christian hatte als passende Dekoration vom Porsche Museum  den 550 Spyder (550 02), mit dem Hans Herrmann 1954 bei der "Carrera Panamericana" den Klassensieg und den 3. Rang im Gesamtklassement erzielte, zur Verfügung gestellt bekommen. Des Weiteren waren ein 356 Karmann Hardtop Coupé und ein Porsche Diesel Super zu Gast.

Ehre wem Ehre gebührt: Siegerehrung

Die Siegerehrung erfolgte durch Herbert Linge und Christian Loch und barg für manche Teilnehmer Überraschungen. Die beiden dritten Plätze belegten ein schweizer Paar im 356 vor A Speedster von 1955 und ein Tübinger Paar im 911 Carrera Cabrio von 1989. Der zweite Platz ging an ein (Kur)pfälzer Gespann im schwarzen 964 Cabrio mit roter Innenausstattung, rotem Verdeck und Tiptronic von 1991. Der ehrenwerte erste Platz wurde ergattert von Mannheimern in einem 356 B Coupé von 1960. Mit odo01 in einem 356 A Cabrio von 1958 schaffte ein weiteres PFF-Mitglied den Sprung in die Top 10, nämlich Platz 8.

Der Sonntag begann gemächlich um 10.30 Uhr und führte von Mannheim über Heidelberg, durch das Neckartal zum Porsche Renndienst Hermann Rüttger in Eberbach. Wir wurden dort mit Hörnchen und frischem Kaffee empfangen und durften andächtig durch die Hallen schlendern und diverse Exponate des Porsche Museums, die in dieser Werkstatt restauriert oder für Renneinsätze vor- und nachbereitet werden, bestaunen. Die einzelnen Fahrzeuge werden hier näher beschrieben. Hermann Rüttger und sein Team beantworteten gerne Fragen und hatten die ein oder andere Erzählung zu den Fahrzeugen parat. Um die über das Gelände zerstreute Menge zusammen zu bringen, genügte ein Grollen des Porsche Formel 1 Rennwagens.

Alles in allem lässt sich sagen, dass die Herbstausfahrt des Porsche 356 Club Schweiz ein gelungenes Event war, das einem wohl lange Zeit in Erinnerung bleiben wird! Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht zum letzten Mal in Deutschland stattfand.

lil/mb 11.2006

Fotos: Andreas Bippes, Liliana Layer, Matthias Brausch

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